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Devisen und Devisenhandel: Die Grundlagen

Von Superuser Superuser | 01. März 2013 | Artikelbewertungen
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Devisen und Devisenhandel: Die Grundlagen
Devisen und Devisenhandel: Die Grundlagen
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Was sind eigentlich Devisen im Unterschied zu einer Währung? Laut Meyers Lexikon verbriefen Devisen Zahlungen in fremder Währung an einem ausländischen Platz, dienen der Bezahlung importierter Waren und Dienstleistungen und werden für internationale Kapitaltransaktionen benötigt. Im Gegensatz zu den Devisen, die das Buchgeld darstellen, gilt in der Banksprache der Ausdruck Sorten als Bezeichnung für ausländisches Bargeld, also das reale Geld in ausländischer Währung.

 

Devisen als Basis für alle internationalen Transaktionen ...

Der Devisenmarkt ist der größte und liquideste Markt der Welt, denn er stellt die Basis für alle anderen internationalen Transaktionen dar. Devisen werden nicht über eine einheitliche Börse gehandelt wie die Aktienmärkte. Stattdessen hat sich ein Netzwerk von Banken und Brokern entwickelt, die untereinander handeln, ohne dass eine übergeordnete Instanz wie eine Börse den Prozess überwacht. Daher wird dieses Netzwerk auch als Interbanken-Markt bezeichnet. Es gibt hier auch keine festen Regularien, sondern die Händler halten sich lediglich an einen allgemeinen Verhaltenskodex, den Model Code. Der Name Forex ist nur die Abkürzung für Foreign Exchange, übersetzt "Tausch von Devisen" und stellt keine instutionalisierte Börse dar, sondern hat sich einfach als Bezeichnung für den gesamten Devisenmarkt etabliert.

 

... sind der grösste und liquideste Markt der Welt

Das Volumen des Devisenmarktes ist nicht so einfach zu bestimmen wie an den Aktienbörsen, wo Sie sich täglich die gehandelte Stückzahl der Aktien abrufen können. Von der Bank of International Settlements wird alle drei Jahre in einer aufwendigen Statistik das Volumen des Marktes bei den beteiligten Banken abgefragt. Die letzte Umfrage war im Jahr 2004, aktuell läuft wieder eine neue Erhebung. Bei diesen Daten hat sich eine interessante Entwicklung ergeben:: Das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen fiel von 1.490 Mrd. USD im Jahr 1998 auf 1.200 Mrd. USD im Jahr 2001. Dafür war nicht nur die Wirtschaftsschwäche verantwortlich, sondern durch die Einführung des Euro mussten weniger Devisen getauscht werden, weil ja viele Nationalwährungen in Europa wegfielen. Bei der jüngsten Erhebung im Jahr 2004 stieg das Volumen aber wieder deutlich an auf 1.900 Mrd. USD. Daran erkennt man einerseits die boomende Wirtschaft, die mehr Transaktionen benötigt, andererseits nimmt auch insgesamt das Interesse am Devisenhandel zu, so dass immer mehr Marktteilnehmer am Devisenmarkt teilnehmen.

 

Wer handelt Devisen?

Aufgrund des technischen Fortschritts wird es auch für Privatanleger immer einfacher, sich neben dem Aktienmarkt bisher unzugängliche Marktsegmente wie den Devisenhandel zu erschließen. Bevor Sie jedoch beginnen, am Devisenmarkt zu traden, sollten Sie sich erst einmal bewusst machen, wer eigentlich Ihre Gegenüber im Handel sind und welche Ziele diese verfolgen.

 

Großbanken stellen die Devisenkurse

Bei großen internationalen Banken sitzen die sogenannten Market Maker, deren Aufgabe das Quotieren der Devisenkurse für andere Marktteilnehmer ist. Sie stellen damit die Liquidität für alle anderen Devisenhändler sicher. Ihr Verdienst besteht in erster Linie aus der Differenz zwischen den An- und Verkaufskursen, sie können aber auch aus kurzfristigen Positionen im Markt zusätzliche Erträge erwirtschaften.

 

Proptrader spekulieren mit Devisen

Bei den Banken gibt es aber auch strategische Händler, sogenannte Proptrader. Ähnlich wie ein Privatanleger handelt ein Proptrader kurzfristige Positionen allein mit dem Ziel, Gewinne zu erzielen. Im Gegensatz zu Ihnen erhält der strategische Händler dafür jedoch ein Gehalt von der Bank. Er kann sich allerdings einen zusätzlichen Bonus durch die Beteiligung an Gewinnen erwirtschaften. Macht er Verluste, trägt diese die Bank. Daher wird er streng überwacht und im Zweifelsfall kurzfristig abgeschaltet und in den frühen Feierabend geschickt.

 

Broker vermitteln die Devisengeschäfte der Handelspartner

Broker stellen das Bindeglied zu den Kunden der Banken dar. Früher lief dieses ganze Geschäft über Telefon ab. Der Broker war auf der einen Seite mit den Market Makern verbunden, die ihm den Kurs stellten. Am nächsten Telefon hatte er den oder die Kunden, die ihm ihre Kauf- bzw. Verkaufswünsche mitteilten. Dabei musste der Kunde oft mehrere Broker anrufen, um einen guten Kurs gestellt zu bekommen. Durch die moderne Technik nimmt aber die Zahl der klassischen Telefonbroker stetig ab und immer mehr Geschäfte werden über elektronische Broker abgewickelt. Im Gegensatz zu den Brokern, über die Sie als Privatanleger handeln, stellen die institutionellen Broker wie EBS und Reuters Dealing permante Quotierungen, die als Referenz für den ganzen Markt dienen. Der Verdienst der Broker besteht nur in den erhaltenen Gebühren, die er von den Großkunden erhält. Die Höhe hängt dabei allein davon ab, wie viele Geschäfte er erfolgreich vermitteln kann, eigene Positionen hält er gewöhnlich nicht.

 

Zentralbanken sind auch Teilnehmer am täglichen Devisenhandel

Auch die Zentralbanken nehmen am Devisenhandel teil. Abgesehen von manchmal nötigen Interventionen, auf die ich an dieser Stelle aber nicht eingehen will, laufen über sie auch viele Außenhandelsgeschäfte, für die Devisen benötigt werden. Diese kommerziellen Geschäfte haben oft beträchtliche Größenordnungen, die die Kurse deutlich beeinflussen können. Die Zentralbanken wickeln diese Transaktionen ohne eine Gewinnerzielungsabsicht aus.

 

Unternehmen benötigen Devisen für ihre Geschäfte

Alle Firmen, die international tätig sind, benötigen Devisentransaktionen zur Abwicklung ihrer Aktivitäten im Ausland. Große Konzerne haben eigene Abteilungen, die sich nur mit den benötigten Devisenströmen befassen. Dabei werden häufig Zahlungsverpfichtungen oder -eingänge am Terminmarkt abgesichert, um die kurzfristigen Wechselkursschwankungen in Grenzen zu halten. Normalerweise ist es das Ziel dieser Unternehmen, Währungsverschiebungen zu vermeiden. Die Konzerne agieren meist langfristig, es können jedoch auch zusätzliche Einnahmen durch den Devisenhandel erzeugt werden.

 

Hedgefonds

Auch Kapitalanlagesellschaften im weitesten Sinn agieren am Devisenmarkt. Während sich Anlagefonds ähnlich wie Unternehmen verhalten, spekulieren Hedgefonds gern mit Devisen. Sie nutzen die häufig sehr stabilen, langen Trends und die geringen Marginanforderungen zur Erzielung gehebelter Profite. Dabei stieg der Umsatz dieser Transaktionen in den vergangenen Jahren enorm an, er führte unter anderem zu der oben erwähnten Erhöhung des täglichen Handelsvolumens. In jüngster Zeit sind dabei vor allem die Carry-Trades zu erwähnen, bei denen Kredite in einer schwachen Währung aufgenommen werden, um das Geld dann in höher verzinsten Währungen oder anderen Anlageklassen anzulegen. Hedgefonds sind die klassischen Spekulanten, ihnen geht es nur darum, mit ihren Transaktionen möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Damit agieren sie teilweise in einem ähnlichen Bereich wie die Proptrader, halten aber auch längerfristige Positionen und sind freier in ihren Anlageentscheidungen.

 

Devisenhandel als neues Anlagemedium für Privatanleger

Während bis vor einigen Jahren der Handel mit Devisen überwiegend großen Adressen vorbehalten war, öffnet er sich in jüngster Zeit immer mehr den Privatanlegern. Durch die Entwicklung der modernen Elektronik ist es kein Problem mehr, über eine spezielle Handelsplattform von zu Hause aus am Devisenmarkt teilzunehmen. Immer mehr Privatanleger finden an diesen neuen Handelsmöglichkeiten Gefallen, so dass auch in diesem Bereich das Volumen deutlich gestiegen ist. An dieser Stelle will ich darauf aber nur so weit eingehen, dass Sie sich bei der Entscheidung für dieses Marktsegment klar sein müssen, mit welchen Akteuren Sie handeln. Das Traden mit Devisen bietet große Chancen, aber Sie sollten das vorhandene Risiko genauso professionell managen wie die großen Akteure am Markt.

 

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