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Baubranche rechnet mit Auftragseinbrüchen

Inhaltsverzeichnis

Der Ifo-Geschäftsklimaindex für April fällt zwar etwas besser aus als erwartet: Anstelle eines weiteren Rückgangs legte das Barometer in der aktuellen Befragungsrunde überraschend um einen Punkt zu auf 91,8 Zähler. Doch bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass vor allem eine Branche die aktuelle wie die künftige Geschäftslage ausgesprochen pessimistisch einschätzt: Die Rede ist vom Bauhauptgewerbe.

Baubranche blickt pessimistisch in die Zukunft

Der Ausblick dieses Wirtschaftssegments fiel laut Ifo-Institut so pessimistisch aus wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Tatsächlich droht die Gemengelage an den Weltmärkten, den Immobilienboom in Deutschland abzuwürgen – oder ihm zumindest einen spürbaren Dämpfer zu versetzen.

Zwar wird weiterhin allerorten über fehlenden Wohnraum geklagt: Die Zunahme an Single-Haushalten stellt vor allem Großstädte seit Jahren vor Herausforderungen. Doch auch Familien tun sich immer schwerer damit, eine erschwingliche Wohnung zur Miete zu finden – vom Erwerb eines Eigenheims können die meisten nur noch träumen angesichts der Preisentwicklung der vergangenen Jahre.

Würgt die Zinswende den Immobilienboom ab?

Weil die Zinsen im vergangenen Jahrzehnt auf einem historischen Tiefststand verharrten, waren Baukredite besonders leicht zu finanzieren, während andere Anlageformen wie Sparguthaben oder Anleihen kaum noch Rendite abgeworfen haben. Diese Dynamik könnte sich laut Experten jedoch bald umkehren.

Wegen der seit Monaten anhaltenden hohen Inflation sind die Notenbanken inzwischen gezwungen, an der Zinsschraube zu drehen. Die US-Währungshüter der Federal Reserve haben einen ersten Zinsschritt bereits vollzogen und weitere für das laufende Jahr in Aussicht gestellt. Auch die Europäische Zentralbank denkt inzwischen laut über Zinsanhebungen nach, allerdings wohl erst im zweiten Halbjahr.

Trendwende bis 2024?

Bei steigenden Zinsen wiederum werden Anleihen und andere Investments im Vergleich zu Immobilien wieder attraktiver. Vor allem institutionelle Bauherren, die Wohnbauprojekte in erster Linie als Gelddruckmaschine betrachten, könnten sich dann wieder zunehmend anderen Bereichen zuwenden und dem Immobilienmarkt den Rücken kehren.

Experten rechnen damit, dass in den kommenden zwei Jahren eine Trendwende an Deutschlands Immobilienmarkt einsetzen könnte. Für Privatpersonen wird der Neubau immer weniger erschwinglich, auch die steigenden Mieten kann sich kaum noch jemand leisten, gerade angesichts der hohen generellen Inflation. Dementsprechend gehen Beobachter von einer nachlassenden Nachfrage am Wohnungsmarkt aus, was eine Preiskorrektur einleiten könnte.

Baubranche beklagt Materialengpässe, Lieferausfälle und steigende Kosten

Die Baubranche rechnet unterdessen damit, dass viele mögliche Bauherren ihre Bauvorhaben nicht oder nicht vollständig umsetzen, weil schlichtweg die Kosten für Personal und Material zunehmend unkalkulierbar werden. Holz und Stahl beispielsweise werden an den Weltmärkten immer teurer, sind zugleich aber auch von Lieferschwierigkeiten betroffen, sodass auch Zeitpläne immer weniger eingehalten werden können.

Aktuell aber boomt der Bau noch, wie unter anderem die Preisentwicklung bei Dachziegeln belegt: Diese verteuerten sich gegenüber 2021 um mehr als ein Drittel, wie der Branchenverband bekanntgab. Grund sind neben Materialmangel auch die gestiegenen Energiekosten, da die Produktion von Tondachziegeln hohe Temperaturen und somit viel Energie erfordert.

Perspektivisch aber rechnet die Baubranche mit einem schwierigen Geschäftsumfeld. 40 Prozent der Unternehmen erwarten für das laufende Jahr rückläufige Umsätze. Erschwerend wirkt sich dabei aus, dass Baufirmen und Bauherren normalerweise vor Projektbeginn Festpreise vereinbaren. Bei einem so rasanten Preisanstieg wie in den vergangenen Monaten zahlen die Baufirmen dann mitunter drauf und rutschen in die roten Zahlen, sodass viele zurzeit gar keine neuen Bauprojekte mehr planen.

Ukraine-Krieg und China-Lockdowns belasten Lieferketten besonders stark

Öffentlich geförderte soziale Wohnbauprojekte werden ebenfalls massenhaft verschoben oder vorerst auf Eis gelegt angesichts der steigenden Kosten und drohenden Materialausfälle. Zwar werden laufende Projekte in der Regel noch fertiggestellt, aufgrund der langfristigen Vorausplanung dürften Baufirmen im laufenden sowie auch im kommenden Jahr noch gut zu tun haben. Doch spätestens ab 2024 rechnen etliche Branchenvertreter mit einem abrupten Einbruch.

Belastend wirken sich dabei zurzeit vor allem zwei Faktoren aus: der Krieg in der Ukraine und die strikten Corona-Lockdowns in China. Beides belastet die globalen Lieferketten, verschärft die Materialengpässe und lässt die Preise weiter in die Höhe schnellen. Eine Entspannung der Lage ist bis auf Weiteres nicht in Sicht.