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Ölpreis: Neue Prognose von Morgan Stanley lässt aufhorchen!

Inhaltsverzeichnis

Mitte September hatte die einflussreiche US-Investmentbank Morgan Stanley ihre Prognose für den Ölpreis nach unten geschraubt. Nun, nur wenige Wochen später, macht die Bank eine Kehrtwende.

So geht Morgan Stanley inzwischen davon aus, dass sich der Preis für ein Barrel Öl (Brent) im ersten Quartal 2023 auf durchschnittlich 100 US-Dollar belaufen wird. Zuvor hatte man hier nur 95 Dollar erwartet. Zum Vergleich: Am 7. Oktober (15:00 Uhr) notierte Brent schon etwas höher als 95 Dollar. Die Bank sieht also weiteres Aufwärtspotenzial – wenngleich nicht in astronomischer Höhe.

OPEC+ senkt Produktionsquote

Morgan Stanley begründete die Prognoseerhöhung mit zwei Faktoren. So habe zum einen die OPEC+, ein mächtiges Kartell aus erdölexportierenden Ländern, ihr Produktionsziel gedrosselt – um 2 Millionen Barrel pro Tag. Die Organisation will damit den Druck auf den Ölpreis reduzieren und ihre eigenen Gewinnmargen verbessern.

Wegen der drohenden Rezession und der steigenden Zinsen befürchtet der Markt derzeit eine rückläufige Nachfrage nach Öl. Das schürt Ängste vor einem Überangebot, weshalb der Ölpreis zwischen Mai und Ende September um gut 30 Prozent in sich zusammenfiel. Aus diesem Grund hat die OPEC+ nun ihre Produktionsquoten nach unten angepasst.

EU-Öl-Embargo gegen Russland tritt im Dezember in Kraft

Zum anderen sieht Morgan Stanley die direkten Folgen des Ukraine-Kriegs als Impulsgeber für den Ölpreis. Im Mittelpunkt: das Öl-Embargo der Europäischen Union gegen Russland. Ab Dezember dürfen EU-Staaten demnach kein Öl mehr aus Russland importieren. Bislang werden täglich noch rund zwei Millionen Barrel aus dem Land in die EU geliefert.

Klar: Russland wird alle Hebel in Bewegung setzen, um sein Öl anderen Abnehmern wie Indien zu verkaufen. Morgan Stanley rechnet aber trotzdem damit, dass die russische Ölproduktion nach Inkrafttreten des Embargos um 1 bis 1,15 Millionen Barrel pro Tag sinken wird.

Q1 2023: Morgan Stanley sieht beachtliches Öl-Defizit

Die Aktionen der OPEC+ und das Embargo gegen Russland werden laut der Investmentbank dazu führen, dass es im ersten Quartal 2023 zu einem Defizit auf dem globalen Ölmarkt kommt. Dieses soll bei 0,9 Millionen Barrel pro Tag liegen – also ein durchaus beachtliches Unterangebot. Entsprechend dürften die Preise für den fossilen Brennstoff noch etwas Luft nach oben haben, argumentiert Morgan Stanley.

Für die Wirtschaft wäre das natürlich ein weiterer Schlag ins Gesicht. Denn: Steigt der Ölpreis, steigen die Kosten für die Industrie. Kein Wunder also, dass unter anderem US-Präsident Joe Biden das Ölkartell OPEC+ aufgefordert hatte, die Produktionsquote nicht zu drosseln – offenbar vergeblich.

Zapfen die USA noch mehr ihrer Ölreserven an?

Biden sprach nun von einer „kurzsichtigen Entscheidung“ des Kartells. Außerdem wolle er prüfen lassen, ob die USA weitere strategische Ölreserven auf den Markt werfen sollten, um die Preise wieder einzufangen.

Washington hatte als Reaktion auf die hohen Ölpreise im Frühling bereits große Mengen seiner Ölvorräte freigegeben. Experten zufolge könnten weitere Ölfreigaben aus den USA den Marktpreis für den fossilen Brennstoff zumindest kurzfristig in Schach halten.

Mein Fazit für Sie

Für die Verbraucher und die Wirtschaft ist ein steigender Ölpreis immer eine Herausforderung. Als Anleger haben Sie aber die Möglichkeit, davon auch zu profitieren. Vor allem mit den Aktien der großen Ölkonzerne. So erzielten Shell, Chevron, Exxon Mobil, BP und Total im ersten Halbjahr teils Rekordgewinne wegen der hohen Ölpreise.

Branchenkenner erwarten, dass der Profit der Konzerne im zweiten Halbjahr deutlich niedriger ausfallen, aber immer noch auf einem hohen Niveau bleiben wird. Das dürfte zumindest laut Morgan Stanley nun auch im Jahr 2023 so weitergehen.

Für die Konzerne ergeben sich jedoch auch negative Folgen. Denn: Sie haben zuletzt einfach zu viel Kasse gemacht – und das im Prinzip nur dank dem Zufall. Deshalb will zum Beispiel die EU eine Sondersteuer für Öl-Profiteure einführen, um jene „Übergewinne“ abzuschöpfen und den Bürgern zukommen zu lassen.

Die Zeit der zügellosen Gewinne von Big Oil scheint also zumindest in Europa zu Ende zu gehen.