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Opec dreht überraschend den Ölhahn zu

Was ist nur in Algier passiert? Nach stundenlangen Verhandlungen gibt die Opec bekannt, dass sie die Produktion um bis zu 800.000 Barrel täglich kürzen will. Beendet damit Saudi-Arabien den Preiskrieg, über den ich schon häufiger berichtet habe?

Zunächst einmal ist die Produktionskürzung eine gute Nachricht für den Ölpreis. Mitten in der Hauptreisezeit ist der Ölpreis Anfang Juni vom Jahreshoch bei 52 US$ auf 41 US$ abgesackt. Doch die wichtige Unterstützung bei 42 US$ hat gehalten.

Mehr noch: Der kurzfristige Abwärtstrend konnte jetzt gestoppt werden. Öl springt sogar über den Widerstand bei 47,00 US$, wie Sie am Chart an der oberen blauen Linie erkennen können. Charttechnisch ist damit der Weg frei bis zum nächsten massiven Widerstand bei knapp über 50,00 US$ (rote Linie).

Springt Öl jetzt wieder auf 50,00 US$?

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Doch ist ein Ölpreis-Anstieg auch fundamental gerechtfertigt? Ein Blick hinter die Kulissen liefert die Antwort. Zum ersten seit über acht Jahren hat sich die Opec unter dem Druck des massiv gefallenen Ölpreises wieder auf eine Drosselung ihrer Fördermengen geeinigt.

Offenbar haben sich die Erzfeinde Iran und Saudi-Arabien angenähert. Die Opec würde das gern als Zeichen von Stärke und Einigkeit sehen. Doch ganz so ist das nicht. Denn die Hauptlast der Produktionskürzung trägt Saudi-Arabien.

Drosselung ändert am Überangebot nicht viel

Die Opec-Mitglieder Iran, Nigeria und Libyen haben Ausnahmeregeln zugestanden bekommen. Während Saudi-Arabien den Ölhahn zudreht, können diese Ländern zulegen. Damit wird sich auch nicht viel am globalen Öl-Überangebot ändern.

Von einer Verknappung dieses Rohstoffs kann keine Rede sein. Eher hat die Opec durch ihre überraschende Ankündigung den Ölpreisverfall gestoppt. Das ehemals mächtige Öl-Kartell muss sich weiter mit der Schieferöl-Industrie in den USA auseinandersetzen, welche die Saudis zuvor massiv bekämpft haben.

Und übrigens: Die genauen Fördermengen werden erst beim nächsten offiziellen Opec-Treffen im November bekannt gegeben.

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Über den Autor
Volkmar Michler

Volkmar Michler, Jahrgang 1964, ist langjähriger Leiter der deutschen Trader-Redaktion. Er studierte Jura, Politik und Geschichte und absolvierte ein betriebs- und volkswirtschaftliche Zusatzausbildung.

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