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Bewegung im Sueskanal: „Ever Given“ freigelegt

Die Woche beginnt mit einer guten Nachricht: Die „Ever Given“ sitzt nicht mehr fest. Der Megafrachter, der seit etwa einer Woche den Sueskanal – eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt – blockiert, konnte freigelegt werden.

Neben schwerem Spezialgerät half dabei wohl auch die Natur: Wegen des Vollmonds fielen die Gezeiten stärker aus, dank der stärkeren Flut gelang es nun, den Koloss freizubekommen. Das rund 400 Meter lange Schiff hatte sich diagonal zwischen beiden Ufern festgefahren und damit jegliche Kanaldurchfahrt behindert.

Gigantischer Rückstau auf beiden Kanalseiten

An normalen Tagen nutzen rund 50 Schiffe den Kanal. Inzwischen stehen fast 400 Schiffe an beiden Enden des Kanals im Stau. Doch bis sie Fahrt aufnehmen können, dürften weitere Tage vergehen und die Warteschlange noch länger werden. Zunächst muss die „Ever Given“ zurück in die Spur gesetzt werden und fahrtüchtig gemacht werden. Der Motor immerhin soll noch funktionieren, es besteht also Hoffnung, dass es der Frachter aus eigener Kraft schafft, von der Stelle zu kommen.

Dass zumindest das Freilegen nun geklappt hat, war Glück im Unglück: Wäre dies nicht gelungen, hätte wohl ein Teil der Fracht von Bord geschafft werden müssen, um das Gewicht der „Ever Given“ zu reduzieren. Ein solches beispielloses Unterfangen hätte einen hohen logistischen Aufwand und viel Zeit erfordert. Zeit, die die globalen Lieferketten nicht haben.

Ausharren oder umkehren?

Etliche Unternehmen sind in ihrer Produktion auf pünktliche Lieferungen angewiesen, auch deutsche Autobauer zeigten sich bereits nervös. Die gestrandeten Containerschiffe, die derzeit noch in den Häfen ausharren, haben unterdessen nur eine Alternative: Sie müssten den afrikanischen Kontinent umschiffen, was einen Umweg von mehreren Tagen und mehreren tausend Seemeilen bedeuten würde.

Einige Frachter haben diese Route bereits eingeschlagen, andere zögerten am Wochenende noch, zogen die Option allerdings ernsthaft in Betracht. Wäre das Freilegen am Montag nicht geglückt, hätte sich wohl bald eine Kolonne auf den Weg rund um Afrika gemacht. Nun aber besteht Hoffnung, dass zumindest in einer Fahrtrichtung der Sueskanal bald wieder befahrbar sein könnte.

Kosten im zweistelligen Milliardenbereich

Experten rechnen mit etwa 6 bis 8 Tagen, bis der Kanal wieder frei ist und sich der Rückstau allmählich löst. Nach Schätzungen des Versicherungskonzerns Allianz kostet jede Woche, die der Sueskanal blockiert ist, etwa 6 bis 10 Milliarden Dollar. Die Gesamtkosten der Havarie dürften damit deutlich im zweistelligen Milliardenbereich landen – und da sind die Kosten für die Bergungsarbeiten sowie mögliche Schadenersatzforderungen festsitzender Schiffsbetreiber noch gar nicht eingerechnet.

Etwa 10 bis 15 Prozent des weltweiten Containerhandels laufen durch den Sueskanal, der durch Ägypten verläuft und den Indischen Ozean mit dem Mittelmeer verbindet. Etliche Handelswaren, die zwischen Asien und Europa hin und her geschickt werden, durchlaufen den Kanal, von Elektronikgeräten über Kleidungsstücke bis hin zu Autos ist praktisch alles dabei.

Wohl keine mehrwöchige Totalblockade

Auf Seiten der Exporteure heißt es daher nun erst einmal aufatmen. Eine mehrwöchige Totalblockade des Sueskanals droht nun voraussichtlich nicht mehr. Diese hätte die weltumspannenden Handels- und Lieferketten in echte Schwierigkeiten gebracht und wohl zu dramatischen Lieferengpässen geführt. Dieses Horrorszenario immerhin scheint vom Tisch.

Doch bis der Verkehr wieder fließt, dauert es noch. Die Kosten steigen – wer auch immer für sie am Ende haftbar gemacht werden wird.

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Über den Autor
Felix-Reinecke
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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