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Ifo-Institut senkt Konjunkturprognose

Inhaltsverzeichnis

Noch einmal richten sich in dieser Woche die Augen der Anleger rund um den Globus auf die Notenbanker. Am heutigen Mittwoch kommt die US-Notenbank Federal Reserve zu Beratungen zusammen, morgen folgt die Europäische Zentralbank. Auch in Japan und Großbritannien entscheiden die Notenbanken in dieser Woche über ihr weiteres Vorgehen.

Wie interpretieren Notenbanken Inflationsgeschehen?

Mit Spannung wird erwartet, wie sich die Währungshüter zum Inflationsgeschehen positionieren. Nach Lesart von EZB-Chefin Christine Lagarde handelt es sich dabei um ein vorübergehendes Phänomen, das begünstigt wird durch die Großwetterlage und in wenigen Monaten wieder abflaut, wenn sich die Situation im Pandemiegeschehen und rund um die Lieferkettenprobleme wieder entspannt.

Fed-Chef Jerome Powell wurde zuletzt anders interpretiert. Er ließ bei seinen jüngsten Äußerungen das zuvor stets bemühte Wörtchen „vorübergehend“ weg, was von Anlegern als Zeichen interpretiert wurde, dass die US-Notenbanker von einer länger andauernden Inflationswelle ausgehen.

Fed-Entscheidung am Abend: Kommt jetzt die Zinswende?

Wie sehr die Fed tatsächlich besorgt ist über die Inflationsrate, die in der vergangenen Woche mit stolzen 6,8 Prozent für die USA angegeben wurde, wird sich wohl heute Abend zeigen, wenn die Notenbanker ihr weiteres geldpolitisches Vorgehen erläutern.

Bei den Anleihekäufen hat sie einen sukzessiven Ausstieg bereits in die Wege geleitet und im November damit begonnen, die monatlichen Milliardenbeträge zurechtzustutzen. Nun aber könnte es auch an den Leitzins gehen.

Korrigiert EZB ihre Bewertung des Inflationsgeschehens?

Powell hat in der Vergangenheit bereits mehrfach angekündigt, wenn nötig – und sofern Konjunkturentwicklung und Arbeitsmarktdaten es hergeben – an der Zinsschraube drehen zu wollen. Anleger gehen davon aus, dass sich der Fed-Chef dazu am Abend erneut äußern und positionieren wird. Ob die Zinswende noch in diesem oder doch erst im kommenden Jahr verkündet wird, ist eine der wesentlichen Fragen dieser Woche.

Eine andere zielt auf die EZB und ihre Bewertung des Inflationsgeschehens. Werden Lagarde und ihre Kollegen dabei bleiben, die Teuerung zu ignorieren, die auch in Europa bei um die 5 Prozent liegt und damit so hoch ausfällt wie seit rund 30 Jahren nicht mehr? Oder werden auch Europas Notenbanker ihre Haltung überdenken und zu neuen Ergebnissen kommen, die dann wiederum geldpolitische Konsequenzen nach sich ziehen könnten?

Weltbank mahnt zu Ende expansiver Geldpolitik – Ifo-Institut kappt Prognosen

Die Antworten darauf werden Anleger noch in dieser Woche erhalten, bis dahin ist das Marktgeschehen dominiert von Spekulationen. David Malpass, Präsident der Weltbank, forderte die Notenbanker zum Umdenken auf und warb für ein Ende der expansiven Geldpolitik. Er bezeichnete laut Handelsblatt die milliardenschweren Anleihekaufprogramme als eine der „makroökonomischen Wurzeln der Inflation“.

Auch das Münchener Ifo-Institut geht davon aus, dass die Inflation noch bis weit ins kommende Jahr hinein andauern wird. Nach einem Schnitt von 3,1 Prozent im laufenden Jahr gehen die Wirtschaftsforscher für 2022 sogar von einem weiteren Anstieg der Inflationsrate auf 3,3 Prozent aus, ehe sich die Inflation ab 2023 wieder normalisiere. Für das übernächste Jahr prognostizieren die Forscher derzeit eine Inflationsrate von 1,8 Prozent, was nahe dem EZB-Ziel von 2 Prozent liegen würde.

Auch der konjunkturelle Aufschwung lässt laut Ifo-Schätzungen länger auf sich warten als zunächst gedacht und verschiebt sich auf einen späteren Zeitpunkt in 2022. Für das laufende Jahr gehen die Forscher von einem – mehrfach nach unten korrigierten – Wachstum von 2,5 Prozent aus, ihre Prognose für 2022 hat das Institut nun noch einmal deutlich abgesenkt um 1,4 auf 3,7 Prozentpunkte. Ein Stück des zunächst für 2022 erwarteten Aufschwungs wird sich demzufolge in das darauffolgende Jahr verschieben, sodass vom Ifo-Institut für 2023 nun ein Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent vorhergesagt wird.