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Exitstrategie: Wie lange hält der Lockdown-Konsens?

Es ist nicht mal ein Monat, den sich Deutschland inzwischen im Ausnahmezustand befindet, mit geschlossenen Geschäften, Ausgangsbeschränkungen und „Social Distancing“. Doch schon jetzt fordern einige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, über geeignete Exitstrategien nachzudenken, um wieder zu einem – zumindest annähernden – Normalzustand zurückzukehren.

Die Bundeskanzlerin hat vor wenigen Tagen, nach einer Telefonkonferenz mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer, bekräftigt, dass die bisherigen Beschränkungen auch über die Osterfeiertage hinaus Bestand haben werden. Vorerst rechnet man Pi mal Daumen mit etwa Ende April, mindestens. Dann will man weitersehen und die Lage neu beurteilen.

Stillstand – bis ein Impfstoff vorliegt?

Aus Sicht von Virologen und Gesundheitsexperten wird ein Lockdown für wenige Wochen jedoch nicht ausreichen, um die Epidemie wirksam einzudämmen. Stattdessen ist die Rede von Monaten, auch ein Fortbestand der massiven Beschränkungen bis zum Jahresende wird immer wieder thematisiert.

Die verantwortlichen Politiker stecken in einem Dilemma: Bislang haben die Verantwortlichen aus der Wirtschaft die massiven Einschränkungen mitgetragen, trotz der erheblichen finanziellen Einbußen, die damit für die Unternehmen und die Volkswirtschaft verbunden sind. Doch wie lange lässt sich ein solcher Grundkonsens aufrechterhalten?

Wie lange hält der Konsens?

Einen Stillstand von einem Monat oder auch einem Quartal kann man größtenteils noch irgendwie auffangen – aber ein ganzes Jahr Ausfall? Das würde zahlreiche Existenzen bedrohen, nicht nur von kleinen und mittelgroßen Unternehmen, es würde auch für etliche Großkonzerne an die Substanz gehen und damit verbunden für Millionen von Beschäftigten.

All dies gilt es genau abzuwägen, ehe über eine Lockerung der Maßnahmen entschieden wird. Solange jedoch weder ein Impfstoff noch ein wirksames Medikament auf dem Markt sind, würde eine Rückkehr zur Normalität die Infektionsrate umgehend wieder in die Höhe treiben. Eine Teilisolierung von Risikogruppen, die immer wieder diskutiert wird, ist in der Praxis kaum umsetzbar.

Ausklammern von Risikogruppen kaum umsetzbar

Denn einerseits müssen auch diese Personen einkaufen oder zum Arzt gehen – wenn das Virus im Rest der Gesellschaft munter grassiert, können sie sich beim Gang vor die Tür kaum wirksam davor schützen. Andererseits leben viele Menschen, die Risikogruppen zugerechnet werden, mit anderen zusammen in einem Haushalt, die nicht in die Risikogruppe fallen und damit das Virus einschleppen könnten, wenn sie sich wieder frei bewegen.

Völlig unklar ist zudem, wer überhaupt zur Risikogruppe zählt. Ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf oder auch ein Versterben an der Lungenerkrankung weisen nicht nur Ältere auf – und wo wäre hier die Untergrenze zu ziehen, bei 80 oder doch schon bei 50 Jahren? Darüber hinaus fallen auch Asthmatiker, Diabetiker oder Raucher in die Risikogruppen. Würde man ihnen allen weiterhin strikte Beschränkungen auferlegen und allen anderen nicht – das Chaos wäre vorprogrammiert. Ein solches Szenario ist praktisch nicht umsetzbar.

Die entscheidende Frage bleibt also die nach den Kriterien, die erfüllt sein müssen, um als Gesellschaft insgesamt wieder schrittweise in den normalen Alltag zurückkehren zu können. Die harte Realität ist: Man kann nur raten – oder konsequenterweise warten, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht. Das aber wird wohl in diesem Jahr nicht mehr der Fall sein.

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Über den Autor
Felix-Reinecke
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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