Seltene Erden: China lässt Preise explodieren – und jetzt?

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So etwas gibt es nicht alle Tage: Kürzlich hat die China Northern Rare Earth Group ihren Benchmark-Preis für Seltene-Erden-Konzentrat im zweiten Quartal 2026 um satte knapp 45 % gegenüber Q1 angehoben. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Preis damit gar um das Doppelte.

Für Sie zur Einordnung: Die China Northern Rare Earth Group mit Sitz in Baotou (Autonome Region Innere Mongolei) ist der weltweit größte staatliche Produzent und Verarbeiter von Seltenen Erden.

Das Unternehmen steht somit exemplarisch für die Dominanz der Volksrepublik bei diesen wichtigen Rohstoffen, die unter anderem für Smartphones, Laptops, Bildschirme, Elektroautos, Wind- und Solaranlagen, Radarsysteme, Lenkwaffen und Medizintechnik gebraucht werden. China kontrolliert einen Großteil der Seltenerdförderung und vor allem der hochkomplexen Extraktion und Verarbeitung.

Seltene Erden: Um was geht es bei Chinas Preiserhöhung?

Bei der genannten Preiserhöhung geht es konkret um Erzkonzentrate, die zu 50 % aus Seltenen Erden bestehen. Bei den Konzentraten handelt es sich um ein Material, das direkt nach dem Abbau entsteht und noch nicht in einzelne Seltenerd-Oxide wie Neodym-Praseodym (NdPr), Dysprosium (Dy) oder Terbium (Tb) getrennt wurde. Es geht dabei also um einen Rohstoff ziemlich am Anfang der Wertschöpfungskette.

Das chinesische Unternehmen hat den Preis für solche Konzentrate nun auf 38.804 Yuan pro Tonne nach oben geschraubt, was im Endeffekt sämtliche nachgelagerten Produkte teurer macht.  Dabei nutzt die China Northern Rare Earth Group eine neue Preisformel.

Bedeutet: Der Referenzpreis bezieht sich auf ein Konzentrat mit 50 % Seltenerdoxid-Gehalt (REO). Für jeden Prozentpunkt Abweichung nach oben oder unten wird der Preis um 776 Yuan angepasst. Höhergradige Konzentrate – etwa mit 55 oder 60 % REO – werden dadurch überproportional teurer, während niedriggradige Materialien relativ an Wert verlieren. Diese Mechanik verschiebt die Margen entlang der gesamten Lieferkette und bevorzugt Produzenten, die besonders hochwertige Konzentrate liefern können.

Iran-Krieg bringt globalen Schwefelsäure-Markt in die Bredouille

Hintergrund der Preisanpassung ist nach offiziellen Angaben der Iran-Krieg. Zwar hat die faktische Schließung der Straße von Hormus kaum direkte Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit bei Seltenen Erden, da die Metalle in der Golfregion kaum gefördert und verarbeitet werden.

Bei der Schwefelsäure sieht es jedoch anders aus. Etwa 50 % des globalen Handels mit Schwefel und Schwefelsäure laufen laut Schätzungen durch die vom Iran nach wie vor bedrohte Meerenge. Gleichzeitig ist die Säure die wichtigste chemische Reagenz für die Auswaschung und Trennung der Seltenen Erden. Die gesamte Wertschöpfung z.B. von Smartphones hängt also ganz am Anfang an diesem einen Stoff.

Da China wegen des Kriegs nun eine nachhaltige Verteuerung jenes bedeutendes Stoffs antizipiert, schraubt der Staatskonzern die Kosten für Seltenerd-Konzentrate möglichst frühzeitig nach oben. Diese höheren Preise werden dann von etlichen Unternehmen über die Wertschöpfungskette weitergegeben, bis hin zu den genannten Endprodukten, die für unser aller Alltag inzwischen schier unverzichtbar sind.

Chinas Rohstoff-Würgegriff: Industriepolitischer Schachzug

Der Clou liegt aber vor allem darin, dass China selbst über eine gigantische Schwefelsäureproduktion verfügt, die in Zeiten globaler Knappheit vor allem den heimischen Unternehmen zugutekommen soll. Deshalb hat Peking unlängst angedeutet, ab Mai sämtliche Schwefelsäureexporte zu blockieren.

Dadurch können die chinesischen Seltenerdunternehmen weiterhin von den eher günstigeren Schwefelsäurepreisen im Heimatland profitieren, während ausländische Konkurrenten den Stoff sehr teuer auf dem verbliebenen Weltmarkt einkaufen müssen.

Die Maßnahme wirkt damit wie ein industriepolitischer Hebel: Sie schützt die eigene Wertschöpfungskette, verschafft chinesischen Produzenten einen klaren Kostenvorteil und setzt gleichzeitig die Seltenerdakteure außerhalb Chinas weiter unter Druck. Für viele westliche Abnehmer dürfte das den Anreiz erhöhen, ihre Seltenerdmaterialien und Magnete direkt in der Volksrepublik zu beziehen – dort, wo die Kostenstruktur trotz der genannten Preiserhöhungen stabiler bleibt und die Versorgung mit kritischen Reagenzien gesicherter ist.

Kein Wunder also, dass die Aktien chinesischer Seltenerdproduzenten nach der Meldung deutlich anstiegen. So ging es z.B. für den Stahlhersteller Inner Mongolia Baotou Steel Union, der auch in der Seltenerdförderung aktiv ist, am Montag in Shanghai um mehr als 5 % nach oben. Westliche Branchenvertreter wie Lynas Rare Earths oder MP Materials hingegen verloren im deutschen Handel etwas an Gewicht (Stand: 13.04.2026, 13:00 Uhr).

Mein Fazit für Sie

Die Maßnahme des chinesischen Staatskonzerns unterstreicht abermals die massive Marktdominanz der Volksrepublik bei diesen hochkritischen Rohstoffen. Umso mehr – und darin liegt die Fantasie für Sie als langfristig orientierter Anleger – müssen westliche Staaten meiner Meinung nach alle Hebel in Bewegung setzen, um Chinas Machtstellung zu brechen.

Hierzu werden z.B. in den USA derzeit Preismechanismen oder staatliche Abnahmegarantien diskutiert, die völlig unabhängig von China die Wettbewerbsfähigkeit westlicher Seltenerdproduzenten sichern sollen. Solche Maßnahmen könnten westliche Seltenerd-Aktien auf lange Sicht hin unterstützen und starkes Renditepotenzial ermöglichen.