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Lockdown? Na endlich!

Die Politik diskutiert dieser Tage über eine Verschärfung der Lockdown-Maßnahmen. Womöglich werden schon ab der nächsten oder übernächsten Woche Schulen und Geschäfte geschlossen.

Für den Einzelhandel wäre das bitter. Gerade rund um Weihnachten werden hier die höchsten Umsätze generiert. Dennoch: Ein harter Lockdown wäre nicht nur richtig, sondern überfällig.

Man könnte heute schon weiter sein

Es hätte nicht soweit kommen müssen. Hätten die Länderchefs auf die Kanzlerin gehört und schon ab Oktober beherzter durchgegriffen, wäre das Schlimmste vielleicht schon überstanden. Im Frühjahr wurden – bei deutlich geringeren Infektionszahlen – wesentlich härtere Maßnahmen durchgesetzt, damit hat man das Infektionsgeschehen recht zügig in den Griff bekommen. Auch in anderen Ländern wie Spanien oder Frankreich sind striktere Lockdowns in dieser Pandemie an der Tagesordnung.

In Deutschland hingegen war die Lage komplex. Die 16 Landesfürsten bestanden auf jeweiligen Extraregeln, im Süden wurde besonders streng reguliert, im Norden besonders locker, je nach Infektionszahlen, Ausnahmen blieben trotzdem erlaubt, kurzum: Es kochte jeder weitgehend sein eigenes Süppchen, selbst wenn man sich zuvor in der gemeinsamen Schaltkonferenz auf eine halbwegs einheitliche Linie verständigt hatte.

Dadurch erschienen die Maßnahmen häufig recht willkürlich und im Einzelnen wenig nachvollziehbar. Dass Schulen und Kitas, Firmen und Geschäfte im Teil-Lockdown – anders als im Frühjahr – weitgehend offenbleiben sollten, wurde damit begründet, dass man nun mehr wisse über das Virus und seine Verbreitungswege sowie wirksame Präventionsmaßnahmen.

Harter Lockdown absehbar

Tatsächlich wurde das exponentielle Wachstum der Infektionskurve ausgebremst, doch seither stagnieren die Zahlen auf sehr hohem Niveau. Es zeichnet sich ab: Die bislang ergriffenen Maßnahmen reichen bei weitem nicht aus, um die Pandemie hierzulande auch nur ansatzweise in den Griff zu bekommen.

Und so kommt nun wohl mit knapp zweimonatiger Verzögerung, was von vornherein kaum zu vermeiden war: ein „richtiger“ Lockdown, mit harten Maßnahmen für einige Wochen, mit Aussicht auf Verlängerung bis ins Frühjahr hinein, je nach Infektionslage.

Zögern kostet Menschenleben

Der Aufschrei im Einzelhandel ließ nicht lange auf sich warten. Ausgerechnet das umsatzstarke Weihnachtsgeschäft soll nun womöglich vorzeitig beendet werden? Das ist hart, zweifelsohne, gerade am Ende eines so gebeutelten Jahres – und doch ist es richtig, einen Lockdown jetzt kurz und schmerzvoll durchzuziehen, als weitere wertvolle Wochen verstreichen zu lassen. Jeder Tag des Zögerns kostet Menschenleben.

Es ist nicht zuletzt im Sinne der Wirtschaft, die Beschränkungen einerseits möglichst kurz zu halten und andererseits eine kalkulierbare Perspektive für das erste Quartal präsentiert zu bekommen. Hätte die Politik von vornherein konsequenter durchgegriffen, anstatt sich zögerlich im 14-Tage-Rhythmus von einer Maßnahme zur nächsten zu hangeln – es hätte unterm Strich wahrscheinlich weniger gekostet, weniger Geld und weniger Menschenleben.

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Über den Autor
Felix-Reinecke
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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