LVMH-Aktie: Starke Zahlen – aber reicht das wirklich aus?

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Es gibt ein altes Sprichwort an der Börse, das Sie bestimmt auch kennen: „Luxus geht immer.“ Auch in Zeiten der Krisen ist die Nachfrage nach Luxusprodukten demnach stets hoch. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass deren Kundschaft in der Regel zahlungskräftiger ist und Belastungsfaktoren wie Inflation und gestiegene Lebenshaltungskosten besser verkraften kann.

Gerade die einflussreichsten Luxusgüterkonzerne können ihre Marktmacht hervorragend nutzen, um bei der Kundschaft höhere Preise durchzusetzen. Aber es ist nicht nur die klassische wohlhabende Käuferschicht, die sich als Fels in der Brandung erweist. Auch viele junge Menschen greifen mehr und mehr auf Luxusprodukte zurück – nicht zuletzt wegen einiger zugkräftiger Influencer, die auf Social Media mit entsprechenden Produkten werben und daraus einen Hype kreieren.

LVMH: der Luxusprimus

Wollen Sie als Anleger auf die Luxusgüterindustrie setzen, sollten Sie unbedingt die folgenden vier Buchstaben kennen: LVMH, oder auch bekannt als Moët Hennessy – Louis Vuitton SE. LVMH hält die Rechte an rund 75 Marken, die in Tausenden Geschäften rund um den Globus verkauft werden und ist damit das größte Luxusgüterimperium der Welt.

Den gesamten Umfang des französischen Konzerns an dieser Stelle aufzulisten, würde den Rahmen sprengen. Deshalb nur die wichtigsten Marken:

  • Moët & Chandon (Champagner)
  • Dom Pérignon (Champagner)
  • Louis Vuitton (Bekleidung und Lederwaren)
  • Marc Jacobs (Mode)
  • Dior (Bekleidung und Parfüms)
  • Bulgari (Parfüms und Schmuck)
  • Tag Heuer (Uhren)

2022 trotz Krisen im Wachstumsrausch

Von einer Konsumflaute kann bei LVMH derzeit jedenfalls nicht die Rede sein. Im Gegenteil: Der Konzern veröffentliche vor wenigen Tagen neue Zahlen, die einmal mehr zeigen, wie krisenresistent der Luxusprimus ist.

Demnach erzielte LVMH in 2022 einen Umsatz von 79,2 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von starken 23 Prozent gegenüber 2021. Selbst die Börse hatte mit einem solchen Wachstum weitestgehend nicht gerechnet.

Sämtliche Unternehmensbereiche verzeichneten 2022 ein beachtliches Umsatzplus. Die Kernmarke  „Louis Vuitton“ durchbrach im Gesamtjahr zum ersten Mal gar die Umsatzschwelle von 20 Milliarden Euro. Etwa die Hälfte der Erlöse des Mode- und Lederwarensegments entfiel somit auf diese Pariser Edelmarke.

Ebenfalls positiv entwickelte sich das Einzelhandelsgeschäft von LVMH. Unter dem Dach des Luxusgiganten steht unter anderem die französische Kosmetikkette Sephora. Die Umsätze der entsprechenden Konzernsparte schossen in 2022 um 26 Prozent auf 14,8 Milliarden Euro nach oben.

LVMH hob vor allem das starke Retail-Geschäft im pazifischen und asiatischen Raum hervor, das vom Ende der coronabedingten Reisebeschränkungen in vielen Ländern profitiert habe. Noch besser wäre es demnach gelaufen, wenn China schon früher ebenfalls seine Corona-Maßnahmen gelockert hätte, so der Konzern.

Gewinnzahlen stark – aber nicht stark genug?

Beim Profit ging es indes ebenfalls deutlich aufwärts. Operativ verdiente LVMH im letzten Jahr rund 21 Milliarden Euro – ein Plus von ebenfalls 23 Prozent. Unterm Strich blieb ein Überschuss von knapp 14,1 Milliarden Euro hängen und damit 17 Prozent mehr als 2021.

Trotzdem: Wirklich zufrieden war die Börse mit den Gewinnzahlen nicht, auch weil die Erwartungen an LVMH mittlerweile schier astronomisch hoch sind. Vor allem das Geschäft mit Parfüms sorgte für Stirnrunzeln. Als einziges Segment musste es einen operativen Gewinnrückgang hinnehmen – um 3 Prozent auf 660 Millionen Euro.

LVMH begründet das mit seiner neuen Strategie, wonach die Parfümprodukte nur noch in speziellen Shops verkauft werden. Dadurch wollen die Franzosen noch mehr Exklusivität herstellen, müssen deshalb aber offenbar Abstriche beim Profit machen.

LVMH erhöht Dividende: Rendite bleibt trotzdem mickrig

Das Management will der im April tagenden Hauptversammlung eine Dividende von insgesamt 12 Euro je Aktie für 2022 vorschlagen. Bereits im Dezember hatte LVMH eine Zwischendividende von 5 Euro pro Anteilsschein ausgeschüttet. Die restlichen 7 Euro sollen dann Ende April ausgezahlt werden. Nimmt man die 12 Euro an und berücksichtigt den aktuellen Aktienkurs, ergibt sich eine Dividendenrendite von 1,49 Prozent (Stand: 27.01.2023, 10:30 Uhr).

Das ist freilich nicht gerade viel: Zwar hat der Konzern in den letzten Jahren seine Dividenden mit Ausnahme 2019 (wegen der Corona-Pandemie 2020) kontinuierlich erhöht, der Aktienkurs stieg aber noch massiver an. Seit Anfang 2019 steht das Papier mit rund 225 Prozent im Plus.

Mein Fazit für Sie

Alles in allem ist das neue Zahlenwerk von LVMH grandios. Der Mega-Konzern hat wieder einmal seine Stellung als Luxusprimus untermauert. Als Anleger sollten Sie allerdings darauf achten, dass die Erwartungen der Börse an LVMH inzwischen so groß sind, dass der Aktie größere Kurssteigerungen nicht gerade einfacher fallen.

So liegt das mittlere Kursziel der Analysten zu der Aktie bei rund 811 Euro (via Marketscreener, 27.01.2023, 10:30 Uhr). Das wäre ein Renditepotenzial von gerade einmal 0,7 Prozent gegenüber dem Kursniveau vom Freitagvormittag.

Um weitere starke Kursimpulse zu rechtfertigen, braucht es meiner Meinung nach schon eine sehr positive Überraschung in 2023.