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Die Vor- und Nachteile von China-Investments

Ach, endlich wieder schöne Tage. Obama wird unser Geld von den Banken zurückholen. Jeffrey Sachs erzählt Haiti, wie man die Wirtschaft wieder in Gang bringen kann (mit dem Geld anderer Leute) und Thomas Friedman gibt Anlageratschläge.

Das sollte lustig werden. Wir sitzen alle im gleichen Bus…und der wird von Blinden, Tauben und sehr Dummen gefahren. Ach, ich wollte sagen, von Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit, von Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit und von Menschen mit mentalen Defiziten.

Friedman steckt, wie wir alle wissen, voller Ratschlägen zu fast jedem Thema. Er berät die Finanzminister, wie sie ihre Wirtschaft aufpeppen können. Er berät die Araber, wie man die religiösen Einrichtungen auf den neusten Stand bringt. Und er berät ganze Länder, wie man die Zukunft verbessern kann, ehe sie passiert.

Und jetzt berät er Mr. James Chanos, einen bekannten Baisse-Spekulanten, wie er Geld verdienen kann:

Chinas Märkte sind vermutlich voll von Blasen, die reif sind, für Baisse-Spekulanten und wenn Mr. Chanos eine Möglichkeit finden kann, damit Geld zu machen, dann stehe Gott ihm bei. Aber nachdem ich in der vergangenen Woche Hongkong und Taiwan besucht habe, und mit vielen Menschen gesprochen habe, die ihr eigenes Geld in China investieren, möchte ich ihm zwei warnende Ratschläge geben:“

Zuerst, so sagt er, „setze man niemals in einem Land auf Baisse, das Rücklagen im Wert von zwei Billionen Dollar in ausländischen Devisen hat.“

Woher kommt die Weisheit des Investierens?

Normalerweise entwickelt sich die Weisheit des Investierens über Generationen durch Versuch und Irrtum. Die Menschen sehen sich an, was funktioniert und was nicht funktioniert und sie reichen diese Weisheit in der Form vorsichtiger Regeln weiter. Aber wie viele Male haben Anleger schon in einem Land auf Baisse gesetzt, dass zwei Billionen Dollar in ausländischen Devisen hatte? Wo kommt diese Weisheit her? Nicht aus der Erfahrung. Und ich habe auch noch von keiner Theorie gelesen, die zu diesem Schluss kommen würde. Und damit ist Friedmans erster Ratschlag keinen Deut besser oder schlechter als jeder andere Ratschlag, den er im Laufe der Jahre gegeben hat.

Und hier ist der zweite Ratschlag, der mir Muskelkrämpfe gibt:

Zum anderen ist es leicht, sich China heute anzusehen und die gewaltigen Wirtschaftprobleme zu erkennen, und all das, was dort noch nicht richtig läuft. Da sind z.B. die geringen Zinssätze, die leichten Kredite, die unterbewertete Währung und das heiße Geld, das aus dem Ausland hereinfließt. All das hat zu dem geführt, was die chinesische Regierung am Sonntag als exzessiv steigende Hauspreise“ in den großen Städten bezeichnete. Die chinesische Zentralbank hat angefangen, die Zinssätze anzuheben und den Anteil der Depots zu vergrößern, den die Banken als Reserven beiseitelegen müssen – um die Inflation abzuwenden und etwas Luft aus den Investitionsblasen zu nehmen.“

Und das ist der Grund, warum ich immer noch zögere, China auszuverkaufen, nicht weil ich denken würde, es gäbe dort keine Probleme, oder Blasen oder Korruption, sondern weil ich denke, dass das Land all diese Probleme in höchstem Maße hat – und dass einige auf dem Weg auch in die Luft gehen werden (wobei die Umweltverschmutzung am gefährlichsten ist). Aber es gibt dort auch eine politische Klasse, die sich darauf konzentriert, die wahren Probleme in die Hand zu nehmen, genauso wie einen ganzen Berg von Ersparnissen, mit denen sie das tun können (anders als wir Amerikaner.)“

Verstehen Sie das? Es ist, als wollte er sagen… China hat doch all diese Probleme… oder? Und natürlich sind diese Probleme wegen oder mit Hilfe der Duldung durch die Regierung entstanden. Aber sie wird diese Probleme jetzt lösen… oder nicht? Denn die politische Klasse Chinas konzentriert sich nun darauf.

Ich kann diesen Satz kaum Tippen. Mein Zwerchfell zieht sich in derartigen Krämpfen des begeisterten Zynismus zusammen. Meine Finger zittern… mein Gehirn verweigert sich.

Ja, liebe Leser, Chinas politische Klasse – Kommunisten, wie Sie sich sicher erinnern – werden die Probleme einer dynamischen Marktwirtschaft lösen, die auf dem Weg in den Untergang ist.

Das ultimative Signal zu verkaufen

Damit wäre die Sache für mich geklärt. Ich habe Freunde auf beiden Seiten bei diesem Spiel. Jim Rogers setzt in China auf Hausse. Andere setzen auf Baisse. Aber Mr. Friedman hat mir gerade das ultimative Verkaufs-Signal gegeben. Jeder kluge Anleger auf diesem Planeten – alle beide oder drei – sollte jetzt in China auf Baisse setzen. Wenn Friedman auf Hausse setzt, muss man einfach. Zur Hölle, selbst die Engel würden die chinesischen Aktien verkaufen, und die Götter selbst müssen schon bei ihren Brokern angerufen haben.

Friedman setzt in China auf Hausse. Aber wo setzt er auf Baisse?

Ich würde eher gegen den Euro wetten“, sagt er.

Nun, da haben wir’s. Ein Kaufsignal für den Euro.

Niemand hat den Euro je besonders gemocht. Die üblichen Anleger setzen gegen den Euro. Die amerikanische Regierung steht hinter dem Dollar“, schreibt Friedman. Aber wer steht hinter dem Euro? Niemand.“

Viel gründlicher wollen die meisten Anleger über dieses Thema nicht nachdenken. Wenn niemand hinter dem Euro steht, dann muss der Euro eine schwache Währung sein. Wenn er schwach ist, dann muss er im Vergleich zu irgendetwas schwach sein. Im Vergleich zum Dollar zum Beispiel.

Hier auf diesen Seite gehe ich davon aus, dass die üblichen Anleger sich irren. Was Friedman anbelangt, ist er über jeden Zweifel erhaben. Fehler passieren nur Menschen, die ausreichend lange nachdenken, um die falsche Wahl zu treffen. Friedmans Gedanken sind nicht so profund. Er irrt sich eher wie ein Eichhörnchen oder ein Esel, nicht aufgrund von Gedanken, sondern aufgrund von Instinkt. Er liegt, mit anderen Worten, nicht zufällig falsch, sondern weil er so entwickelt wurde. Er ist dafür gemacht.

Friedmans Überlegungen sind nicht anfällig für Fehler. Sie sind grundlegend mangelhaft, wie ein Küchenabfluss, der falschrum angeschlossen wurde. Wenn man das kalte Wasser aufdreht, dann kommen die Blasen aus dem Abfluss hoch. Und wenn man das heiße Wasser aufdreht, ertönt Musik von Frank Sinatra.

Wie sonst könnte ein des Laufens und Sprechens fähiges menschliches Wesen derartig sinnlose und dumme Dinge glauben? Nicht gegen China wetten, weil die politische Klasse sich auf die Probleme des Landes konzentriert? Ach Moment… meine Bauchmuskeln schmerzen zu sehr… Wirtschaftliche Probleme, Krisen und Zusammenbrüche können von Politikern verursacht werden, es gibt kein einziges Beispiel in der Geschichte, bei dem sie diese Probleme geheilt haben. (Die einzige Ausnahme ist, dass sie aufgehört haben, Schaden zu verursachen… vorübergehend, wie ein Boxer, der den Gegner aufstehen lässt, ehe er ihn wieder verdrischt.)

Und das bringt mich zurück zum Euro. Die kontinentale Währung wird aus den falschen Gründen verachtet. Es liegt daran, dass keine andere Nation wirklich in der Lage ist, den Euro zu verdreschen. Alle anderen Papierwährungen weltweit werden von Menschen kontrolliert, die beabsichtigen, sie zu schwächen… oder zu zerstören. Der Euro ist aus dem Ring… er wird von… nun, von niemandem im Besonderen kontrolliert. Er wird von einer Gruppe von Ländern verwaltet, die sich nicht einigen können, wie sie den Euro ruinieren wollen. Der Euro profitiert von der Eurosklerose. Die Iren und die Griechen wollen eine schwächere Währung. Die Deutschen wollen die Währung weiterhin stark halten. Die Franzosen können sich nicht entscheiden, was sie wollen. Aber niemand wird hinzueilen, um den Euro zu töten.

Abgesehen davon ist Friedman dagegen… also bin ich dafür.

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Über den Autor Bill Bonner

Im Jahr 1978 gründete Bill Bonner das Unternehmen, welches heute als Agora Inc. bekannt ist.

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Alte Kommentare
  • Peter schrieb am 28.01.2010, 09:51 Uhr

    super geschrieben, habe eine unterhaltsame 1/2 Stunde genossen.

  • Ralf Medrow schrieb am 28.01.2010, 10:30 Uhr

    Trotz aller Probleme der Euro-zone ist Ihre überraschende Sichtweise verblüffend schlüssig, sozusagen eine Offenbarung.

  • Tom Unger schrieb am 28.01.2010, 12:28 Uhr

    Ich bin nun als gelernter Banker und selbst. Finanzberater seit nunmehr über 19 Jahren in meinem Job tätig und glaube eher dem gesunden Menschenverstand als den Politikern oder " unserem schlauen Mister Friedmann" . Was ich glaube ist, daß solche Leute wie Sie, Herr Bonner, es ziemlich genau treffen. Leider sind wir in der Unterzahl aber ich weiß, daß wir uns im Wassermannzeitalter befinden und die Welle der ANTI-Dummköpfe von Tag zu Tag steigt. Deshalb empfinde ich Ihre beiträge, da diese nicht auf plumper und profaner Polemik beruhen, sondern durchdacht und schlüssig mit einem angenhemen Spritzer Nonchalance versehen sind. Und das ist gut so !!! Liebe Grüße. Tom Unger