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Afghanistan: Greift China jetzt die Rohstoffschätze ab?

Schon seit dem 19. Jahrhundert gerät Afghanistan ins Zentrum mächtiger Staaten. Sei es Großbritannien, Russland oder später die USA: Die Großmächte verfolgten in dem Binnenstaat an der Schnittstelle von Südasien, Zentralasien und Vorderasien freilich vor allem Eigeninteressen. Dabei ging es nicht nur um Sicherheitsfragen, sondern auch um harte wirtschaftliche Faktoren.

Afghanistan bietet fast alles, was das Rohstoff-Herz begehrt

Der Grund: Afghanistan ist reich an Bodenschätzen. Darunter Öl und Gas, Kohle, aber auch Metalle wie Eisen, Kupfer, Gold, Kobalt und nicht zuletzt Lithium. Medienberichten zufolge sollen die Bodenschätze auf einen Wert von bis zu einer Billion US-Dollar kommen – je nach Förderung gar vier Billionen.

Seit die USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschierten, lag der Fokus Washingtons immer auch auf der dortigen Rohstoffindustrie, derer man mit üppigen Fördermitteln auf die Sprünge helfen wollte. Wirklich ertragreich war das Ganze jedoch nie. Denn die anhaltenden Aufstände vonseiten der Taliban hatten eine großflächige Förderung im Prinzip verhindert.

Westliche Staaten weg – tritt China jetzt auf den Plan?

Jetzt aber hat es einen Paradigmenwechsel gegeben, wie Sie sicherlich der omnipräsenten Berichterstattung entnehmen konnten. Das ändert die Zugriffsmöglichkeiten auf die afghanischen Bodenschätze. Denn: Mit der Machtübernahme der Taliban in Kabul dürfte auch das zivile Engagement der USA in dem Land zu Ende gehen.

Nach dem Rückzug der westlichen Truppen sehen nun die Regierungen anderer Staaten ihre Chance gekommen, nach den begehrten Ressourcen des Landes zu greifen. Vor allem China gilt laut Experten als möglicher Profiteur. Längst hat Peking den neuen Machthabern in Kabul Hilfe angeboten.

Das Kalkül: Durch die dringend nötige humanitäre Unterstützung erhofft sich China das Vertrauen der Islamisten – inklusive Belohnung in Form von Rohstoffen. Damit würde sich China abermals Zugriff auf große ausländische Reservoirs sichern und seine Vormachtstellung in im Rohstoffbereich exzessiv ausbauen.

Natürlich ist nicht nur China an Afghanistan interessiert. Im Fahrwasser des westlichen Abzugs wecken die Rohstoffe auch Begehrlichkeiten im Iran, der Türkei und Indien.

Lithium in Hülle und Fülle

Besonders heikel: In Afghanistan sollen laut einem etwas älteren Bericht der „New York Times“ Lithium-Vorräte schlummern wie in Bolivien, wo die weltgrößten Reserven vermutet werden. Lithium wiederum ist wohl einer der wichtigsten Schlüsselrohstoffe der Welt – unabdingbar etwa für die Elektromobilität, die gerade in den USA und Europa jetzt kräftig durchstarten soll. Würde China darauf Zugriff erhalten, könnte man den Westen noch stärker unter Druck setzen.

Zudem sollen in dem Taliban-Staat zwei Milliarden Tonnen Kupfererz lagern. Das Metall ist ebenfalls ein wichtiger Faktor für Strom-Autos, aber auch für die Ladeinfrastruktur, Windräder und Solarpanele. Hinzu kommen 1,6 Milliarden Barrel Rohöl. Das ist zwar deutlich weniger als etwa in Venezuela, Saudi-Arabien und Kanada vermutet wird, dennoch eine beachtliche Menge.

Risiko auch für China

Einfach wird es für China und Co. in Afghanistan aber nicht. Schon die USA hatten wie oben erwähnt ihre Probleme beim Aufbau einer stabilen Rohstoffinfrastruktur. Ob das nun unter der Herrschaft der Taliban besser gelingen wird, bleibt jedenfalls fraglich. Schon 2015 versuchten die Chinesen mit der ehemaligen Kabuler Regierung Verträge bezüglich einer Kupfermine zu schließen – und scheiterten.

Angesichts des Rückzugs der US-Amerikaner dürfte Peking nun aber noch weitaus spendabler werden. Gut möglich, dass die Volksrepublik Afghanistan gar an die Neue Seidenstraße anschließen wird. Mit diesem interkontinentalen Handels- und Infrastruktur-Netz schafft Peking eine Verbindung quer durch Asien, Ozeanien, sowie Teile Europas und Afrikas. Natürlich stehen dabei chinesische Interessen im Mittelpunkt.

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Über den Autor
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Marco Schnepf

Börse aus Leidenschaft: Marco Schnepf analysiert seit Jahren das tägliche Geschehen an den Kapitalmärkten.

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