China beschließt neue Rohstoff-Steuer, Start 1. November!

in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom


*** Das ist das "Schöne" an Regierungen wie der chinesischen: Wenn da was beschlossen wird, dann kann es auch - zack - umgesetzt werden.

So mit der neuen chinesischen Rohstoff-Steuer. Diesen Monat beschlossen - eingeführt werden soll sie zum 1. November.

Und zwar sollen alle Metalle, die aus chinesischem Boden stammen und in China oder im Ausland verkauft werden, mit einer Steuer belegt werden. Durchaus sinnvoll, denn so wird bei Exporten ein größerer Teil des Gewinns aus diesen Bodenschätzen im Land gehalten.

Besonders hellhörig bzw. scharfäugig wurde ich, als ich las, dass es auch um die Metalle der "Seltenen Erden" geht. Denn bei denen hat China noch ein nahezu Monopol beim Angebot - zwischen 95% und 97% des Angebots an Seltenen Erden-Metallen kommen aktuell aus dem Reich der Mitte.

Es gibt einige Projekte, welche entsprechende Minen außerhalb Chinas vorbereiten. Doch das dauert so seine Zeit, sprich einige Jahre, in Westaustralien geht es früher. Aber China wird bis mindestens 2014 der größte Anbieter bei den Seltenen Erden-Metallen bleiben.

Und da dürfte es klar sein, dass die neue chinesische Rohstoff-Steuer nahezu 1:1 auf die Verkaufspreise aufgeschlagen werden wird. Die Käufer werden wohl klaglos zahlen - denn wenn ein Käufer z.B. Neodym für eine Offshore-Windanlage braucht, dann zahlt er eben 10% mehr, wenn das gefordert wird. Daran soll das Projekt nicht scheitern. Und alternative Lieferanten gibt es eben noch kaum.

*** Die neue Rohstoff-Steuer gilt auch für alle anderen strategischen Metalle Chinas. Und da gibt es einige, bei denen Chinas Anteil am weltweiten Angebot ebenfalls aufhorchen lässt. Beispiel Bismut. Ist Bestandteil von diversen Legierungen und auch ein beliebter, da ungiftiger Ersatz für Blei. Weltweite Produktion im Jahr 2010: Rund 7.600 Tonnen. Davon der Anteil Chinas: Rund zwei Drittel. (Quelle der Zahlen - Sie ahnen es vielleicht: Das brandneue "Strategische Metalle für Investoren" von Gunther Maassen und einem gewissen Michael Vaupel).

Dann ist da noch Cadmium, bei dem China mit rund einem Viertel der Weltproduktion das größte einzelne Land auf der Angebotsliste ist. Beim Metall mit dem schönen Namen Germanium ist keineswegs unser Germanien der weltgrößte Förderer - sondern mit Abstand ebenfalls, naklar, China.

Und so weiter, und so fort.

Festzuhalten bleibt: China spielt seine Marktmacht zunehmend aus. Die ab. 1.11. eingeführte "Rohstoff-Steuer" dürfte die Preise zahlreicher Metalle auf dem Weltmarkt wohl nahezu 1:1 verteuern. Mit allen Folgen für die abnehmenden Industriezweige.

Die Regierungen besonders westlicher Staaten täten wohl daran, das Erschließen alternativer Vorkommen zu fördern. Für alle Fälle. Es ist nie gut, wenn man hauptsächlich von einem Lieferanten abhängig ist - egal, wie gut befreundet man ist...

Dies meint und sendet Ihnen herzliche Grüße:



Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur Trader´s Daily


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Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.


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