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EZB beschließt historische Leitzinserhöhung

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Paukenschlag in Frankfurt: Die Europäische Zentralbank hat erneut den Leitzins für den Euroraum angehoben. Das hatten die Märkte erwartet. Ein wenig überraschend hingegen kommt die Dimension des Zinsschritts: Um satte 0,75 Prozent steigt der Leitzins demnach auf nunmehr 1,25 Prozent. Es ist der größte Zinsschritt seit 1999.

Extreme Preissteigerungen im Euroraum

Damit reagieren die Währungshüter auf die extreme Inflationsentwicklung. Zuletzt lag die Teuerungsrate der Verbraucherpreise im August mit 9,1 Prozent so hoch wie nie zuvor im Euroraum. Besonders extrem steigen die Preise in den baltischen Staaten, in denen die Inflationsrate bereits seit Monaten jenseits der 20 Prozent liegt. Für Deutschland beläuft sich die Inflation im August auf 8,8 Prozent nach europäischer Berechnungsweise beziehungsweise 7,9 Prozent laut deutscher Statistik. Damit erreicht die Teuerungsrate auch hierzulande ein Rekordniveau seit Einführung der Gemeinschaftswährung.

Mit dem beherzten Eingriff versucht die EZB nun, Handlungsbereitschaft zu demonstrieren. In den vergangenen Monaten war Europas Notenbank massiv in die Kritik geraten, weil der erste Zinsschritt erst im Juli erfolgte – und die Zinswende somit mehrere Monate später begann als etwa in den USA, wo die Federal Reserve bereits im März an der Zinsschraube drehte.

Kieler Institut für Weltwirtschaft rechnet mit Rezession

Mit der Abkehr von der expansiven Geldpolitik des vergangenen Jahrzehnts riskieren die Notenbanker ein Abflauen der Konjunktur. Doch das ist nach Einschätzung zahlreicher Ökonomen ohnehin nicht mehr zu vermeiden.

Zuletzt stellte etwa das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) seine Herbstprognose vor. Demnach rechnen die Wirtschaftsforscher für das kommende Jahr mit einem Abgleiten der deutschen Wirtschaft in eine Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte den Berechnungen zufolge um 0,7 Prozentpunkte schrumpfen.

Ifo-Geschäftsklimaindex sinkt zum dritten Mal in Folge

Das Münchener Ifo-Institut rechnet bereits im laufenden dritten Quartal mit einem Wirtschaftsrückgang. Der vielbeachtete Ifo-Geschäftsklimaindex sank im August zum dritten Mal in Folge.

Mit 0,2 Punkten auf nunmehr 88,5 Zähler fiel der Rückgang zwar überschaubar aus. Dennoch befindet sich das Barometer damit auf dem tiefsten Stand seit Juni 2020, als die Corona-Pandemie in vollem Gange war. Der Index basiert auf einer monatlichen Befragung von rund 9.000 Managern, die die aktuelle Geschäftslage sowie die Aussichten für die kommenden sechs Monate einschätzen.

Hohe Inflation bis weit ins nächste Jahr erwartet

Ein Ende der Preissteigerungen ist dagegen nicht in Sicht. So geht laut Ifo-Institut etwa die Hälfte der Unternehmen davon aus, in den kommenden Monaten ihre Preise zu erhöhen. Auch 2023 dürften die Verbraucherpreise deutlich kräftiger anziehen als jene 2 Prozent, die die Europäische Zentralbank eigentlich als Zielwert anstrebt.

Das trifft sowohl private Verbraucher wie auch immer mehr namhafte Unternehmen, die zusätzlich durch hohe Energiepreise und einen gleichzeitigen Mangel an Material und Komponenten belastet sind. Insgesamt führt die Gemengelage zu einer weiteren Verknappung verfügbarer Angebote auf den Weltmärkten, was wiederum der Inflation zusätzlich einheizt.

Euro-Schwäche belastet Unternehmen zusätzlich

Erschwerend hinzu kommt die Schwäche des Euro gegenüber dem US-Dollar: Erstmals seit Einführung der Gemeinschaftswährung als Bargeld gibt es in diesem Jahr eine Parität, seit Monaten notieren Euro und Dollar in etwa gleichauf. Zuletzt notierte war der Euro sogar weniger als einen Dollar wert. Das sorgt für zusätzliche Preisbelastungen für die Unternehmen – denn Rohstoffe werden an den internationalen Märkten üblicherweise in Dollar berechnet.