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Berichtsaison gestartet – Experten erwarten viele schlechte Nachrichten

Inhaltsverzeichnis

In den USA ist die Berichtsaison bereits gestartet, unter anderem die Großbanken haben ihre Zahlen kurz vor Ostern präsentiert. In der kommenden Woche werden erneut zahlreiche Unternehmen einen Einblick in ihre Bücher gewähren, darunter Größen wie Google, Apple oder Amazon.

Dax-Berichtsaison startet heute mit SAP

Deutschland startet leicht zeitverzögert, am heutigen Freitag legt mit SAP der erste Dax-Konzern seine Quartalsbilanz vor. Die meisten Unternehmen in Deutschland werden ihr Zahlenwerk für den Zeitraum von Januar bis Ende März voraussichtlich im Mai veröffentlichen. Unter den Autobauern macht Mercedes-Benz den Auftakt am 27. April, die Konkurrenz aus München und Wolfsburg folgt Anfang Mai.

Zum Teil sind erste Eckwerte bereits bekannt, so etwa rückläufige Absatzzahlen deutscher Autohersteller im Auftaktquartal. Vor allem der US-Markt hat demnach gelitten, doch auch insgesamt befindet sich die Branche weiterhin in schwierigem Fahrwasser.

Kein normales Auftaktquartal

Die Risiken und Unsicherheitsfaktoren sind vielfältig, das zurückliegende Auftaktquartal war alles andere als normal. Die Inflationsraten erreichten diesseits wie jenseits des Atlantiks die höchsten Stände seit mehreren Jahrzehnten. In den USA stiegen die Verbraucherpreise um mehr als 8 Prozent, im Euroraum wurde mit 7,5 Prozent im März die höchste Inflationsrate seit Bestehen der Währungsunion gemeldet.

Vor diesem Hintergrund haben US-Notenbanker nun die Reißleine gezogen und sich zur ersten Leitzinsanhebung seit 2018 durchgerungen. Weitere Zinsschritte sollen im Jahresverlauf folgen, das haben die US-Währungshüter bereits angekündigt. Die Europäische Zentralbank hingegen gibt sich trotz lauter werdender Kritik weiterhin zögerlich und stellte zuletzt eine Anhebung des Leitzinses frühestens für das 3. Quartal in Aussicht.

Chipkrise, Lieferkrise, Energiekrise, Inflation

Doch neben der Sorge der Unternehmen und Marktteilnehmer rund um die historische Inflationsdynamik und zunehmende Zinsängste belasten etliche weitere Faktoren das Geschehen (nicht nur) an den Finanzmärkten.

Chipkrise und stockende Lieferketten dämpfen weiterhin die Produktionskapazitäten und Planungssicherheiten der Industriekonzerne. Zudem macht die Inflation auch nicht vor den Rohstoffen Halt, ganz im Gegenteil: Gerade steigende Energiekosten schlagen voll durch und tragen einen erheblichen Anteil bei zu den aktuellen Teuerungsraten, die Endverbraucher wie Unternehmen belasten.

Ukraine-Krieg sorgt für zusätzliche Belastungen

Eine Weitergabe der Preissteigerungen an die Kunden ist aber nur bedingt möglich, zumal deren Kaufkraft sukzessive sinkt, sodass auch die Unternehmen selbst einen Teil der Mehrkosten werden stemmen müssen.

Zu allem Überfluss erfolgte im Auftaktquartal bekanntermaßen der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine. Wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland, zusätzlich belastete Lieferketten und sich verschärfende Rohstoff-, Material- und Komponentenengpässe sind die global spürbaren Auswirkungen des Kriegsgeschehens.

Abschied von Russland – Lockdown in China

Etliche Firmen haben sich praktisch über Nacht von ihrem Russlandgeschäft verabschiedet, zudem stellt man sich zunehmend auf einen russischen Gaslieferstopp – oder ein entsprechendes europäisches Importembargo – ein, der die hiesige Konjunktur abwürgen, die Inflation weiter anheizen und wohl direkt in eine tiefe Rezession führen würde.

Hinzu kommen Effekte der noch immer nicht überwundenen Corona-Pandemie, etwa durch ebenso plötzliche wie großflächige Lockdown-Maßnahmen in China. Gerade erst wurde die Wirtschaftsmetropole Shanghai wochenlang lahmgelegt, mit entsprechenden Konsequenzen für die ohnehin schon angespannten Lieferketten sowie die zahlreichen Produktionsstätten und Niederlassungen internationaler Unternehmen in und um den Standort Shanghai.

Experten erwarten Kürzungen von Jahresprognosen

Angesichts dieser Gemengelage ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Beobachter eine ziemlich durchwachsene Berichtsaison erwarten. Eigentlich war man voller Optimismus in dieses Jahr gestartet, hatte für das Frühjahr ein Ende der Pandemie und anschließend wirtschaftlichen Aufschwung erwartet.

Doch die geopolitische Situation hat sich im Auftaktquartal so grundlegend verschlechtert, dass nunmehr mit Bilanzen gerechnet werden muss, die schlechter ausfallen als zunächst gedacht. Neben dem Rückblick dürfte es aber vor allem auch der Ausblick auf die kommenden Monate sowie das Gesamtjahr sein, der bei Anlegern für Bauchschmerzen sorgen könnte.

Anleger sollten sich auf schlechte Nachrichten einstellen

Denn eine Entspannung der Gesamtlage ist nicht in Sicht, ganz im Gegenteil. Die Probleme dürften die Welt noch lange beschäftigen, auch eine weitere Zuspitzung und Eskalation im weiteren Jahresverlauf ist keineswegs ausgeschlossen.

Insofern sollten sich Anleger darauf einstellen, dass nicht wenige Unternehmen die Vorlage ihrer Quartalszahlen dazu nutzen werden, ihren kurz- und mittelfristigen Ausblick nach unten zu korrigieren und womöglich so manche Gewinn- und Umsatzprognose für das Gesamtjahr zurechtzustutzen.

In den meisten Fällen wird dies wohl nicht am Management liegen.