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Gold glänzt in der Krise

Gold gilt bekanntlich als Krisenwährung – und wenn ein Jahr das Wort „Krise“ verdient hat, dann wohl 2020.

Erstmals in der jüngeren Geschichte machte die Gesellschaft die Erfahrung einer weltweiten Pandemie und somit einer kollektiven Krisenerfahrung, die sich weder um Landesgrenzen noch um religiöse Ansichten schert. Von Corona waren von China bis zu den USA, von Saudi Arabien bis Israel, von Großbritannien bis Südafrika und von Brasilien bis Japan praktisch alle Staaten der Erde betroffen.

Nicht alle traf es gleich heftig, auch traf es die einen etwas früher, die anderen etwas später, doch das Jahr wird rund um den Globus im Gedächtnis bleiben als ein Jahr, in dem bisherige Selbstverständlichkeiten außer Kraft gesetzt wurden.

Wirtschaftliche Vollbremsung – politisch angeordnet

Seit Jahrzehnten galt eine prosperierende Wirtschaft als oberste Maxime politischen Handelns, gerade in den westlichen Industrienationen. Dem wurde im Frühjahr ein abruptes Ende gesetzt, als die Regierungen in den Hauptstädten Europas ihre Shoppingmeilen und ihre Grenzen dichtmachten. Eine politisch angeordnete Vollbremsung für weite Teile der Wirtschaft – in diesem Ausmaß ein beispielloses Unterfangen und dementsprechend verbunden mit erheblichen Unsicherheiten.

Wegen fehlender Blaupause trauten sich selbst gestandene Wirtschaftsexperten keine verlässlichen Zukunftsvorhersagen mehr zu, etliche Konzerne verzichteten auf eine Prognose für das kommende Geschäftsjahr. Zu unberechenbar ist die Entwicklung der Pandemie, die „höhere Gewalt“ im eigentlichen Sinne, als dass in dieser Lage jemand den Blick in die Glaskugel wagen würde.

Beste Voraussetzungen also für Edelmetalle im Allgemeinen und Gold im Besonderen, das von Anlegern vor allem dann als „sicherer Hafen“ geschätzt und angesteuert wird, wenn rundherum unruhige Zeiten anbrechen.

Goldpreis erreicht neues Allzeithoch

Tatsächlich erklomm der Goldpreis in diesem Jahr ein neues Allzeithoch. Anfang August kostete die Feinunze kurzzeitig mehr als 2.000 Dollar – so viel wie nie zuvor. Seither hat die Bewertung zwar wieder etwas nachgelassen, bewegt sich kurz vor Jahresende aber mit knapp 1.900 Dollar weiterhin auf hohem Niveau.

Die jüngste Schwächung des Goldpreises hängt wohl nicht zuletzt mit der Entwicklung der Aktienmärkte zusammen. Die US-Börsen eilen schon seit einigen Wochen von einem Rekord zum nächsten und auch der Dax verzeichnete in der Schlusswoche des Handelsjahres 2020 einen neuen Höchststand. Wenn die Aktienmärkte florieren, geht das häufig zu Lasten des Goldpreises.

Dennoch steht der sichere Hafen zur Kapitalabsicherung bei Investoren auch weiterhin hoch im Kurs. In US-Dollar hat sich der Goldpreis auf Jahressicht um 24 Prozent erhöht, in Euro ging es immerhin um 13 Prozentpunkte aufwärts. Die Differenz erklärt sich aus der deutlichen Abwertung des Greenbacks gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung.

Auch 2021 bietet Chancen für Goldfans

Für das kommende Jahr rechnen Experten weiterhin mit einem positiven Umfeld für Goldfans. Ein wesentlicher Grund hierfür: Der ohnehin massive Konjunktureinbruch wäre wohl noch deutlich drastischer ausgefallen, hätten die Staaten nicht erhebliche Hilfsprogramme auf den Weg gebracht. Um diese kurzfristig zu finanzieren, wurden Schulden aufgenommen. Auch die deutsche Bundesregierung hat sich von ihrer schwarzen Null verabschiedet, die sie zuvor jahrelang gehegt und gepflegt hatte.

Um dem Ganzen überhaupt noch beizukommen, haben auch die Notenbanken ihre Druckerpressen wieder angeworfen und werden auf absehbare Zeit kaum Gelegenheit haben, die schon seit zehn Jahren historisch niedrigen Zinsen merklich anzuheben.

Da monetäre Rücklagen auf dem Sparbuch in einem solchen Umfeld stetig an Wert verlieren, werden andere Geldanlagen attraktiver. Hierzu zählen Aktien und – gerade in unsicherem Fahrwasser – das Goldinvestment als sicherer Hafen, der voraussichtlich auch im kommenden Jahr von vielen Anlegern angesteuert werden wird.

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Über den Autor
Felix-Reinecke
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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