Griechische Anleihen werden kaum versichert
Thomas Kallwaß in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 19. Oktober 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
Ob am Vorwurf etwas dran ist, Swapspekulanten hätten die Eurokrise ausgelöst, haben wir gestern geklärt. Die Kausalkette, hohe Versicherungsprämien würden hohe Risiken verursachen, ist logisch nicht zu erklären. Heute wollen wir noch einen Schritt weiter gehen und untersuchen, ob die Marktdaten überhaupt übermäßig viele Spekulationen auf eine Pleite Griechenlands anzeigen.
Es werden viele Swaps für griechische Anleihen gehandelt
Die ISDA, die Dachorganisation der Swaphändler, führt umfassende Statistiken über den Swaphandel. Diesen Statistiken können wir entnehmen, dass das Bruttovolumen ausstehender CDS für Griechenland rund 75 Mrd US-Dollar beträgt. Griechenland steht damit an 13. Stelle auf der Liste der 1000 meistgehandelten CDS-Basiswerte. Doch daraus können wir noch nicht schließen, dass die CDS in der Tat verantwortlich sind für den enormen Zinsanstieg bei griechischen Anleihen.
Marktvolumen bedeutet nicht gleichzeitig hohe Prämien
Würde dem so sein, müsste das aber auch für die Plätze 1 bis 12 gelten. Dort finden sich Länder wie Deutschland oder auch Firmen wie General Electric, beides eine der solventesten Schuldner der Welt mit besten Zinskonditionen. Trotz größerem CDS-Handelsvolumen haben Deutschland und General Electric keinerlei Probleme, sich günstige Kredite in beliebiger Höhe zu beschaffen.
Das Bruttovolumen taugt offenbar nicht als Indikator.
Nur 2% aller griechischen Anleihen sind überhaupt versichert
Sehen wir uns also das Nettovolumen an. Das Nettovolumen gibt die realen Zahlungsströme an, die im Falle einer Pleite von den CDS-Emittenten zu leisten wären. In der Liste tauchen wieder Deutschland und General Electric auf den Top10-Positionen auf, nicht aber Griechenland. Griechenland folgt erst auf Platz 32 mit einem Nettovolumen von mikrigen 3,7 Mrd US-Dollar.
Zur Einordnung: Griechenland gab Anleihen im Volumen von rund 385 Mrd US-Dollar aus. Es wurden also weniger als 1% aller griechischen Anleihen versichert.
Zum Vergleich: Es sind derzeit etwa 1,27% aller deutschen Anleihen versichert, also ein Viertel mehr. Trotzdem behauptet niemand, es würde auf eine Pleite Deutschlands spekuliert.
1% sind keine übermäßige Spekulation auf eine Pleite
Wären die Zinsen für Griechenland wegen böser CDS-Spekulanten gestiegen, dann würde in diesem Fall der Schwanz mit dem Hund wackeln. Der Markt für griechische Anleihen ist mehr als 100x größer als der für griechische CDS. Die CDS-Prämien stiegen also, weil die Zinsen der Anleihen steigen. Und die wiederrum stiegen, weil die Kreditgeber sich von Griechenland getäuscht fühlten und das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit des Landes verloren.
Die Marktdaten zeigen ganz klar, dass die typische Medien- und Politikerdarstellung falsch ist. Und zwar nicht nur im Falle Griechenlands, sondern auch Irlands und Portugals, die ebenfalls nicht unter den Top 10 der Netto-CDS-Positionen zu finden sind. In allen Fällen gerieten die Länder in Schwierigkeiten, weil sie untragbare Schulden anhäuften - nicht weil sich ein paar verunsicherte Anleger gegen Zahlungsausfälle versicherten.
Der Swapmarkt ist ein Nebenkriegsschauplatz
Statt sich also auf dem Nebenkriegsschauplatz Swapmarkt zu verzetteln, sollte sich die Politik lieber um die eigenen Probleme kümmern. Bei wirksamen Kontroll- und Sanktionsmechanismen hätten gar nicht erst gefährlich große Schuldenberge angehäuft werden können. Doch auch zwei Jahre nach Beginn der Eurokrise sind diese Krisenpräventionen nicht einmal als Plan skizziert, geschweige denn rechtsverbindlich eingeführt.