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Ölpreis steigt nach Eskalation am persischen Golf

Was für ein dramatischer Auftakt ins neue Jahr!

Die US-Armee hat im Auftrag von Präsident Donald Trump den hochrangigen iranischen General Soleimani gezielt getötet – und damit das Pulverfass in der Golfregion erneut extrem aufgeheizt.

Teheran hat eine dreitägige Staatstrauer angeordnet und den heutigen Montag, an dem mehrere Trauerfeiern für Soleimani stattfinden, zum arbeitsfreien Tag erklärt, um möglichst vielen Menschen die Teilnahme an den Feierlichkeiten zu ermöglichen. Man schwört sich ein, die Wut auf die Amerikaner ist in diesen Tagen größer und eine stärkere Verbindung als die vielen trennenden Elemente. Das alte „wir gegen die“-Gefühl ist zurück.

Eskalationsspirale in vollem Gange

Die Eskalationsspirale ist bereits in vollem Gange, beide Seiten drohen mit Vergeltungsschlägen, die USA schicken tausende zusätzliche Soldaten in die Region – und das ausgerechnet unter Trump, der doch eigentlich versprochen hatte, die US-Armee aus der Golfregion abzuziehen. Nicht zuletzt damit hat er im damaligen Wahlkampf eine ganze Menge Wähler mobilisiert und für sich gewonnen. Die jetzige Kehrtwende könnte ihm im aktuellen Wahljahr also schaden.

Sie könnte aber auch das genaue Gegenteil bewirken: Gerade in Kriegszeiten versammeln sich die Menschen gerne hinter ihrer Staatsmacht, auch hier herrscht Burgfrieden auf Basis von „wir gegen die“. Zudem spricht vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen niemand mehr über das laufende Impeachment-Verfahren gegen Trump, sehr zum Ärger der Demokraten, die damit bei der eigenen Anhängerschaft punkten wollten.

Haben die USA eine Strategie?

Fraglich ist jedoch, wie strategisch durchdacht der Militärschlag tatsächlich war. Gibt es im Weißen Haus oder im Pentagon ein Konzept, wie es nun weitergehen soll? Oder war die Auslöschung von Soleimani und weiterer hochrangiger Militärvertreter ein impulsiver Akt eines als unberechenbar geltenden US-Präsidenten? Die kommenden Wochen werden es zeigen.

Kurzfristig schoss bereits der Ölpreis in die Höhe: Unmittelbar nach dem Angriff kostete das Barrel so viel wie seit über einem halben Jahr nicht mehr. Im Dax machte sich das vor allem für die Lufthansa bemerkbar. Genau wie bei anderen Fluggesellschaften reagierte auch die Aktie der Kranich-Airline umgehend auf die Bewegung am Ölmarkt, rund um den Globus sackten die Kurse der Fluggesellschaften deutlich ins Minus.

Turbulenzen am Ölmarkt befürchtet

Befürchtet wird, dass der Iran die Straße von Hormus erneut blockieren könnte – die Meerenge bildet ein Nadelöhr, durch das ein Großteil des weltweit exportierten Öls transportiert werden muss. Auch ein weiterer Angriff auf saudi-arabische Raffinerien könnte für zusätzliche Engpässe und steigende Ölpreise sorgen.

Die USA – dank ihrer Fracking-Industrie inzwischen weitgehend unabhängig vom Öl aus der Golfregion – könnten von einer militärischen Eskalation wirtschaftlich profitieren. Die Rüstungs- und Transportindustrie dürfte in diesem Fall mit steigender Nachfrage rechnen.

Dennoch sind sich Beobachter einig: Das war es nicht wert. Denn die nun akut drohende Destabilisierung der Region wird wesentlich höhere Kollateralschäden und Kosten verursachen als dass sie Nutzen bringen würde. Und ob sich die Situation für Trumps Wiederwahlprojekt als dienlich oder hinderlich erweisen wird, bleibt abzuwarten.

Grafische Darstellung der Ölpreisentwicklung

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Über den Autor
Felix-Reinecke
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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