Kupfer rückt ins Rampenlicht: vom Engpass profitieren

Kupferhülsen in verschiedenen Größen liegen auf weißem Hintergrund.
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Während Gold und Silber 2025 im Rampenlicht standen, setzte Kupfer hinter den Kulissen zum Höhenflug an. Das passierte ausgerechnet in einer Phase, in der die Weltwirtschaft in vielen Regionen schwächelte – ein Szenario, das für den sogenannten „Doktor der Konjunktur“, wie Kupfer auch genannt wird, normalerweise Gegenwind bedeutet. Entscheidend für Kupfer ist derzeit die Verknappung des Angebots. Die Lager sind ausgedünnt, mehrere große Minen liefern weniger als geplant, teils wegen Streiks, teils wegen operativer Probleme.

Gleichzeitig wächst der strukturelle Bedarf. Sie wissen es: Die Energiewende verschlingt enorme Mengen an Kupfer – von Elektroautos über den Netzausbau bis hin zur erneuerbaren Infrastruktur.

Diese Kombination aus verhaltener Konjunktur, aber steigender Zukunftsnachfrage sorgt für ein ungewöhnliches Marktsetting, das Investoren genauer prüfen sollten.

Aurubis: Europas Kupfer-Schwergewicht mit mehreren Ertragshebeln

Wer in Deutschland nach einem Profiteur der aktuellen Entwicklung sucht, stößt schnell auf Aurubis (WKN: 676650). Der Hamburger Konzern ist Europas größter Kupferverarbeiter und zählt weltweit zu den wichtigsten Adressen im Recycling. Die Aktie legte letztes Jahr kräftig zu – nicht zuletzt, weil sich höhere Preise und bessere Margen zunehmend bemerkbar machten.

Chart Aurubis, Quelle Aktien Screener Investor Verlag

Aurubis kauft Erzkonzentrate und Schrott, schmilzt diese ein und stellt daraus hochreines Kupfer her. Für Sie als Anleger ist das spannend: Steigt der Kupferpreis, lohnt sich die Aufbereitung von Altmaterial stärker. Recycling wird so zum zusätzlichen Renditetreiber. Außerdem spielt ein weiterer Faktor in die Karten des Unternehmens: Produktprämien. Kunden zahlen Aufschläge für schnelle, regionale Lieferungen innerhalb Europas. Laut Branchenberichten wurden diese Zuschläge zuletzt um rund 350 US-Dollar je Tonne erhöht, was direkten Einfluss auf die Ergebnisrechnung hat.

Hinzu kommt bei Aurubis ein zweites Standbein, das oft übersehen wird: Beim Schmelzprozess entsteht Schwefelsäure als Nebenprodukt. Läuft die Chemie- und Industriekonjunktur wieder besser, können hier zusätzliche Erlöse generiert werden, relativ unabhängig vom Kupferpreis. Einige Analysten halten hier eine Erholung in diesem Jahr für möglich.

Chancen ja – aber Bewertung und Risiken im Blick behalten

Eine Investition in Aurubis klingt attraktiv, aber: Sie sollten die Kehrseite des Zyklus nicht ausblenden. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis spiegelt bereits einen Teil der positiven Kupferstory wider. Für die nächsten Jahre werden sinkende Bewertungskennzahlen erwartet. Allerdings beruhen diese auf eher optimistischen Annahmen. Dazu kommt: Aurubis musste in den vergangenen Jahren Vertrauen zurückgewinnen, nachdem Betrugsfälle und Materialverluste im hohen Millionenbereich bekannt geworden waren. Zudem gilt wie in jedem Rohstoffgeschäft auch hier: Die Ertragsdynamik bleibt zyklisch und schwankungsanfällig.

Für Sie als Investor bedeutet das: Kupfer bleibt ein spannender Hebel im Hinblick auf die Energiewende. Gleichzeitig sollten Engagements selektiv erfolgen und zu Ihrer Risikostruktur passen. Wer an einen anhaltenden Angebotsengpass glaubt und bereit ist, zyklische Ausschläge auszusitzen, findet in Aurubis einen gut positionierten europäischen Player mit mehreren Ertragsquellen. Kurzfristige Rücksetzer können Chancen eröffnen.

Sie sollten jedoch einkalkulieren, dass die Kupfermärkte auch von externen Faktoren abhängen. Streiks, Produktionsunterbrechungen oder Verzögerungen bei Minenprojekten können die Angebotslage kurzfristig verschärfen – oder sich, umgekehrt, schnell entspannen, wenn zusätzliche Kapazitäten ans Netz gehen. Für Sie als Anleger heißt das: Preisrallys können abrupt drehen.

Mein Fazit für Sie: Kupfer ist kein lauter Hype-Trade, sondern eher ein leiser Strukturtrend. Wenn Sie ihn mit kühlem Kopf spielen, kann er Ihrem Depot einen robusten industriellen Baustein hinzufügen.

Ob die Aktie tatsächlich in Ihr Depot passt, entscheiden am Ende natürlich Sie selbst. Mein Newsletter stellt Ihnen interessante Aktien vor. Die Anlageentscheidung treffen Sie.