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Rohstoffkrise in Australien? Ganz so einfach ist es nicht!

Inhaltsverzeichnis

Kaum ein anderer Staat hat von den Verwerfungen auf dem Energiemarkt im Zuge des Ukraine-Kriegs so enorm profitiert wie Australien. Schließlich exportiert das Land unter anderem Erdgas und Kraftwerkskohle. Die Marktpreise beider Rohstoffe waren im letzten Jahr durch die Decke geschossen.

Aber schauen Sie sich die Zahlen einfach selbst an: Nach neuen Angaben der australischen Regierung (Ministerium für Industrie, Wissenschaft und Ressourcen, DISR) stieg der Wert der Ausfuhren australischer Rohstoffe und Energieträger im Fiskaljahr 2022/23 (per Ende Juni 2023) um 9 Prozent auf einen Rekordwert von 460 Milliarden Australische Dollar (AUD).

Die Party ist zu Ende: Australiens Rohstofferlöse sinken wieder

Doch die Sonderkonjunktur ist nun vorüber. Die globalen Preise etwa für Erdgas und Kraftwerkskohle sind längst wieder deutlich gefallen – auch wegen der Zinserhöhungen in großen Volkswirtschaften und entsprechender Konjunkturprobleme.

Und somit endet auch der Boom für Australien. Das DISR erwartet für das Anfang Juli gestartete Geschäftsjahr 2023/24 bei den Einnahmen aus sämtlichen Rohstoffexporten „nur“ noch einen Wert von 390 Milliarden AUD. Das wäre ein Minus von rund 15 Prozent gegenüber 2022/23.

Abwärts geht es demnach unter anderem beim LNG (Flüssigerdgas). Die entsprechenden Exporte sollen im laufenden Fiskaljahr um 27 Prozent auf 68 Milliarden AUD sinken. Bei der Kraftwerkskohle geht es laut der australischen Regierung gar um 40 Prozent auf 38 Milliarden AUD nach unten.

Eisenerz weiter unter Druck

Und auch beim wichtigsten Exportgut Australiens, dem Stahlrohstoff Eisenerz, erwartet das Ministerium einen Rückgang – um 11 Prozent auf 110 Milliarden AUD.

Das DISR führt die sinkenden Eisenerzerlöse unter anderem auf die Stahlnachfrage in China zurück, die dem Ministerium zufolge rückläufig sein werde. Demnach könnte die Erholung der chinesischen Konjunktur ausgebremst werden – auch weil die dortigen Haushalte während der Pandemie laut DISR ein geringeres Sparpolster aufgebaut hätten als die Verbraucher in westlichen Volkswirtschaften. In letzter Konsequenz werde das auf die Stahlnachfrage drücken, so die australische Regierung.

Für das kommende Geschäftsjahr 2024/25 machte das DISR ebenfalls eher wenig Hoffnung. Demnach dürften im Zeitraum von Anfang Juli 2024 bis Ende Juni 2025 sowohl beim LNG und der Kraftwerkskohle als auch beim Eisenerz die Exporterlöse weiter sinken.

Energiewendemetalle überholen Kohle: Kupfer immer wichtiger

Trotzdem haben die neuen offiziellen Zahlen auch einen positiven Aspekt. Zumindest bezüglich der Metalle, die für die Energiewende ausschlaggebend sind, zeigte sich das DISR nämlich zuversichtlich. Darunter: Lithium, Kobalt, Kupfer und Nickel. Konkret erwarten die Experten für das nun gestartete Geschäftsjahr 2023/24 (per Ende Juni 2024) rund um die Energiewendemetalle Exporterlöse in Höhe von insgesamt 40 Milliarden AUD. Das wäre in etwa das Niveau des Vorjahrs und weiterhin eine Verdopplung gegenüber 2021/22.

Das bedeutet: Im laufenden Fiskaljahr dürfte der Exportwert der australischen Energiewendemetalle den der Kraftwerkskohle überflügeln. Die Regierung in Canberra sieht darin einen Beleg für die Wichtigkeit Australiens im Zuge der weltweiten Dekarbonisierung.

Australien ist zum Beispiel beim Kupfer, das für Elektroautos und Windkrafträder essenziell ist, der viertgrößte Exporteur und verfügt hier gleichzeitig über die zweithöchsten Ressourcen. Die Kupfer-Exporteinnahmen sollen im laufenden Geschäftsjahr und darüber hinaus sukzessive steigen – zunächst auf mehr als 13 Milliarden AUD.

Australien zündet Lithium-Turbo

Ein weiteres Beispiel ist der Batterierohstoff Lithium. Australien gilt hier als einer der wichtigsten Förderer und beliefert vor allem China mit großen Mengen des Rohstoffs (hpts. aus Spodumen), der dort dann zu batteriefähigem Material raffiniert wird.

Für 2023/24 erwartet das DISR Lithium-Exporteinnahmen in Höhe von 18 Milliarden AUD. Das wäre jedoch ein Rückgang von einer Milliarde gegenüber 2022/23. Der Grund: Der Lithiumpreis ist im Herbst 2022 nach der Mega-Rallye wieder signifikant gefallen. Auch wenn es zuletzt mitunter erneut schmalere Preiserholungen gab, notiert der Batterierohstoff aktuell unter den extrem beachtlichen Höchstständen von Ende Oktober.

Auf der anderen Seite will Australien im laufenden Geschäftsjahr seine Lithiumproduktion und die entsprechenden Exporte nach oben schrauben. Vor allem bei der Weiterverarbeitung des Rohstoffs in das batteriefähige Lithiumhydroxid, das wie oben angedeutet derzeit vor allem von China produziert wird, forciert Canberra ein enormes Wachstum. Dadurch soll die prekäre Abhängigkeit westlicher Kunden von China gedrosselt werden, was die Nachfrage nach australischem Lithiumhydroxid prinzipiell anheizen dürfte.

Bei den Marktpreisen zeigte sich das Ministerium allerdings eher zurückhaltend. Demnach erwartet die Regierung sowohl beim Spodumenerz (rohes Lithium) als auch beim Lithiumhydroxid (raffiniertes Lithium) globale Preisnachlässe in den kommenden Jahren. Trotzdem dürften die Lithiumpreise laut DISR immer noch deutlich über denen der Jahre 2019 und 2020 bleiben.

Im Bild sehen Sie indes die Lithium-Prognose der australischen Regierung. Die Balken geben das Volumen an, während die Linie den Wert beschreibt. Deutlich wird, dass die Exportmengen zwar steigen sollen, die Einnahmen aber (auf einem hohen Niveau) fallen dürften:

Ein Bild, das Text, Screenshot, Schrift, Diagramm enthält.Automatisch generierte Beschreibung

Quelle: DISR (https://www.industry.gov.au/publications/resources-and-energy-quarterly-june-2023)

Mein Fazit für Sie

Dass Australien bei den Energierohstoffen nach der Sonderkonjunktur des letzten Jahres nun wieder kleinere Brötchen backen muss, ist mit Blick auf die Preisentwicklung der Kraftwerkskohle und des Erdgases kaum verwunderlich. Und auch das Eisenerz erweist sich für das Land wegen der globalen Konjunktursorgen offenbar weiterhin als weniger lukrativ.

Börsennotierte Rohstoffkonzerne, die in Australien zum Beispiel Eisenerz und Kohle abbauen, müssen sich also auf Abstriche einstellen. Darunter: BHP. Der australische Mega-Konzern hatte vor allem im ersten Halbjahr 2022 noch schwindelerregende Gewinne erzielt – auch dank der Kohle-Rallye infolge des Ukraine-Kriegs.

Immerhin will sich BHP sukzessive von seinem Kohle-Portfolio in Australien trennen, um sich verstärkt auf die Energiewendemetalle zu konzentrieren: allen voran auf Kupfer. Schaut man sich die Prognosen der australischen Regierung an, ist diese Strategie meiner Meinung nach der richtige Schritt. Gerade langfristig dürfte BHP damit auf einem guten Wege sein.

Lassen Sie sich als Anleger also nicht von kurzfristigen Einschnitten beeindrucken und denken Sie Aktien wie BHP immer mit einem weiten Horizont.