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Chinas Null-Covid-Politik bremst hiesige Wirtschaft aus

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Es waren tumultartige Szenen, die sich vor wenigen Tagen in einer Ikea-Filiale in China zugetragen haben. Weil eine Person im Geschäft über längere Zeit Kontakt mit einer corona-positiven Person hatte, schickten Sicherheitskräfte der Behörden sich an, das gesamte Gebäude abzuriegeln – fluchtartig verließen darauf massenweise Kunden die Filiale, um den strikten Lockdown-Maßnahmen zu entgehen.

Menschen in China fürchten Lockdown-Maßnahmen

Wer es nicht rechtzeitig schaffte, musste noch stundenlang in dem Möbelhaus ausharren, ehe ein Weitertransport in ein Quarantänehotel erfolgte. Es ist nur ein Beispiel unter vielen, auch eine bei Urlaubern beliebte Ferieninsel befindet sich im Lockdown, Flüge wurden gestrichen, Tausende hängen fest.

Auch im dritten Jahr der Pandemie hält die Staatsführung in Peking an ihrer rigorosen Null-Covid-Politik fest – eine Strategie, die die meisten anderen Länder längst aufgegeben haben. Spätestens mit der Ausbreitung der hochansteckenden Omikron-Variante im vergangenen Winter, die zu zahlreicheren, aber insgesamt eher milderen Krankheitsverläufen führt, haben die meisten Länder damit begonnen, sich mit dem Virus zu arrangieren. Auch in Deutschland sind im Frühjahr die meisten Maßnahmen abgeschafft worden.

Frühjahrslockdown in Shanghai belastet globale Lieferketten erheblich

Doch Chinas strikte Haltung wirkt sich nicht nur auf die Menschen vor Ort aus, die millionenfach wochenlang ihre Wohnungen nicht verlassen dürfen. Weil unter anderem die Wirtschaftsmetropole Shanghai, die neben zahlreichen internationalen Firmenniederlassungen auch den größten Containerhafen der Welt beheimatet, im Frühjahr zwei Monate lang in den Lockdown geschickt wurde, hat sich die globale Lieferkettenproblematik weiter verschärft.

Zudem waren etliche Produktionsstandorte, auch westlicher Firmen oder ostasiatischer Zulieferbetriebe, von den Maßnahmen betroffen. Die Produktion wurde oftmals unterbrochen, was sich nicht zuletzt auch in den Bilanzen des Frühjahrsquartals ablesen ließ, die viele Konzerne in den vergangenen Wochen vorgelegt haben.

Chinas Wirtschaftswachstum bricht ein

Nicht selten wurden Jahresprognosen gekappt, weil die Ausfälle aus dem ersten Halbjahr in der zweiten Jahreshälfte nicht immer vollständig kompensiert werden können. Zur Begründung verwiesen viele Firmen auf den Lockdown in Shanghai im Frühjahr.

Auch für Chinas eigene Wirtschaft sind die Auswirkungen deutlich spürbar. Im zweiten Quartal verzeichnete Chinas Wirtschaftswachstum lediglich einen Anstieg um 0,4 Prozent und blieb damit deutlich hinter den Erwartungen zurück. Es war das schwächste Quartal seit Anfang 2020, als das Coronavirus erstmals um sich griff – und abseits dessen das schwächste Vierteljahr seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1992.

China: Wichtiger Absatzmarkt für deutsche Exporteure

Für das Gesamtjahr strebte die Führung in Peking eigentlich ein Plus von 5,5 Prozent an, inzwischen hat die Regierung das Ziel offiziell kassiert, ohne sich auf ein Neues festzulegen. Der Internationale Währungsfonds rechnet indes nur noch mit einem Anstieg um 3,3 Prozent für Chinas Bruttoinlandsprodukt.

Im Juli legte die Industrieproduktion in China um 3,8 Prozent zu, die Umsätze im Einzelhandel stiegen um 2,7 Prozent. Beide Werte verfehlten die Prognosen. Der Konjunktureinbruch in China hat wiederum Auswirkungen auf die weltwirtschaftliche Entwicklung: Das Reich der Mitte gilt seit Jahren als einer der wichtigsten und wachstumsträchtigsten Märkte für zahlreiche exportorientierte Unternehmen, unter anderem machen deutsche Autobauer einen nicht unerheblichen Teil ihrer Umsätze in China.

Deutschlands Bruttoinlandsprodukt stagniert in Q2

So wirkt sich Chinas Null-Covid-Strategie gleich in mehrfacher Hinsicht nachteilig auch auf europäische Unternehmen aus: Ausbleibende Zulieferkomponenten, gestörte Lieferketten, eigene Produktionsausfälle vor Ort in China wie auch an Standorten, die von dort mit Bauteilen beliefert werden und nicht zuletzt nachlassende Kaufkraft der chinesischen Bevölkerung machen hiesigen Exporteuren zu schaffen.

Eine Abkehr von der bisherigen Strategie ist indes nicht absehbar. Dementsprechend könnte Chinas Coronapolitik noch über viele Monate auch die Wachstumschancen der deutschen Wirtschaft stark beeinträchtigen. Hierzulande blieb das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal unverändert, wie das Statistische Bundesamt Ende Juli bekanntgab. Erwartet worden war ein minimaler Anstieg um 0,1 Prozent.

IWF kappt Wachstumsprognose für Deutschland

Für das Gesamtjahr haben sich die Aussichten damit bereits deutlich eingetrübt. Für Deutschland prognostiziert der Internationale Währungsfonds aktuell nur noch ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent. Noch im Mai waren die Experten des IWF von einem Plus um 2,0 Prozent ausgegangen.

Nicht nur der IWF, sondern auch die Deutsche Bundesbank und führende Ökonomen, wie etwa das Münchener Ifo-Institut, warnen vor schweren Zeiten für das deutsche Wirtschaftswachstum. Neben den genannten Problemen im Zusammenhang mit China wirken sich auch die Sanktionen gegen Russland, der Krieg in der Ukraine, die hohe Inflation und die stark gestiegenen Energiepreise negativ auf die Konjunkturentwicklung aus.

Ifo-Geschäftsklimaindex fällt deutlich zurück

So sank der Ifo-Geschäftsklimaindex im Juli auf den tiefsten Stand seit 2020. Ein Abgleiten in eine Rezession gilt als immer wahrscheinlicher, nicht zuletzt, weil auch die Europäische Zentralbank kürzlich eine Wende ihrer Zinspolitik eingeleitet und den Leitzins angehoben hat, um die Rekordinflation in der Währungsunion einzudämmen.

Im Juli lag die Inflationsrate in Deutschland im Vergleich zum Vorjahresmonat bei 7,5 Prozent. Damit hat sich die Teuerungsrate zum zweiten Mal in Folge leicht abgeschwächt. Der bislang höchste Wert des Jahres war im Mai gemessen worden und belief sich auf 7,9 Prozent. Im Euroraum stieg die Inflationsrate hingegen auf einen neuen Rekordwert und erreichte im Juli 8,9 Prozent.