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Russland: Nicht so isoliert wie erhofft?

Inhaltsverzeichnis

Seit dem Einmarsch in die Ukraine im Februar ist Russland geopolitisch weitgehend isoliert. Zumindest westlich dominierte Staatenbündnisse distanzieren sich von Moskau und haben seither weitreichende Sanktionen verhängt.

China hält sich bedeckt

Doch längst nicht alle teilen diese Haltung. So hält man sich etwa in Indien bedeckt und freut sich über Energiegeschäfte mit Russland, die nun zu günstigeren Preisen zu haben sind als zuvor. Auch China beobachtet das geopolitische Beben zurückhaltend von der Seitenlinie, signalisiert Sympathien für den Kreml und ist sich dem Erstarken seiner Rolle im neuen weltweiten Machtgefüge durchaus bewusst.

Zwar hat auch Peking im Rahmen der UN den Anschluss der ostukrainischen Gebiete an Russland nicht anerkannt, das dürfte jedoch vor allem innenpolitische Gründe haben: Immerhin basiert die Annexion auf vorgeschobenen Referenden, bei denen die Bevölkerung zur Abstimmung über die Loslösung von der Ukraine aufgerufen war. Ein solches Vorgehen will man nicht öffentlich unterstützen, immerhin gibt es auch auf chinesischem Gebiet die eine oder andere Region mit Autonomiebestrebungen.

Gute Beziehungen zur Opec

Doch nicht nur die Beziehungen Russlands zu China und Indien sind weitgehend unbelastet vom Kriegsgeschehen in der Ukraine. Auch anderweitig ist Russland bestens vernetzt, wie sich in dieser Woche gezeigt hat: Das Land zählt seit einigen Jahren zum Kreis der Opec+, der das Ölkartell und seine wichtigsten Verbündeten bezeichnet.

Innerhalb der Opec gilt Saudi-Arabien als einflussreichster Staat – und auch die Saudis gelten auf der weltpolitischen Bühne aus westlicher Sicht als wenig vertrauenswürdig: Seit der grausamen Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi, bei der die Führungsriege in Riad um Kronprinz Mohammed bin Salman ihre Finger im Spiel gehabt haben soll, herrscht diplomatisch Eiszeit – eigentlich.

Saudischer Kronprinz brüskiert westliche Spitzenpolitiker

Denn angesichts der Energiekrise, die durch das Zerwürfnis mit Russland erheblich verschärft wurde, gaben sich zuletzt westliche Spitzenpolitiker beim saudischen Kronprinzen die Klinke in die Hand: Macron, Biden, Scholz – sie alle waren da, und hatten als Zeichen des Wohlwollens mitunter brisante Deals im Gepäck. So hat die Bundesregierung erst kürzlich Exporte militärischer Güter nach Saudi-Arabien genehmigt, entgegen des eigentlich bestehenden Verbots von Rüstungsexporten. Saudi-Arabien ist am Krieg im Jemen beteiligt und wird daher eigentlich nicht mit Rüstungsgütern beliefert.

Sei’s drum, Europa braucht Energie, um gut durch den Winter zu kommen, und setzt dabei auch auf verbesserte Beziehungen zu Saudi-Arabien, Stichwort Opec+. Doch der Kronprinz denkt gar nicht daran, westlichen Bittstellern entgegenzukommen. Stattdessen verfolgt Saudi-Arabien eigene Interessen und pflegt seine Beziehungen zu Russland, das trotz aller Kritik nicht aus dem Kreise der Opec+ ausgeschlossen wird.

Opec+ senkt Fördermenge – Ölpreis schießt in die Höhe

Mehr noch: Ganz im Sinne Russlands und zum Entsetzen westlicher Regierungen hat die Opec+ in dieser Woche sogar verkündet, ihre Ölfördermengen ab November zu reduzieren. Angesichts der ohnehin schon angespannten Lage dürften Öl- und Energiepreise damit noch einmal steigen.

Einen Vorgeschmack liefert die Preisentwicklung allein in dieser Woche: Es ging steil nach oben beim Ölpreis, das Barrel der US-Sorte WTI legte zweistellig zu und kostete zuletzt knapp 92 US-Dollar. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um gut 7 Prozent und nähert sich damit der Schwelle von 100 Dollar pro Fass wieder an.

Angeheizt wird auf diese Weise im Winter nicht die Wohnung, sondern die Inflation.