100 Jahre Missmanagement
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 21. Januar 2010, 07:30 Uhr
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Es muss in der Hölle eine dunkle Ecke geben, die gerade für die modernen Wirtschaftswissenschaftler aufgewärmt wird. Sie haben dazu beigetragen, die schlimmste Krise aller Zeiten zu verursachen... mit ihren Theorien der effizienten Märkte und dem Modern Portfolio Management. Sie sind daran gescheitert, zu erkennen, was es wirklich war. Und dann kamen die Probleme, und sie haben es noch schlimmer gemacht.
Aber anstatt sich an die feuchte Zelle zu gewöhnen, sind eben diese Wirtschaftswissenschaftler auf die Bühne stolziert und haben sich selbst dazu gratuliert.
"Die schwerste Krise, die sich so leicht im Jahr 2009 hätte ereignen können - die es aber nicht tat - ist das Verdienst, das die Welt den Wirtschaftswissenschaftlern verdankt", schreibt Arvind Subramaniam in der Financial Times.
Ich hatte von Anfang an Schwierigkeiten, diesen Satz zu verstehen. Er ist so verwirrt und kindlich, wie der atemberaubende Betrug, der dahinter steckt. Doch dann richtet Mr. Subramaniam die Bühne her:
Im Jahr 2008, als sich die Finanzkrise langsam entwickelte, schien die Reputation der Wirtschaftswissenschaften als Disziplin und der Wirtschaftswissenschaftler als nützlicher Politikmacher unwiederbringlich eingebrochen. Queen Elizabeth fing die Stimmung ein, als sie pointiert frage, warum niemand (und insbesondere nicht die Wirtschaftswissenschaftler) die Krise hatte kommen sehen. Und es besteht gar kein Zweifel daran, dass diese Branche - mit Ausnahme einiger weniger Kassandras, die die Untergangsstimmung richtig vorhergesehen hatten - im großen Stile gescheitert war."
Er weist die Queen dann mit einer sehr klugen Frage zurück:
Aber es wird immer zu Krisen kommen, und selbst wenn es eine regelhafte Wiederkehr der Krisen gibt, wie die Professoren Reinhart und Rogoff verzeichnet haben, werden ihr Timing, die Form und die Herkunft der Vorhersage immer entgehen."
Doch zeigt der Nachweis nicht, dass die Krisen der Vorhersage entgehen, und jeder Idiot hätte diese Krise kommen sehen können. Aber die Prognostiker, die so gründlich zur Krise beigetragen haben, haben sich selbst mit ihrem eigenen Unsinn geblendet. Doch Mr. Subramaniam geht immer noch davon aus, dass man den Berufszweig aufgrund der Art, wie er auf die Krise reagiert hat, doch wieder rechtfertigen kann.
Bei der Geldpolitik hielt sich Bernanke an das Wort, das er Milton Friedman anlässlich seines 90. Geburtstags gegeben hat: Was die Weltwirtschaftkrise anbelangt, haben sie Recht. Wir haben es dahin gebracht. Es tut uns leid. Aber es ist Ihnen zu verdanken, dass es dazu nicht wieder kommen wird. Bernanke, der hervorragende Kenner der Weltwirtschaftskrise, fand einige konventionelle und einige sehr unkonventionelle Möglichkeiten, es nicht wieder dazu kommen zu lassen. Zum Gipfel seiner Interventionen, glich die amerikanische Zentralbank der sowjetischen Gosbank, mehr ein Mikroverteiler von Krediten, als ein Verwalter der makroökonomischen Politik."
Das war vermutlich nicht der Punkt, um den es ihm ging, aber die amerikanische Zentralbank gleicht der Gosbank aus der sowjetischen Ära - sie manipuliert, mischt sich ein und verwaltet die Wirtschaft so, dass sie nun auf dem Weg in die Zerstörung ist. Gleichzeitig leistet sich auch der Kongress ein Management im sowjetischen Stil. Er ist heute im Besitz des größten Automobilunternehmens im Land und des größten Versicherers. Sie haben den Hinweis in den Schriften des akademischen Schreibers der alten Tage gefunden - Lord Keynes - und sie haben an den Stellen, an denen die private Nachfrage eingebrochen war, eine gewaltige öffentliche Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen hervorgebracht."
Ich schnappte immer noch nach Luft, als der Kolumnist Martin Wolf den Geist Keynes erneut anrief. Auch ihm lief ein Schauer über den Rücken, wenn er daran dachte, wie schrecklich es hätte ausgehen können, wenn die Finanzbehörden nicht rechtzeitig beherzt eingegriffen hätten:
Zu diesen Zeiten hätten wir noch nicht einmal das Überleben der Menschheit selbst garantieren können. Niemals zuvor habe ich so stark die Kraft von John Maynard Keynes Ansprache an die Wirtschaftswissenschaftler" wahrgenommen.
Gibt es noch irgendeinen Zweifel, dass Keynes ein Taugenichts war? Die Zivilisationen blühten schon tausende von Jahren, ehe der erste Mensch seinen Unterhalt als Wirtschaftswissenschaftler verdient hat. Die Krisen kamen und gingen. Im 19. Jahrhundert beispielsweise, gab es Paniken gefolgt von Krisen in den Jahren 1819, 1837, 1857, 1873, und 1893. Nicht eine diese Krisen schien einen großen" Modifikator zu brauchen. Hunderte von Banken sind gescheitert. Der Zivilisation schien das alles nichts auszumachen. Die Reichen und die Mächtigen haben ihre Lumpen wie alle anderen auch zusammengesucht. Den meisten Menschen hat es gefallen, ihnen bei ihrem Untergang zuzusehen. Die Geschäfte gingen weiter.
Heiligabend im Jahr 1913 hat der Kongress den Federal Reserve Act in Kraft gesetzt, und damit Amerikas Zentralbank eingerichtet. Erst zu diesem Zeitpunkt schlossen sich die Hände der Banker um die Kehlen der Wirtschaft. Der Dollar war das gleiche Wert wie hundert Jahre zuvor. Jetzt, fast hundert Jahre später, ist er nur noch drei Cent wert. Und nur 16 Jahre nachdem die Wirtschaftswissenschaftler ihre Posten bei der amerikanische Zentralbank besetzt hatten, kam eine Krise, die schlimmer war als alles, was das Land je erlebt hatte - zumindest war es das Schlimmste, nachdem die Wirtschaftswissenschaftler damit fertig waren.
Die Weltwirtschaftskrise war womöglich ein Unfall, aber die Entwertung des Dollars mit Sicherheit nicht. Es war nur eine Frage der Politik. Die Wirtschaftswissenschaftler, angeführt von Keynes, hatten die Vorstellung, dass sie die Wirtschaft vorantreiben könnten, indem sie eine Phantomnachfrage hervorrufen - in Form zusätzlicher Kaufkraft.
Der Goldstandard stand ihnen damals im Weg, man ließ ihn links liegen wie eine schlechte Wohngegend. Zuerst nur vorübergehend... dann teilweise... dann im Jahr 1971 vollständig. Der erste Boom der Verbraucherkredite kam in den Zwanzigern... und führte zur Weltwirtschaftskrise. Bis zu den 1980ern, 50 Jahre später, hatten die Amerikaner den letzten Rest der Angst vor Schulden verloren. Der Verbraucherkredit boomte wieder. Und dann erreichte er die Blasenphase. Die Wirtschaftswissenschaftler verstanden nicht, was da los war. Das verstehen sie nur selten. Aber sie mussten eine hundertjährige Flut der Verbraucherschulden erschaffen. Jetzt gratulieren sie sich selbst. Die Haushalte brechen ein, aber die Zivilisationen schwimmen weiterhin oben.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Marcel Alper (21.01. 2010 10:38 Uhr):
Der Beitrag: Brilliant Die Lage: Monty Python (Always look on the bright side of life) Was ist zu tun: Mit der Musik mitwippen (soweit das halt mit angenagelten Beinen möglich ist)
Antworten - Kommentar von Piel (21.01. 2010 11:18 Uhr):
Die modernen Wirtschaftswissenschaftler sind beim Versuch, ein funktionierendes Wirtschaftmodell zu entwickeln, genau so gescheitert wie Karl Marx. In diesem Punkt sind sie allesamt nicht einmal die Zeit wert, sich mit deren Theorien auseinander zu setzen. Der Hohn ist nun ihre Dreistigkeit und Unverschämtheit, mit denen sie nun nicht nur ihr klägliches Versagen rechtfertigen, sondern den aufgrund ihrer Theorien und sozialer Autorität mittelbar verursachten volkswirtschaftlichen Schaden gar als Erfolg und Wohltat dar zu stellen versuchen. Den beiden Autoren dieses Artikels spreche ich meinen Dank und meine Anerkennung aus.
Antworten - Kommentar von Michael Cohnen (21.01. 2010 13:25 Uhr):
Ihre Kommentare berühren oft die wahren Probleme, doch scheint Ihnen dann der Mut zu fehlen, die Hintergründe dieser Probleme etwas detaillierter zu behandeln. Es wäre sicher für viele Ihrer Leser eine schockierende Erkenntnis zu wissen, wie die FED in 1913 wirklich zustande kam und wie die FED funktioniert, d.h., daß Privatbanken die FED kontrollieren und somit nur die Interessen ihrer Hintermänner verfolgen, die letztlich zur "Neuen Weltordnung" führen sollen. Die Kontrolle der FED und des amerikanischen Finanzministeriums ist voll in den Händen von ehemaligen Bankern der Banken, welchen auch die FED gehört. Goldman Sachs spielt dabei eine ganz herausragende Rolle und hat jetzt den Status einer Bank. Gibt es einen einzigen ATMS-Automaten oder eine einzige Niederlassung von Goldman Sachs, wo eine Privatperson Geldgeschäfte erledigen kann? Nein. Dafür hat aber Goldman Sachs jetzt als Bank Zugriff auf die Gelder der FED, welche zu geringsten Zinsen zur Verfügung gestellt werden. Diese Gelder werden dann in Treasuries mit entsprechender Rendite gesteckt oder man beteiligt sich an Firmen in China. Kein Wunder erwirtschaftet GS riesige Gewinne. Und dies wird alles von Bernancke und Co. gedeckt, wobei evtl. Risiken vom amerikanischen Steuerzahler ohne Limit gedeckt werden. Vielleicht haben Sie den Mut, diese verbrecherischen Machenschaften beim Namen zu nennen,die letztlich nur der Bereicherung weniger zu Lasten der Allgemeinheit dienen. Da ich als Diplomkaufmann und auch andere mit Wirtschaftsverständnis, wie z.B. Prof. Otto, die ganze Wirtschaftskrise kommen sahen, sollten Sie vielleicht den Dummschwätzer Bernancke sowie auch Greenspan entlarven. Diese wussten ganz genau, was sie taten bzw. jetzt tun. Dies bleibt auch so, egal wie oft diese beiden oder andere bzw. die manipulierten Medien dies verneinen. Die Wahrheit bleibt die Wahrheit, egal wie oft das Gegenteil behauptet wird. Hoffentlich erleben wir es, daß diese auch von allen eines Tages erkannt wird und der Spuk beendet wird, bevor uns eine noch viel schwerere Witschaftskrise trifft. Anmerkung: in einem englischsprachigen Buch fehlten die 18 Seiten über das Funktionieren der FED. Wie schon, ich glaube, Benjamin Franklin gesagt hat, gebt mir die Macht über die Finanzen eines Staates und es ist mir egal, was der Staat an sonstigen Gesetzen erlässt.
Antworten - Kommentar von bruno fellmann (21.01. 2010 14:06 Uhr):
Lieber Investor-verlag, ich lese eigentlich ihre Kommentare ganz gerne und bin auch erstaunt, wie man solche Schuldenberge anhäufen kann. Was jedoch in ihren Berichten stark zu kurz kommt, sind Lösungsvorschläge für diesen Sachverhalt. Die Regierungen sind leider grossen Zwängen unterworfen und können sich nicht nur gewinnbringenden Unternehmen zuwenden. Eigentlich sollten alle Verwaltungsangestellten und Regierungsmitglieder entlassen werden, alle staatlichen Betriebe in die freie Marktwirtschaft geschickt werden und so könnte man das Budget auf null herunterfahren. Aber das geht ja leider auch nicht. Wir sind einfach in unserer so entwickelten Ordnung gefangen und können fast nicht mehr anders als einfach mitzumachen. Wenn wir jedoch etwas mit Abstand die Situation ansehen, können wir ja zur Zeit noch behaupten, dass es uns in der "1.Welt" zur Zeit noch nicht so schlecht geht - sicher besser als im letzten Jahrhundert bis mitte der 60er Jahre.- Nun sind wir einfach am kämpfen und das ist sicher nicht ganz so einfach, vor allem nicht für die schwächeren Mitglieder unserer Gesellschaft. Die kommen langsam unter die "Räder". Den anderen geht es immer noch gut und die schwelgen immer noch in ihrem "Luxusleben". Ziemlich sicher wird es auch für diese Probleme eine Lösung geben, wir können ja nicht einfach so mir nicht dir nichts zu Grunde gehen. Ich bin ja immer erstaunt, wie erfindungsreich und klug einige Menschen doch sind. Die werden auch hier irgendeinen Ausweg finden. Ich bin da nicht so pessimistisch
Antworten - Kommentar von Jürgen (21.01. 2010 19:00 Uhr):
Schauen wir mal wie lange die Zivilisation noch bestehen bleibt oder ob sie sich nicht selbst vernichtet oder doch noch zur Vernunft kommt
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- Kommentar von Keynesianer (22.01. 2010 13:21 Uhr):
Interessant, Die Erkenntnisse von Keynes auf das Deficit Spending reduziert und nach wie vor die fehlerhate Modellhaftigkeit der neoklassischen Theorie ignorierend. Milton Friedman irrte bitter! Die schlechteste Keynes-Kritik seit langer Zeit! Offenbar weder Keynes gelesen noch verstanden! Mehr über Keynes abseits solcher "Geschichten": http://www.keynes-gesellschaft.de/ Die Erde ist auch aus ökonomischer Sicht rund und keine Scheibe, auch wenn so mancher ideologische Dogmatiker das für Ketzertum hält!
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