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Inflation: Kein Grund zur Panik?

Der Dax eilt seit Wochen von Rekord zu Rekord, doch immer wieder geht auch das Schreckgespenst der Inflation um am Parkett. Mit knapp unter 2 Prozent lag die Teuerungsrate in Europa zuletzt auf dem Niveau, das die Europäische Zentralbank lange Jahre vergeblich angestrebt hatte. Doch die Angst vor weiter steigenden Preisen bleibt – und ist nicht ganz unbegründet.

Produkte und Dienstleistungen werden teurer

Viele Unternehmen, die die Pandemie bis dato einigermaßen überstanden haben, müssen nun wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen – das geht unter anderem durch Preiserhöhungen für Produkte und Dienstleistungen.

Doch auch die Produktionskosten sind oftmals gestiegen: Rohstoffe wie Holz werden knapp, aber auch einzelne Bauteile oder Komponenten sind zurzeit schwer zu bekommen – Stichwort Chipmangel, der zwar weltweit zuschlägt, europäische Unternehmen aber besonders hart trifft. Immerhin sind die großen Chipproduzenten in Asien und den USA angesiedelt. Die hiesige Industrie fokussiert sich auf Chips für den Automarkt, darüber hinaus jedoch herrscht Ebbe – und das bekommen auch immer mehr produzierende Unternehmen in Deutschland mittlerweile zu spüren.

Nicht zuletzt sorgt die konzertierte Ölförderdrosselung der Opec+ für ein weiterhin vergleichsweise hohes Preisniveau beim Rohöl. Gerade gestiegene Energiekosten haben zur Preissteigerung für Verbraucher in Deutschland zuletzt massiv beigetragen. Diese Entwicklung macht jedoch auch vor Unternehmen nicht Halt.

Notenbanken: Normalisierung des Preisniveaus

Nachdem die US-Notenbank bereits verkündet hat, den Leitzins trotz der anziehenden Inflation auf dem bisherigen, niedrigen Niveau zu belassen, berät in dieser Woche nun auch die Europäische Zentralbank über ihr weiteres Vorgehen. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass auch die EZB keine größeren geldpolitischen Veränderungen plant.

Denn betrachtet man die Referenzgrößen, wird deutlich: Die jetzige Preissteigerungsrate hat auch damit zu tun, dass die Preise während der Pandemie im vergangenen Jahr zeitweise massiv zurückgegangen waren. Der Ölpreis war im Keller, ganze Branchen lagen brach, die Nachfrage kanalisierte sich auf wenige Bereiche, während andere monatelang ins Hintertreffen gerieten.

Dax-Rekordjagd ungebrochen

Dadurch ist einiges in Schieflage geraten in den globalen Handels- und Lieferketten, was sich nun erst allmählich wieder normalisieren muss. Die jüngsten Inflationszahlen deuten somit nicht auf eine tatsächlich rasante Teuerung hin, sondern versinnbildlichen unterm Strich vielmehr eine Rückkehr zum Normalniveau aus der Zeit vor Corona.

Nicht zuletzt deswegen bleiben wohl auch die Notenbanker bis dato gelassen – und in Frankfurt sind weitere Rekordjagden möglich. Für Kleinanleger, die vor allem im vergangenen Jahr in großer Zahl neu ans Parkett geströmt sind, gilt es jedoch, vorsichtig zu bleiben. Denn jede Rally hat einmal ein Ende, und nicht wenige Beobachter rechnen damit, dass es auch diesmal zu einem beherzten Rücksetzer des Dax kommen könnte – möglicherweise schneller als manchen lieb ist.

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Über den Autor
Felix-Reinecke
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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