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Brexit-Folgen: Luft für Johnson wird dünner

Inhaltsverzeichnis

Chaostage in Großbritannien: Der Gegenwind für Premier Boris Johnson wird immer stärker nach den Medienberichten über eine Weihnachtsfeier in Downing Street im vergangenen Jahr, bei der zahlreiche Regierungsbeamte ausgelassen feierten, während die Bevölkerung unter der Pandemie und immensen Infektionsraten ächzte – und ohne die damals im Land allgemein gültigen Corona-Schutzmaßnahmen zu beachten.

Zusammenhalt bröckelt – auch in den eigenen Reihen

Selbst in den eigenen Reihen stehen die Parteifreunde nicht mehr geschlossen hinter Johnson, dabei hatte der Premier im Kampf um den Brexit-Vertrag seinerzeit zahlreiche abtrünnige Abgeordnete geschasst und die konservativen Tories auf seine Linie eingeschworen.

Nun aber bröckelt der Zusammenhalt, und das nicht nur wegen der umstrittenen Weihnachtsparty, die viele Bürgerinnen und Bürger als blanke Verhöhnung betrachten. Auch die Pandemiepolitik des Premierministers, der im Herbst 2020 selbst an Covid-19 erkrankt war und einige Tage intensivmedizinisch behandelt werden musste, sorgt immer wieder für Kritik. So zelebrierte Großbritannien erst vor wenigen Monaten einen „Freedom Day“, an dem alle Maßnahmen aufgehoben wurden – nur um nun wieder zurückzurudern und stärkere Einschränkungen umzusetzen.

Brexit kann nicht halten, was versprochen war

Hinzu kommt der Brexit, der bislang wenig von dem halten konnte, was Johnson und andere EU-Gegner einst versprochen hatten. Man sei nicht mehr an die strengen Vorgaben der Staatengemeinschaft gebunden und könne daher viel bessere, eigenständige Handelsabkommen abschließen – so lautete eine der Kernbotschaften, die neben britischem Nationalstolz auch eine gehörige Portion Wirtschaftsprotektionismus propagierte.

Inzwischen aber zeigt sich, dass die Welt keineswegs darauf gewartet hat, mit dem kleinen Königreich große Verträge abzuschließen. Weil die Wirtschaftskraft Großbritanniens allein im Vergleich zum europäischen Binnenmarkt kaum Gewicht hat, ist es im Gegenteil sogar schwerer geworden, die gewünschten Konditionen in die Abkommen hineinzuverhandeln.

Handelsabkommen mit Australien unterzeichnet – Washington lässt sich Zeit

Immerhin: Mit Australien haben die Briten nun ein Handelsabkommen unterzeichnet. Das galt angesichts der gemeinsamen Vergangenheit jedoch als relativ einfaches Unterfangen, immerhin war Australien einst als Strafkolonie Bestandteil des weltumspannenden britischen Empires. Von solchem Weltmachtstatus wie vor gut 100 Jahren ist man heute aber weit entfernt. Das zeigt sich nicht zuletzt auch darin, dass beispielsweise Washington bislang keine Anstalten macht, ein Handelsabkommen mit Großbritannien aktiv voranzutreiben – obwohl London stets seine „Special Relationship“ zu den USA betont hat.

Das Abkommen mit Australien, das nur einen winzigen Bruchteil des britischen Außenhandelsvolumens abdeckt, stößt auf der Insel zudem durchaus auf Kritik: So hätten die Australier umfassenden Zugang zur britischen Landwirtschaft, während umgekehrt billige Fleischimporte die heimischen Höfe bedrohen könnten. Das wird auch mit Blick auf laufende Verhandlungen mit anderen Außenhandelspartnern kritisch bewertet – denn wenn Australien weitreichende Zugeständnisse erringen konnte, dürften andere Staaten bei künftigen Abkommen mit Großbritannien ähnliche Ambitionen hegen.

Derzeit verhandelt die Regierung in London unter anderem mit Indien sowie mehreren arabischen Golfstaaten über Handelsabkommen.