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Im Osten geht die Sonne auf – im Westen ging sie unter

Im Osten geht die Sonne auf, im Süden nimmt sie ihren Mittagslauf, im Westen wird sie untergehen, im Norden ist sie nie zu sehen.

Dieser Spruch ist aktuell nicht nur für den Tagesablauf korrekt, sondern kann sinnbildlich auch ausgezeichnet für das Weltgeschehen verwendet werden.

Im Osten – genauer gesagt im „Reich der Mitte“ – starten heute die Olympischen Spiele.

Die Welt schaut nach China, wenn Sportler aus der ganzen Welt ihre Fahnen in das Stadion von Peking tragen. Ein erhebender Moment, der trotz der politischen Zwiespältigkeit, welche das Austrägerland rund um den Globus hervorruft, für den Anfang einer großen Sache steht.

Chinas großer Tag steht bevor

Doch Chinas großer Olympia-Tag soll laut eines Berichts der Frankfurter Allgemeine Zeitung auch privat ein großer Tag werden. Als die Pekinger Stadtverwaltung die Anmeldelisten für eine Eheschließung am 8.8.2008 eröffneten, soll es nämlich einen wahren Ansturm auf die Standesämter gegeben haben.

Einige Paare standen schon nachts an, um den begehrten Hochzeitstermin zu erhalten. Allein rund 16.400 Paare aus Peking planen für heute ihre Eheschließung. Und das alles parallel zu der Eröffnung der Olympischen Spiele.

Doch nicht der olympische Glanz allein lockt die Paare ins Standesamt. Der 8.8.2008 ist für China ein magisches Datum. Dreimal die 8, das ist ein Datum, das viele Chinesen nutzen wollen, so die F.A.Z. Die 8 sei eine Glückszahl im chinesischen Kulturkreis. Für persönliche Festtage und Großereignisse suchen viele Chinesen deshalb gern ein Datum mit einer 8 aus.

Auch die kommunistische Stadtverwaltung hatte mit großer Wahrscheinlichkeit die Aussicht auf Reichtum im Sinn, als sie die Eröffnung der Spiele auf den 8.8.2008 um 20.08 Uhr legte. Soviel Glück und Olymp für einen einzigen Tag. Im Osten geht heute also wahrlich die Sonne auf.

Neue Sorgen im Westen

Und im Westen ist sie gestern fühlbar untergegangen. Neue Sorgen über den Ölpreis und die jüngsten US-Wirtschaftsdaten lösten an der Wall Street nach nur zwei starken Handelstagen einen Kursturz aus: Der Dow-Jones-Index verlor fast 2 Prozent. Grund für die erneute Schwäche: Ein Miesmacher-Cocktail aus negativen Konjunkturdaten und schwachen Unternehmenszahlen verdarb den Anlegern die Kauflaune.

Auf dem Markt lasteten vor allem die unerwartet schwachen Geschäftszahlen des Versicherers AIG und des Einzelhändlers Wal-Mart sowie steigende Arbeitslosenzahlen. Hinzu kamen erneute Zweifel an der Robustheit der amerikanischen Wirtschaft und Sorgen vor weiteren Belastungen durch die Kreditkrise. Zudem stieg der Ölpreis.

AIG musste den dritten Quartalsverlust in Folge hinnehmen. Diesmal waren es netto 5,36 Mrd. Dollar, was den zweithöchsten Fehlbetrag in der 89-jährigen Geschichte des weltgrößten Versicherers bedeutete. AIG führte die Entwicklung vor allem auf Abschreibungen im Zuge der Hypothekenkrise zurück.

Es schwächelten aber auch die allgemeinen Versicherungs-Sparten. AIG-Aktien erlebten ihren schwächsten Tag seit mehr als zwei Jahrzehnten und schlossen um mehr als 18 Prozent niedriger bei 23,84 US-Dollar. Der Dow-Jones-Index fiel nach vorläufigen Berechnungen auf 11.431,43.

Doch wie es mit der Sonne so ist – wenn sie auch mal untergeht, so geht sie doch tags darauf wieder auf. Es ist also auch für die US-Börse noch nicht aller Tage Abend. Und für unsere Sportler in China soll die Sonne ruhig mal so richtig scheinen und das Gold glänzen lassen.

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