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Einzelhändler blicken besorgt aufs Weihnachtsgeschäft

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Es sind nur noch knapp drei Monate bis Weihnachten. Sichtbar wird das in den Supermarktregalen, wo längst die ersten Lebkuchenartikel zu finden sind. Doch so recht will in diesem Jahr keine besinnliche Stimmung aufkommen. Ukrainekrieg, Inflationsdynamik und Energiekrise beschäftigen die Menschen.

Nachlassende Kaufkraft trifft auf Lieferengpässe

Kaufkraft wie auch Konsumlaune haben spürbar nachgelassen. Dennoch hofft der Einzelhandel auf das üblicherweise umsatzstarke Weihnachtsgeschäft. Neben den inflationsbedingten Einbußen bei den Reallöhnen gibt es allerdings einen zweiten Faktor, der sich negativ auswirken könnte: die anhaltenden Lieferengpässe.

Mehr als drei Viertel der Einzelhändler gaben in einer Befragung des Münchener Ifo-Instituts an, dass es am Warennachschub mangeln könnte. Wer ein konkretes Geschenk zu Weihnachten plant, möge sich daher frühzeitig um dessen Beschaffung kümmern – ansonsten könnte man kurz vor dem Fest vor leeren Regalen stehen und zumindest den gewünschten Artikel nicht wie gewohnt vorfinden.

Keine Entspannung vor Weihnachten erwartet

Mit einer Entspannung bis zur Vorweihnachtszeit rechnet die Branche der Studie zufolge nicht. Vor allem die immer wiederkehrenden Lockdown-Maßnahmen in China, wo die Regierung eine strikte Null-Covid-Strategie verfolgt und ganze Metropolregionen wochenlang rigoros abriegeln lässt, bremsen den globalen Handel aus.

Auch im Schiffsfrachtverkehr gibt es nach wie vor einen Rückstau. Nach Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) sind davon etwa 11 Prozent der weltweit verschifften Waren betroffen.

Industrie kann volle Auftragsbücher kaum abarbeiten

Neben dem Einzelhandel ist auch die deutsche Industrie von den Lieferschwierigkeiten betroffen. Fehlende Bauteile oder Materialien sorgen hier für einen massiven Rückstau bei der Bearbeitung von Aufträgen. So kommt es, dass die Auftragsbücher deutscher Industriekonzerne prall gefüllt sind, mit noch weiter zunehmender Tendenz. So verweist das Statistische Bundesamt in einer kürzlich veröffentlichten Studie auf einen Zuwachs im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat um 12,6 Prozent. Damit habe der Auftragsbestand den höchsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2015 erreicht.

Vor allem die Automobilindustrie sowie Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau kommen mit dem Abarbeiten der Aufträge kaum hinterher. Immer wieder muss die Produktion wegen fehlender Komponenten unterbrochen werden.

Drohen rezessionsbedingte Auftragsstornierungen?

Immerhin: Es ist eine allmähliche Entspannung der Lage erkennbar. Laut einer Erhebung des Ifo-Instituts berichteten im August zwar noch 62 Prozent der Unternehmen über fehlende Materialien – im Juli waren es allerdings noch über 73 Prozent gewesen und damit deutlich mehr. Der Sand im Getriebe der globalen Lieferketten scheint also tendenziell nachzulassen.

Dennoch wäre allzu großer Enthusiasmus wohl verfrüht. Ökonomen warnen vor Auftragsstornierungen angesichts der anhaltend hohen Inflation und der immer wahrscheinlicher werdenden Rezession. Dies könnte zu Kürzungen bei geplanten Investitionen führen.

Was für die Unternehmen im Großen gilt, könnte sich auch im Kleinen bei den Privathaushalten abzeichnen. Gut möglich, dass der Geschenkeberg unterm Weihnachtsbaum in diesem Jahr etwas kleiner ausfällt als sonst – sei es wegen fehlender Kaufkraft oder mangelnder Verfügbarkeit.