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Goldpreis: Der Goldrausch geht weiter

Goldrausch 2016 – dieser Terminus erscheint keineswegs übertrieben, wenn man sich die Entwicklung des Goldpreises seit Beginn des Jahres anschaut. Nicht nur im Vergleich zu den vergangenen Jahren, sondern auch historisch betrachtet, ist der Preisanstieg der vergangenen Monate außergewöhnlich stark.

In US-Dollar ist der Goldpreis auf 12-Monats-Sicht um rund 20 Prozent gestiegen. Betrachtet man nur den Zeitraum seit dem Jahreswechsel, fällt der Anstieg sogar noch deutlicher aus, weil der Goldpreis im November und Dezember des vergangenen Jahres noch einmal eine Flaute erlebte und auf einen Tiefstwert von 1.048 Dollar zurückfiel.

Goldpreis: Rasante Rallye zu Jahresbeginn

Der im Januar und Februar folgende Kursanstieg war von rasantem Tempo, der Goldpreis schnellte förmlich in die Höhe und erreichte binnen weniger Wochen 1.250 US-$. Inzwischen pendelt er um die 1.350 US-$.

Die Begründungsmuster dieser atemberaubenden Rallye sind altbekannt und wurden schon während der Rekordentwicklungen in der Finanzkrise 2009 oder der Euro-Krise 2011 und 2012 bemüht. Demnach sind es vor allem die globalen Wirtschaftskrisen, die Anleger veranlassen, ihr Depot umzuschichten und ihre Goldbestände zu stärken – häufig zulasten der Aktienmärkte.

Dieses Muster ließ sich auch beim Jahreswechsel 2015/2016 erkennen: Die Aktienmärkte gingen im Januar weltweit auf Talfahrt, gleichzeitig schoss der Goldpreis nach oben. Zwar haben sich DAX, Dow Jones und Co. mittlerweile wieder etwas gefangen, doch die Gold-Nachfrage reißt nicht ab, ganz im Gegenteil.

Das für die meisten letztlich doch ziemlich überraschende Votum der Briten zugunsten eines EU-Austritts Großbritanniens, von den Medien kurz Brexit getauft, sorgte für neue Verwerfungen an den Kapitalmärkten und verlieh dem Goldpreis neuen Schwung. Plötzlich gilt wieder, was in den Vorjahren verstaubt und geradezu verpönt wirkte: Gold dient als sicherer Hafen in unruhigen Zeiten.

Unsicherheiten könnten sich noch verschärfen

Das gilt in diesem Jahr umso mehr, da die Unsicherheiten noch längst nicht vorbei sind. Vor allem die im November anstehenden US-Präsidentschaftswahlen und die schwierige Lage zahlreicher italienischer Banken sorgen derzeit für Turbulenzen – und einen weiter steigenden Goldpreis.

Sollte dem umstrittenen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, Donald Trump, tatsächlich der Sprung ins Oval Office gelingen – die unsicheren Zeiten würden gerade erst beginnen. Der Mann gilt als unberechenbar und launisch.

Erschwerend kommt hinzu, dass auch altbekannte Mechanismen an den Finanzmärkten nicht mehr zu gelten scheinen. Die expansive Geldpolitik der Notenbanken, die die Zinsen nahe Null halten und scheinbar unbegrenzt Geld drucken, läuft ins Leere. Das eigentliche Ziel, die regionale und letztlich globale Konjunktur anzukurbeln, wurde bislang jedenfalls nicht erreicht.

Dadurch erscheinen Federal Reserve, EZB und Co. allmählich machtlos – was zu einer systemischen Vertrauenskrise bislang ungeahnten Ausmaßes führen könnte. Für den Goldpreis wäre das wohl gut, für alles andere eher nicht.

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Über den Autor Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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