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Warren Buffetts Coup – Ölmarkt bleibt Objekt der Begierde

Eine technische Erholung, wenn auch nur kurzfristig, erschien angesichts der völlig desaströsen Stimmungslage an den Aktienmärkten fast unumgänglich.

Dass sie aber seit letztem Donnerstag derart stark ausfallen würde (zwischenzeitlich Rückkehr des DAX über 9.500 Punkte), hatten wir eher weniger auf dem Schirm.

Viele Pessimisten sind kurzfristig zu Optimisten mutiert. Was Sie angesichts dieser emotionalen Super-Kehrtwende wieder erkennen können, ist eben die Tatsache, wie schnell sich die Stimmungs- und die Nachrichtenlage auf dem Börsenparkett ändern können.

Das gilt kurzfristig natürlich weiterhin auch für das Gegenteil, denn die Belastungsfaktoren, die noch vor Wochenfrist Angst vor einem Crash schürten, sind ja nicht verschwunden, sie haben sich bestenfalls relativiert – wie z.B. die Gegenbewegung beim Ölpreis.

Apropos schwarzes Gold: Die Investment-Legende Warren Buffett weitet im Ölsektor sein Engagement weiter aus. Nach Phillips 66 wurde erneut ein Öl-Unternehmen zum Objekt seiner Begierde.

Goldene Buffett-Regel: „Sei gierig, wenn andere ängstlich sind“

Der Ölmarkt befindet sich seit Mitte 2014 im Abwärtssog. Im Januar 2016 durchbrach der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent erstmals seit 2003 die Marke von 30 Dollar nach unten. Seit 2013 hat der Ölpreis damit fast 80% verloren.

Die Folge: Viele Ölförder-Konzerne stehen am Rand des Abgrunds. 2015 schlugen Experten Alarm, dass 2016 die ersten Pleiten in dieser Branche erwartet werden.

Aber zurück zu Starinvestor Warren Buffett: Anfang Januar schrieb ich:  „Genau jetzt, wenn die Angst am größten erscheint, greift Warren Buffett ausgerechnet im Ölsektor zu. Die Investment-Legende ist ihrer Devise ‘Sei gierig, wenn andere ängstlich sind‘, treu geblieben und hat in Zeiten größter Zweifel zugeschlagen.“

Und so war es auch. Zu dem Zeitpunkt, als der Verfall des Ölpreises keine tieferen Sorgenfalten auf den Stirnen der Anleger hätte hinterlassen können, griff der Milliardär freudig zu. Während der Rest der Börsianerschaft eher die Stellungen vertrat, dass nur ein Verrückter sich derzeit im Ölsektor die Hände verbrennen würde.

Phillips 66 sechstgrößte Position im Berkshire-Portfolio

Buffett war bereits im zweiten Quartal 2015 mit knapp 10% bei dem US-Raffinerie- und Tankstellenbetreiber Phillips 66 eingestiegen. Im Januar dieses Jahres griff er sinnbildlich ins offene Messer hinein und erhöhte den Anteil über seine Investmentholding Berkshire Hathaway auf rund 13% – zu der Zeit, als die Kursturbulenzen am heftigsten waren.

Das war Buffett aber noch nicht genug. Auch Anfang Februar steht die Börsenlegende bei Phillips 66 wieder massiv auf der Käuferseite und fügte in mehreren Transaktionen seinem Portfolio weitere 1,69 Mio. Anteilsscheine hinzu.

Insgesamt hält er nun 14% (knapp 6 Mrd. Dollar) an dem US-Konzern, der weltweit an 15 Erdölraffinerien beteiligt ist und rund 20.000 Tankstellen betreibt, davon 595 JET Tankstellen in Deutschland und 140 in Österreich. Phillips 66 ist inzwischen die sechstgrößte Position in Berkshires Portfolio.

Neuester Buffett-Coup: Der Pipeline-Betreiber Kinder Morgan

Dass dem Börsen-Altmeister derzeit der Sinn nach Öl steht, das beweist auch sein neuester Coup. Die amerikanischen Medien sind in dieser Woche darauf gestoßen, dass Buffett neben Phillips 66 auch in den Pipeline-Betreiber Kinder Morgan investierte. Berkshire Hathaway hielt am 31. Dezember 26,53 Mio. Aktien des Konzerns.

Nachdem die Medien darüber berichteten, ging die im S&P 500-Index gelistete Aktie von Kinder Morgan am Mittwoch mit einem Plus von knapp 10% aus dem Handel. Das im Jahr 1997 gegründete Unternehmen mit Firmensitz in Houston (Texas) betreibt Erdgas- und Erdöl-Pipelines und Tanklager in den Vereinigten Staaten.

Warum ausgerechnet Öl?

Seit Ende Januar scheint der Ölpreis nun einen Boden gefunden zu haben. Aktuell liegt der Preis für das schwarze Gold bei 34,47 Dollar je Barrel der Sorte Brent. Fakt ist: Warren Buffett gilt bei seiner Investmentauswahl als sehr gewissenhaft, keinesfalls als Zocker.

In der Regel analysiert der Altmeister die Unternehmen, die er ins Visier nimmt, sehr genau. Nach dem Prinzip des „Value Investing“ geht er dabei stets der Frage nach, ob der Aktienkurs den langfristigen Wert eines Unternehmens widerspiegelt. Meist kauft Buffett nur, wenn er eine Unterbewertung sieht.

Das Raffinerie-Geschäft ist vor allem in Zeiten niedriger Ölpreise sehr attraktiv. Ist das Benzin billiger, dann haben Autofahrer mehr Freude am Fahren, sie tanken häufiger und kurbeln letztlich die Nachfrage an. Ein zweiter wesentlicher Punkt: Auch die Verarbeitung für die Raffinerien wird durch einen billigen Ölpreis begünstigt, was sich wiederum positiv auf die Margen auswirkt.

Vom Preisniveau Anfang 2014, bevor der Öl-Sinkflug begann, sind wir momentan meilenweit entfernt. Einer scheint jedoch trotz alledem nach wie vor daran zu glauben, dass das schwarze Gold wieder zu neuen Rekordflügen starten wird: Warren Buffett!

Auch der Goldmarkt ist auf Erholungskurs

Und vom schwarzen Gold werfen wir noch schnell einen Blick auf das gelbglänzende Gold. Denn natürlich sind nicht nur im Ölbereich bei vielen Aktien die Kurse gepurzelt. Auch am Goldmarkt ging es in den letzten Jahren rasant bergab.

Das Edelmetall sackte von fast 2.000 Dollar je Feinunze im Jahr 2011 auf rund 1.000 Dollar je Feinunze Ende 2015 ab. In diesem Abwärtssog wurden ebenfalls die Aktien von Goldminenbetreibern mit nach unten gezogen. Und jetzt? Die Goldminen-Papiere sind allesamt explodiert!

Chart: Gold

Gold
(Quelle: comdirect.de)

 

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Über den Autor Kathrin Dörfeld

Kathrin Dörfeld betreut als Redakteurin den neuen Dienst Aktien Daily.

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