Edelmetalle – wo endet die Fahnenstange?

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Wie es scheint, gibt es so gut wie nichts, was den US-Präsidenten nicht stört. Und das wird dann, selbstverständlich ohne länger nachzudenken, postwendend über die eigene Social Media-Plattform rausgehauen. So ist US-Notenbankchef Jerome Powell schon seit längerem persona non grata. Weniger, weil dessen Frisur Trumps Schönheitsidealen nicht entspricht. Stattdessen wegen der Hartleiblichkeit des US-Fed-Vormanns, schnell und nachhaltig die Zinsen zu senken.

Schließlich sind Notenbanker rund um den Globus zuvorderst der Geldwertstabilität verpflichtet sowie unabhängig von politischen Meinungen, Strömungen gar Repressionen. So ist die US-Inflationsrate eher auf dem Vormarsch als auf dem Rückzug. Nur die nachlassende Geldentwertung würde eine Leitzinssenkung rechtfertigen.

Angriffe auf Powell schiebt Edelmetallpreise nach oben

Trumps Attacken auf Powell waren zwar nicht der Startschuss für die Edelmetall-Hausse, doch sicher gleichsam der Brandbeschleuniger. Bei Gold und Silber sind nunmehr Unzenpreise, von denen vor Wochen oder gar Monaten niemand zu träumen wagte, in greifbare Nähe gerückt. Wer nunmehr eine Feinunze Gold als sogenannter Bullion Coin (Anlagemünze) erwerben möchte, der muss für einen solchen – ob nun Maple Leaf Eagle oder Britannia – um die 4.200 Euro auf den Tresen legen. Für eine Feinunze Silber werden als Verkaufspreise, abhängig vom Anbieter, mindestens 100 Euro aufgerufen.

In Dollar gerechnet ist die Feinunze Gold im laufenden Jahr um rund 15 Prozent teurer geworden, in den vergangenen zwölf Monaten sogar um ca. 80 Prozent. Die Feinunze Silber legte seit Jahresbeginn, ebenfalls in US-Dollar, sogar um rund 40 Prozent zu, auf Zwölf-Monats-Sicht stieg der Preis um sage und schreibe mehr als 230 Prozent.

Was tun mit den Edelmetall-Schätzen

Gut, wer jetzt schon Silber und Gold, gern auch in physischer Form, hat. Und das nicht erst seit gestern oder vorgestern, sondern seit Jahren oder gar Jahrzehnten. Naheliegende Frage angesichts der Unzenpreise: den eigenen Silberschatz und das vielleicht im Bankschließfach verwahrte Gold verkaufen? Oder aber darauf spekulieren, dass die Preise weiter steigen.

Bekanntlich ist noch niemand durch Gewinnmitnahmen verarmt. Andererseits gibt ein Gold- und/oder Silberschatz daheim ein sehr gutes Gefühl. Und dies nicht nur metaphorisch. Ist es doch ein wahrhaft sinnliches Vergnügen, den Eagle oder die Britannia hin und wieder sanft zu streicheln …

Was also tun, wenn man sein Schätzelein als Vorsorge für Zeiten, die vielleicht noch schlechter werden als jetzt, behalten möchte, doch das aktuelle Preisniveau zumindest absichern will. Dies ist durch Short-ETCs und durch derivative Anlageformen möglich.

Short-ETCs auf Gold und Silber

Was für Aktien (Indices) sowie Renten(Indices) jene ETF’s (Exchange Traded Funds) sind, das heißt bei Edelmetallen ETC, ausgeschrieben: Exchange Traded Commodities. Die gibt es sowohl in der Bullen- als auch in der Bären-Version – also Produkte, die auf steigende oder auf fallende Edelmetallpreise setzen.

Sollen die physischen Schätze bleiben, wo sie sind, können Short-ETCs auf Silber und Gold vor (großen) Werteinbußen schützen. Wichtig: ETCs sind Schuldverschreibungen, die die Wertentwicklung von Rohstoffen auf Grundlage des Kassapreises (= Spotpreises) oder des Future-Preises abbilden. Viele ETCs sind physisch hinterlegt. Was heißt, dass das Edelmetall in einem Tresor gelagert wird. Im Unterschied dazu sind ETFs Schuldverschreibungen des jeweiligen Emittenten und somit kein Sondervermögen, wodurch zumindest ein theoretisches Emittentenrisiko besteht.

Einer der bekanntesten Anbieter für solche Shortys ist das Investmenthaus WisdomTree. Für Edelmetallfans, die es etwas rasanter mögen, sind auch gehebelte Short-ETCs im Angebot. Heißt: Falls der Kassakurs von Gold oder Silber beispielsweise um zwei Prozent nachgibt, steigt der dreifach gehebelte ETC um sechs Prozent im Kurs. Solche gehebelten Shorts sind indes eher für hartgesottene Anleger geeignet.

Short-Zertifikate auf Edelmetalle

Diese auch „Mini-Futures“ genannten Endlos-Zertifikate auf fallende Edelmetallpreise sind etliche Nummern härter als die eben beschriebenen ETCs. Attraktiv ist auf den ersten Blick, dass sie gehebelte Spekulationen auf sinkende Kurse ohne feste Laufzeit ermöglichen. Zugleich bergen sie jedoch hohe Risiken – inklusive Totalverluste bei Erreichen der jeweiligen sogenannten Knock-Out-Schwellen. Solche Produkte laufen zwar, wie erwähnt, zeitlich unbegrenzt, haben aber Finanzierungskosten, die den aktuellen Wert beeinflussen können. Praktisch alle großen Banken bieten Short-Zertifikate auf Edelmetalle an.

Optionsscheine auf fallenden Gold- und Silberpreis

Dank der Hebelwirkung können Anleger mit solchen Puts überproportional von fallenden Preisen bei Edelmetallen profitieren. Abhängig vom Hebel reagiert der Kurs eines Puts um das X-fache der Preisentwicklung des sogenannten Basiswerts – in dem Fall also von Gold, Silber oder auch Platin.

Puts sind hochriskant und unerfahrenen Anlegern nicht zu empfehlen. Zum einen haben sie eine Laufzeitbegrenzung, die zu einem sogenannten Zeitwertverlust führt. Der Preis eines Puts fällt demnach, wenn auch anfangs nur minimal, falls der Kurs des Basiswerts unverändert bleibt. Richtig gefährlich wird es allerdings bei einer falschen Markteinschätzung durch den Anleger, denn steigen wider Erwarten die Edelmetallpreise, ist ein Totalverlust beim Put unausweichlich.

Schätze behalten, Preisniveau absichern

Es ist also durchaus möglich, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. Den Wert des physischen Edelmetalls gleichsam einzufrieren, ohne es zu verkaufen. Mini-Futures und Optionsscheine sind für private Anleger, zumal jene ohne Erfahrungen, aufgrund des extrem hohen Verlustrisikos nicht geeignet. Ungehebelte Short-ETCs da schon eher.