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Notenbanken erhöhen Leitzinsen im September erneut kräftig

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Sie waren in den vergangenen beiden Wochen einmal mehr das beherrschende Thema am Börsenparkett: Die Notenbanken und ihre Entscheidungen zur weiteren Ausgestaltung der Leitzinsen.

Gleiche Richtung, unterschiedliches Tempo

Einig sind sich die Währungshüter bei der Richtung, Unterschiede sind dagegen erkennbar im Tempo: Die Leitzinsen steigen allerorten, doch während die US-Notenbank Federal Reserve bereits seit dem Frühjahr mehrfach beherzt an der Zinsschraube gedreht hat, zögerte die Europäische Zentralbank (EZB) bis zum Sommer.

Zuletzt gab es nun im September eine neue Runde von Zinsentscheidungen. Die EZB hob den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte an auf nun 1,25 Prozent Mit dem höchsten Zinsschritt ihrer bisherigen Geschichte reagierte die EZB auf den Rekordwert, den die Inflation im Euroraum im August bei 9,1 Prozent erreicht hatte.

Lagarde in der Kritik

Den europäischen Währungshütern um EZB-Chefin Christine Lagarde wird von vielen Ökonomen vorgeworfen, die Inflationsdynamik zunächst lange unterschätzt zu haben – und nun umso hektischer hohe Zinssteigerungen zu forcieren. Das gilt als äußerst riskant angesichts einer wohl nicht mehr abzuwendenden Rezession auf der einen Seite und nachlassender Kaufkraft auf der anderen Seite. Die Löhne steigen bei weitem nicht so schnell wie die Lebenshaltungskosten – und die Spitze der Teuerung ist noch nicht einmal erreicht, auch da sind sich Experten weitgehend einig.

Auch die US-Notenbanker haben einmal mehr einen XXL-Zinsschritt gewagt und den Leitzins um weitere 0,75 Prozent angehoben – zum dritten Mal in Folge. Damit liegt der US-Leitzins nun in einer Spanne zwischen 3,0 bis 3,25 Prozent.

Im Eiltempo raus aus der Nullzinspolitik

Im Eiltempo beenden die Währungshüter in diesem Jahr ihre Nullzinspolitik, die seit gut zehn Jahren gegolten und vor allem die Aktienmärkte gestützt hatte. Die historische Nullzinsphase war von der globalen Wirtschaftskrise ausgelöst worden. Nun steht die Wirtschaft erneut vor einem nie dagewesenen Mix an Herausforderungen, nur dass die Reaktion der Notenbanken entgegengesetzt ausfällt, um die Inflation irgendwie einzudämmen.

Das Problem dabei: Entsprechende Effekte brauchen Monate, bis sie ihre Wirkung entfalten. Noch bis weit ins kommende Jahr hinein werden Erzeuger wie Verbraucher Prognosen zufolge mit stark steigenden Preisen konfrontiert sein.

Euro fällt auf tiefsten Stand seit 20 Jahren

Hatte der US-Leitzins zu Beginn des Jahres noch bei 0,0 bis 0,25 Prozent gelegen, sollen es bis Jahresende voraussichtlich mehr als 4 Prozent sein. Zwar hatten die Märkte die erneut hohen Zinsanhebungen bereits erwartet, doch allmählich mehren sich die Stimmen, die vor einem zu aggressiven Eingreifen der Notenbanker warnen. Sie könnten die ohnehin angeschlagene Konjunktur damit vollends zum Erliegen bringen.

Die Krise schlägt sich auch mit Blick auf die wichtigsten Währungen nieder. Erst vor wenigen Tagen markierte der Euro im Verhältnis zum US-Dollar den schwächsten Kurs seit 20 Jahren: Zeitweise kostete ein Euro lediglich 0,97 Dollar, womit die Parität sogar noch unterschritten wurde. In früheren Zeiten entsprach ein Euro noch um die 1,10 Dollar.