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Warum Milch nicht Öl ist

Öl und Gold – diese beiden Rohstoffe halten uns derzeit in Atem. Der Ölpreis hat erstmals die Marke von 50 US$ durchbrochen und ist dann wieder darunter getaucht.

Der Grund: Im Vorfeld der heutigen OPEC-Sitzung hat sich bereits der Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate zur Wort gemeldet. Er ist der Meinung, dass der Markt selbst das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage herstellen müsse. Wie gut das funktioniert, sehen Sie ja derzeit beim Milch-Preis.

Die Bauern haben in den letzten Jahren gewaltig in neue Kapazitäten investiert und wundern sich nun, dass sie zu viel Milch produzieren und der Preis aufgrund des Überangebots immer weiter fällt. Und wer soll wieder einspringen? Richtig, der Staat. So werden marktwirtschaftliche Prinzipien ausgehebelt.

Dramatische Situation in Venezuela

Das wird bei Öl nicht funktionieren. Denn es gibt über die Ländergrenzen hinweg zahlreiche, sich teilweise widersprechende Interessen, auf die ich im Profit Radar schon häufiger hingewiesen haben.

Wenn ein Vertreter eines wichtigen Ölförder-Landes jetzt auf die Marktmechanismen hinweist, ist das ein Zeichen dafür, dass sich die Opec derzeit nicht auf Förderobergrenzen einigen kann oder will – so wenig allen Öl-Förderländern mit niedrigen Ölpreisen gedient ist.

Welche dramatischen Folgen ein dauerhaft niedriger Ölpreis hat, sehen Sie am Beispiel von Venezuela. Das lateinamerikanische Land versinkt immer mehr in Chaos. Mittlerweile fehlt es an Lebensmitteln und wichtigen Medikamenten. Die Wirtschaft von Venezuela ist einseitig auf den Export von Öl ausgerichtet.

Trotz der dramatischen Situation in Venezuela ist es wenig wahrschlich, dass sich die Opec auf Förderobergrenzen einigt. Das leicht rückläufige Überangebot ist auf Produktionsausfälle in Kanada und Nigeria zurückzuführen. In Nigeria hat es mehrere Anschläge auf Öleinrichtungen gegeben.

Opec fördert wieder mehr

Ohne Nigeria ist die Ölproduktion der Opec sogar gestiegen. Sehr interessant: Insbesondere die Erzfeinde Iran und Saudi-Arabien haben ihre Förderung hochgefahren. Wir haben es also mit einer politisch gewollten Überproduktion zu tun.

Dennoch würde ich in diesem Jahr nicht auf einen Ölpreis unter 40 US$ wetten. Denn in den USA werden immer mehr Ölbohrungen eingestellt. Das wird auf kurz oder lang auch bei den Milchbauern in Deutschland passieren.

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Über den Autor Volkmar Michler

Volkmar Michler, Jahrgang 1964, ist langjähriger Leiter der deutschen Trader-Redaktion. Er studierte Jura, Politik und Geschichte und absolvierte ein betriebs- und volkswirtschaftliche Zusatzausbildung.

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