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Ölpreis auf Richtungssuche

Der Ölpreis ist nach dreimonatiger Talfahrt stark ins neue Jahr gestartet. Seit dem Jahrestief, das an Heiligabend erreicht wurde, ist der Preis je Barrel um rund 10 Dollar in die Höhe geschnellt.

Als Grund wird hier vor allem die Absprache der Opec mit ihren Verbündeten, darunter Russland, gesehen, die Produktion des wichtigen Rohstoffs weiterhin zu begrenzen. Damit soll das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wieder hergestellt werden, um die Preisentwicklung zu stabilisieren.

Plötzliches Überangebot

Zuletzt war der Ölpreis von seinem Jahreshoch Anfang Oktober abgestürzt: Das Barrel der Nordseesorte Brent fiel von über 86 auf nur noch rund 50 Dollar zurück. Die US-Sorte WTI vollzog denselben Kurssturz, nur auf einem etwa 10 Dollar niedrigeren Preisniveau.

Was war geschehen? Die US-Sanktionen gegen den Iran hatten dazu geführt, dass andere Ölproduzenten, allen voran Saudi Arabien und Russland, die eigene Förderung im Laufe des Jahres wieder erhöht hatten, um Engpässe auszugleichen. Da jedoch aufgrund zahlreicher Ausnahmen die Versorgungsdelle geringer ausfiel als gedacht, herrschte zum Jahresende hin eher eine Überversorgung.

Verstärkt wurde dieser Effekt durch zwei weitere Faktoren: die nachlassende Nachfrage aufgrund der allgemein schwächeren Konjunkturentwicklung einerseits und das zusätzliche Angebot durch eine starke Förderaktivität der US-Frackingfirmen andererseits.

Was will Donald Trump?

Dank seiner boomenden Frackingindustrie sind die Vereinigten Staaten mittlerweile zum weltgrößten Ölproduzenten aufgestiegen und haben in Sachen Quantität Saudi Arabien und Russland inzwischen überholt. Ein Vorteil aus US-Sicht: Im Gegensatz insbesondere zu Opec-Staaten im arabischen Raum, aber auch in Teilen Afrikas und Südamerikas, ist der Staatshaushalt nicht vom Ölexport abhängig.

Grafische Darstellung der Ölpreisentwicklung

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Ölpreisschwankungen werden daher in Washington gelassener zur Kenntnis genommen als etwa in Riad. Ganz gleichgültig ist das Preisniveau jedoch auch für den US-Präsidenten nicht: Fällt der Ölpreis unter ein bestimmtes Niveau, können die Frackingfirmen nicht mehr wirtschaftlich arbeiten. Zu beobachten waren zahlreiche Firmenpleiten bereits im Zuge des Preisverfalls vor rund drei Jahren.

Auf der anderen Seite sollte der Preis jedoch auch nicht zu sehr steigen, denn das wirkt sich stets auch auf die Spritpreise aus – und gerade in den USA sind die Strecken weit, insbesondere in jenen Regionen, in denen Donald Trump besonders viel Unterstützung und Zuspruch erhält. Um die Wählerschaft in diesen Gegenden nicht mit zu hohen Spritpreisen zu vergraulen, ist Trump daran interessiert, dass die Preisentwicklung nicht aus dem Ruder läuft.

Ölpreis auf Richtungssuche

In den vergangenen Tagen zeigte sich der Ölpreis erneut volatil: Die schwachen Außenhandelszahlen aus China drückten den Ölpreis Anfang der Woche, zuletzt ging es jedoch schon wieder aufwärts. Beobachter rechnen perspektivisch mit einer Stabilisierung auf durchschnittlich etwas höherem Niveau als 2018. Ölpreise im dreistelligen Bereich, wie sie 2014 zu beobachten waren, sind vorläufig jedoch eher nicht zu erwarten.

 

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Über den Autor
Felix-Reinecke
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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