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Chaostage in Großbritannien: Doppelwechsel an der Staatsspitze

Inhaltsverzeichnis

Chaostage in Großbritannien: Innerhalb weniger Tage erfolgte zunächst der Austausch der Regierungsspitze – dann verstarb mit Elizabeth II. eine Monarchin, deren Position im Königreich und weit darüber hinaus kaum zu überschätzen ist. In ihrer 70jährigen Regentschaft ist sie wohl mehr Staatsoberhäuptern begegnet als jeder andere.

Mit Elizabeth II. stirbt eine Institution

Die Queen war eine Institution für Großbritannien, Europa und die Welt. Ohne sich ins tagespolitische Geschehen aktiv einzubringen, wusste die Monarchin doch stets wirkungsvolle Akzente zu setzen oder im Hintergrund zu wirken. Nach innen war es vor allem ihre Person, die das Königreich zusammenhielt und das Volk hinter sich versammelte. Solange Elizabeth II. auf dem Thron saß, wurde an der Monarchie nicht gerüttelt.

Das könnte sich nun ändern. Thronfolger Charles ist insgesamt weit weniger beliebt als seine Mutter. Auch sein erstgeborener Sohn, Prince William, genießt mit seiner Frau und den drei Kindern größere Popularität in der Öffentlichkeit. Wie lange Charles – immerhin selbst schon in seinen 70ern angelangt – nun als König an der Spitze der britischen Monarchie verweilt und ob es ihm gelingen wird, ähnliche Strahlkraft zu entfalten wie seine verstorbene Mutter, bleibt abzuwarten.

Was plant die neue Premierministerin?

Am heutigen Tag wird die Weltöffentlichkeit die Trauerfeierlichkeiten für Queen Elizabeth II. live im Fernsehen verfolgen können, zahlreiche ranghohe Politiker aus aller Welt werden in London erwartet. Noch ist das Land in Trauer geeint, der Kitt der Queen hält über ihren Tod hinaus, zumindest bis zur Beisetzung. Doch was folgt danach?

Die dritte Premierministerin in der Geschichte Großbritanniens – nach Margaret Thatcher und Theresa May – heißt Liz Truss, gehört wie ihre beiden Vorgängerinnen dem konservativen Lager an und galt einst als Gegnerin des britischen Austritts aus der Europäischen Union. In dem Moment aber, da der Brexit im Sommer 2016 per Referendum auf den Weg gebracht wurde, vollführte Truss eine 180-Grad-Wende und ist seither bemüht, den EU-Austritt als Chance für Großbritannien zu interpretieren.

Wenn die Trauer verfliegt, tritt die Spaltung zutage

Ihr direkter Vorgänger im Amt, Boris Johnson, hat ihr das Land in einem desolaten Zustand überlassen: Brexit, Pandemie und Ukraine-Krieg belasten die Wirtschaft, die gesellschaftliche Spaltung, die das Brexit-Votum gerissen hat, ist längst nicht überwunden. Die Frage des Nordirland-Protokolls ist weiterhin ungeklärt, auch schottische Unabhängigkeitsbestrebungen flammen immer wieder neu auf.

Dass Truss nun alles anders machen wird als Johnson, ist dennoch unwahrscheinlich. Sie hatte zuvor seinem Kabinett angehört, und Johnson hatte bereits kurz nach seinem Amtsantritt die allermeisten Kritiker in den eigenen Reihen in die Schranken verwiesen. Auch eine Rückkehr Johnsons an die Spitze der Macht scheint nicht ausgeschlossen, zumindest kokettierte der ehemalige Premier offen damit, noch in den letzten Tagen seiner Amtszeit.

Inflationsrate von 20 Prozent befürchtet

Mit der Beisetzung der Queen dürfte in naher Zukunft auch die einende Staatstrauer vorüberziehen und die Briten wieder auf dem harten Boden der Tatsachen aufwachen: Bereits im Sommer erreichte die Inflationsrate dort zweistellige Werte, Experten der US-Großbank Citi erwarten in den kommenden Monaten einen weiteren rasanten Anstieg der Verbraucherpreise. Im Einzelhandel drohen den Briten womöglich Preissteigerungen von 20 Prozent. Zum Vergleich: Für Deutschland wird eine Inflationsrate von etwa 10 bis 11 Prozent rund um den Jahreswechsel erwartet.

Ähnlich wie die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank Federal Reserve hat auch die Bank of England zuletzt an der Zinsschraube gedreht und den Leitzins mehrfach angehoben auf nunmehr 1,75 Prozent. Ökonomen gehen jedoch davon aus, dass mehr als das Dreifache nötig wäre, um die Inflationsdynamik zu stoppen.

Trost spenden nach dem Verlust der beliebten Königin, Zuversicht verbreiten trotz explodierender Lebenshaltungskosten und die Inflation in den Griff bekommen, ohne die Wirtschaft vollends abzuwürgen – Liz Truss ist wahrlich nicht zu beneiden angesichts der Aufgaben, die in den kommenden Monaten auf sie zukommen.