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Flixbus warnt vor Wettbewerbsverzerrung durch 49-Euro-Ticket

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Es war das Erfolgsprodukt des Sommers und hat, in Kombination mit dem parallel befristet geltenden Tankrabatt, die Inflation um rund 1,5 Prozentpunkte abgesenkt: das 9-Euro-Ticket.

Erfolgsmodell 9-Euro-Ticket: Bundesregierung plant Nachfolger

Bundesweit gültig konnten Fahrgäste damit den öffentlichen Personennahverkehr für 9 Euro im Monat nutzen. Die Maßnahme war allerdings auf drei Monate beschränkt. Die Resonanz war dennoch so überwältigend positiv, dass man sich nun auf ein Nachfolgemodell verständigt hat. Ab Januar soll ein 49-Euro-Ticket verfügbar sein, mit dem ebenfalls der bundesweite ÖPNV genutzt werden kann. Für Fahrgäste bedeutet das vor allem, sich nicht mehr mit komplizierten Verbundtarifen auseinandersetzen zu müssen.

Im Hinblick auf die Inflationsdynamik dürfte die Wirkung indes begrenzt sein: Ökonomen schätzen, dass das Ticket einen lediglich minimalen Effekt von etwa 0,1 Prozentpunkten ausmachen dürfte. Aus Umweltschutzgründen und mit Blick auf die politisch angestrebte Verkehrswende sei das Ticket dennoch ein sinnvoller Baustein.

Flixbus warnt vor Wettbewerbsverzerrung

Weniger begeistert ist man dagegen beim Fernbusbetreiber Flixbus. Dessen Angebot wurde durch das 9-Euro-Ticket nicht abgedeckt, wodurch in den Monaten Juni, Juli und August vor allem auf mittelweiten Strecken bis etwa 300 Kilometern zahlreiche Fahrgäste auf Regionalzüge umstiegen. Auf einigen Strecken habe das Unternehmen etwa ein Drittel bis zur Hälfte weniger Fahrgäste verzeichnet – mit dem Auslaufen des 9-Euro-Tickets im September seien viele davon zu Flixbus zurückgekehrt.

Nun fürchtet das Unternehmen ähnliche Auswirkungen des angekündigten 49-Euro-Tickets im kommenden Jahr. Sollten die Flix-Angebote erneut keine Berücksichtigung finden, müsse man einige Strecken komplett einsparen oder das Angebot jedenfalls deutlich zurückfahren, warnt Flixbus-Chef André Schwämmlein Medienberichten zufolge.

Werden Fernbusse diesmal mit einbezogen?

Das Unternehmen fordert daher eine Vergütung in einem bis zu mittleren zweistelligen Millionenbereich. Andernfalls drohe eine Wettbewerbsverzerrung, da konkurrierende Angebote durch das Ticket subventioniert würden. Dann könnte das 49-Euro-Ticket auch juristisch angreifbar werden.

Im Sinne der Fahrgäste wäre eine Einbeziehung der Flixbus-Angebote in jedem Fall: Wie das Unternehmen selbst betont, werden durch das Fernbusangebot einige Strecken sogar besser abgedeckt als durch bestehende Regionalzugverbindungen. Dies gilt vor allem in ländlich geprägten Regionen großer Flächenbundesländer.

Kritiker fordern Investitionen in Infrastruktur und Streckenangebot

Viele Details zur konkreten Ausgestaltung des geplanten 49-Euro-Tickets sind noch unklar. Eckpunkte hatte die Bundesregierung vor kurzem vorgestellt. Mit dem Ticket soll die ÖPNV-Nutzung gestärkt werden. Langfristiges Ziel ist der Umstieg möglichst vieler Personen vom Auto auf den Schienenverkehr zur Entlastung der Umwelt und um die selbstgesteckten Klimaschutzziele zu erreichen.

Kritiker monieren jedoch, dass ein günstiges Ticket allein nicht ausreichend sei, um die Verkehrswende substanziell voranzutreiben. Notwendig seien vielmehr massive Investitionen in das marode Schienennetz und ein Ausbau des Angebots, gerade auch im ländlichen Raum. Verlässliche und engmaschige Anbindungen sicherzustellen dürfe nicht aus dem Blick geraten, um das ÖPNV-Angebot tatsächlich attraktiv zu gestalten und als echte Alternative zum Auto zu etablieren.