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Deutsche Außenhandelsbilanz negativ – erstmals seit 2008

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Die konzertierte Aktion von Bundesregierung, Arbeitnehmervertretern und Arbeitgeberorganisationen ist gerade erst angelaufen. Am Montag traf sich die Runde erstmals offiziell in Berlin zum Auftakt der Gespräche.

Kanzler Scholz bittet Sozialpartner zum Gespräch

Gemeinsam wollen Bund und Sozialpartner Strategien entwickeln, um Deutschlands Volkswirtschaft möglichst glimpflich durch die derzeitige Phase hoher Inflation und drohender Rezession zu führen. Doch das wird gar nicht so einfach. Bereits im Vorfeld zeichnete sich ab, dass die verschiedenen Lager sehr unterschiedliche Vorstellungen haben. Einig sind sich Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, dass man sich von Seiten des Staates nicht allzu sehr reinreden lassen will bei der Gestaltung der Tarifverhandlungen.

Anders als noch im vergangenen Jahr von vielen Beobachtern erhofft, wird sich die Krise wohl noch länger hinziehen. Darauf hat Bundeskanzler Olaf Scholz zuletzt mehrfach hingewiesen und die Bevölkerung auf harte Monate eingestimmt. Die hohen Energiepreise lassen ebenfalls nicht auf eine baldige Entspannung hoffen, ganz im Gegenteil – sie belasten Privathaushalte wie Industriekonzerne gleichermaßen und treiben die Teuerung etlicher Produkte bis hin zu Lebensmitteln weiter voran.

Entlastungspaket gibt Vorgeschmack auf Regierungsbestrebungen

Im Regierungspaket, das zum 1. Juni wirksam wurde, haben bereits alle drei Koalitionsparteien ihre jeweiligen Vorstellungen davon umgesetzt, wie sie die Bürger – beziehungsweise ihre jeweilige Wählerschaft – entlastet wissen wollen: Das vor allem von den Grünen erwünschte 9-Euro-Ticket wurde zum millionenfachen Verkaufsschlager, der von der FDP vorangetriebene Tankrabatt ist dagegen weitgehend verpufft und zu einem großen Teil in den Bilanzen der Ölkonzerne versickert, anstatt die Autofahrer spürbar zu entlasten. Die SPD hat indes Einmalzahlungen für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sowie Familien mit Kindern durchgesetzt, die ersten Beträge fließen im Juli auf die Konten der Begünstigten.

Das Entlastungspaket der Bundesregierung mit dem bunten Strauß an teils widersprüchlich wirkenden Maßnahmen bildet dabei wohl nur den Auftakt. Im Rahmen der nun angelaufenen konzertierten Aktion sind weitere Treffen geplant, mit ersten Ergebnissen zu konkreten Maßnahmen wird im Herbst gerechnet.

Außenhandelsbilanz negativ – erstmals seit 2008

Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft zeichnen sich seit Langem ab. Materialengpässe und Probleme in den weltumspannenden Lieferketten führen zu einer erheblichen Schieflage von Angebot und Nachfrage. Die Verknappung und Verteuerung liegt dabei vor allem in der Angebotsseite begründet.

Deutschland, das sich traditionell gerne mit seinem Ruf als Exportweltmeister rühmt, hat im Mai eine negative Handelsbilanz ausgewiesen. Das bedeutet, dass das Volumen der Importe das der Exporte überstiegen hat – zum ersten Mal seit 2008.

Defizit von 1 Milliarde Euro

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum legte der Wert der Einfuhren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um fast 28 Prozent zu auf knapp 127 Milliarden Euro. Demgegenüber stiegen die Exporte lediglich um knapp 12 Prozent auf rund 126 Milliarden Euro. Unterm Strich verzeichnet die Außenhandelsbilanz der Bundesrepublik damit für Mai 2022 ein Minus von rund 1 Milliarde Euro. Im Vergleich zum April gingen die Ausfuhren sogar um 0,5 Prozent zurück, während die Importe zugleich um 2,7 Prozent zulegten.

Gestützt wurde die deutsche Exportwirtschaft zuletzt vor allem durch regen Handel mit den USA. Gegenüber dem Vormonat April stiegen die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten um 5,7 Prozent auf ein Volumen von 13,4 Milliarden Euro. Deutlich schwächer entwickelte sich demgegenüber das Chinageschäft: In die Volksrepublik, die im Frühjahr gleich mehrere wochenlange strikte Lockdowns über verschiedene Regionen, darunter Shanghai, verhing, exportierten deutsche Unternehmen im Mai nur 0,5 Prozent mehr als im April. Die Exporte nach China lagen bei einem Wert von 8,7 Milliarden Euro.

Rückläufige EU-Exporte – Russlandgeschäft legt wieder zu

Bemerkenswert ist zudem der Rückgang der Exporte in andere EU-Länder, die normalerweise verlässliche Abnehmer von Produkten „Made in Germany“ sind: Im europäischen Binnenmarkt schrumpften die deutschen Exporte von April auf Mai um 2,8 Prozent auf 67,5 Milliarden Euro. Ähnlich deutlich fiel der Rückgang im Außenhandel mit Großbritannien aus, der seit dem Brexit spürbar geschwächt ist. Ins Vereinigte Königreich exportierten deutsche Firmen im Mai Waren im Wert von 5,8 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang um 2,5 Prozent gegenüber dem Vormonat.

Auf den ersten Blick verwunderlich ist zudem die Entwicklung der Geschäfte mit Russland. Diese legten nach einem Einbruch um knapp 60 Prozent im März und einem weiteren, fast 10-prozentigen Rückgang im April im Mai wieder zu um fast 30 Prozent auf rund 1 Milliarde Euro. Dieser Effekt basiert vor allem auf pharmazeutischen Produkten, die von den westlichen Sanktionen gegen Russland ausgenommen sind. Russische Importe hingegen gingen gegenüber dem Vormonat April um knapp 10 Prozent zurück auf 3,3 Milliarden Euro – und das trotz drastisch gestiegener Preise für Energie und Rohstoffe, die einen Großteil der russischen Lieferungen an Deutschland ausmachen.

Ebenso wie die Bundesregierung blicken auch die Unternehmen zunehmend pessimistisch auf die kommenden Monate. Mit einer schnellen Entspannung der Lage rechnet kaum noch jemand. Ganz im Gegenteil: Der aktuelle Ifo-Index für die Exporterwartungen fiel zuletzt um 0,7 Punkte auf 3,7 Zähler zurück. Eine Hauptsorge der Exporteure sind dabei weiterhin die bestehenden Probleme in den globalen Lieferketten.