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Bill Clinton und das Glass-Steagall-Gesetz

Liebe Leser,

manche Märchen sind kaum aus dem Geist der Öffentlichkeit zu tilgen….

Ich bin mir sicher: Würde ich mich an den nächsten Supermarkt stellen und die Menschen befragen, wer ihrer Meinung nach die Schuld an dieser Krise trägt, die überwiegende Antwort wäre wohl „Die Banker“.

In gewisser Weise stimmt es natürlich, dass viel hiervon auf einflussreiche Wall Street Kreise und teils auch andere Figuren aus dem weltweiten „Banking-Establishment“ zurückzuführen ist, doch wer die Schuldfrage direkt auf „die Banker“ schiebt, der gibt deren zahlreichen Komplizen und Wegbereitern aus der Politik, welche als Volksvertreter gerade hier hätten Einhalt bieten können und müssen, die Möglichkeit, sich unerkannt und „unschuldig“ aus dieser Sache herauszuwinden bzw. mit dem Finger auf andere zu zeigen.

Kein Wunder also, dass seitens zahlreicher Politiker immer wieder das Märchen gepredigt wird, es sei nur die „böse Finanzbranche“ schuld an dieser Krise und jetzt müsse man eben als lieber und gutmeinender Politiker tapfer einschreiten, noch mehr regulieren und den sprichwörtlichen Karren aus dem Dreck ziehen.

Die Realität sieht aber anders aus: Ohne eine große Anzahl von Komplizen im politischen Bereich wäre diese Krise in dieser Form unmöglich gewesen. In den Massenmedien hören Sie immer wieder von verschiedenen Bankern, welche gierig ihren Bonus einklagen oder sich in sonst einer Art- und Weise aus Sicht der Öffentlichkeit unmöglich verhalten (wie etwa der offenbar größenwahnsinnige CEO von Goldman Sachs).

Hier bei Investoren Wissen möchte ich stattdessen die nächsten Wochen einmal den Blick auf verschiedene Politiker richten, welche bei der Krisenerzeugung munter mitgespielt haben und jetzt natürlich von nichts mehr wissen möchten.

Ein ganz prominenter Kandidat aus dieser „Gallerie der Unschuldslämmer“ ist der ehemalige amerikanische Präsident Bill Clinton…

Bill Clinton und die Rücknahme des Glass-Steagall-Gesetzes

Um zu verstehen, in wie fern Bill Clinton (und natürlich der damalige US-Kongress) diese Krise in ihrer jetzigen Form überhaupt erst möglich machten, müssen wir ein paar Jahrzehnte in der Zeit zurück gehen…

Wir schreiben das Jahr 1933. Der 1929er-Finanzmarktcrash steht der Welt noch ins Gesicht geschrieben. Vor diesem Hintergrund gaben zwei Mitglieder des amerikanischen Kongress einem Gesetz, welches später als Glass-Steagall-Act bekannt wurde, seinen Namen.

Ein wesentlicher Bestandteil dieses Glass-Steagall-Gesetzes war es, dass das Investmentbankgeschäft vom kommerziellen Bankengeschäft gesetzlich getrennt wurde. Man glaubte damals u.a., dass verschiedene kommerzielle Banken mit ihren Kundeneinlagen zu starke Risiken (etwa exzessive Investments an den Finanzmärkten) eingegangen waren, was man mit als Ursache für den 1929er Crash sah.

Dies bezog sich allerdings nicht nur auf die jeweiligen Investments der Banken sondern auch darauf, dass die Banken zahlreiche neue Börsengänge selbst aufkauften, um diese dann an die Öffentlichkeit weiterzuverkaufen.

Mit Inkrafttreten des Glass-Steagall-Gesetzes wurde den Banken ein Jahr Zeit gegeben, um zu entscheiden, ob sie sich auf kommerzielle Bankgeschäfte oder Investmentbanking spezialisieren möchten. Nur 10% des Einkommens kommerzieller Banken konnte aus dem Wertpapiergeschäft stammen (die einzige Ausnahme bildeten hierbei von der Regierung herausgegebene Schuldpapiere).

Das Glass-Steagall-Gesetz zielte somit direkt auf Finanzgiganten wie JP Morgan and Company ab, die man als einen der Hauptproblemfaktoren ansah. Durch die Barriere zwischen Investmentbankgeschäft und kommerziellem Bankgeschäft sollte verhindert werden, dass die Banken Kundeneinlagen nutzen könnten, um gescheiterte Investmentgeschäfte zu kompensieren oder gar mit diesem Geld selbst spekulieren.

Es muss wohl kaum erwähnt werden, dass dies der Finanzindustrie und besonders dem Wall Street Kraken natürlich keinesfalls zusagte und das öffentliche Gejammer von einem Gesetz, was „über das Ziel hinausschießt“ und die entsprechenden „Überzeugungsarbeiten“ im Hintergrund natürlich sofort begannen, jedoch damals zunächst noch großteils scheiterten.

Springen wir in der Zeit zurück in die nähere Vergangenheit, in das Jahr 1999.

Die Abschaffung des Glass-Steagall-Gesetzes

Im Jahre 1999 wurde der Glass-Steagall-Act seitens des US-Kongress durch die Einführung des sog. Gramm-Leach-Bliley Acts abgeschafft und letztlich durch Bill Clintons Unterschrift vollendet. Die offizielle Begründung war, vereinfacht wiedergegeben, dass zu viel Regulierung „ungesund“ für die Bankenindustrie sei. Ohne derartige Barrieren, wie sie der Glass-Steagall-Act errichtet hatte, könnten Banken viel besser ihr Risiko diversifizieren und damit würde das Gesetz ja genau das Gegenteil bewirken von dem, was man eigentlich beabsichtigt hatte.

Auch bemühte man ein weiteres Argument: Nach dem Enron-Skandal seien Banken ja sowieso in ihrer eigenen Einstellung viel transparenter geworden und die Wahrscheinlichkeit, dass unvernünftige Investmententscheidungen maskiert würden, sei dadurch viel geringer geworden. Der eigene Ruf zähle ja schließlich alles und somit sei auch klar, dass Banken sich effektiv selbst regulieren würden.

Aus heutiger Sicht ist es für viele Menschen wohl kaum zu glauben, dass solch ein grober Blödsinn damals ernsthaft irgendjemanden zu überzeugen vermochte.

Lassen wir uns doch zunächst einmal das schöne Wort „Risikodiversifizierung“ (bzw. wie Banken dies sehen) auf der Zunge zergehen. Ich denke, ich muss hierzu nicht sehr viel sagen. Wenn Sie sich die Häuserkatastrophe und den daraus resultierten Knall an den Finanzmärkten ansehen, dürfte relativ klar sein, wie „reduziert“ bzw. gut verteilt und diversifiziert die entsprechenden Risiken hier wurden.

Wäre es nicht möglich gewesen, den ganzen Müll im Markt abzuladen, hätten wohl einige Bankhäuser kaum derart im Hypothekenbereich gezockt. In anderen Worten: Ein Bremsmechanismus hätte gegriffen bzw. vieles deutlich schwieriger bis unmöglich gemacht (Aber genau das war weder von Politik noch Finanzbranche gewünscht, wie ich noch erläutern werde).

Auch zum Thema „eigener Ruf“ muss ich wohl nicht viel sagen. Wie sehr sich diverse Banken und Banker um ihren eigenen Ruf kümmern, haben die letzten Jahre wohl selbst jedem Blinden gezeigt…

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Über den Autor Alexander Hahn

Alexander Hahn stieß Ende 2007 zum Investor Verlag und ist Chefanalyst des kostenlosen Newsletters Value Daily.

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