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Nullzinspolitik – Bafin warnt vor den Folgen

Die Nullzinspolitik der Euro-Notenbank mit Sitz in Frankfurt am Main erregt nach wie vor die Gemüter. Massive Profiteure sind und bleiben ja die überschuldeten Staaten der Euro-Zone.  Hier sei nur angemerkt, dass nicht zuletzt auch der deutsche Staat extrem von der Draghi-Politik profitiert.

Im Jahr 2000 musste der Bund für seinen Schuldenberg noch knapp 40 Milliarden Euro für den Zinsdienst bereitstellen. Im vergangenen Jahr 2015 waren es nicht einmal mehr 22 Milliarden Euro.

Und hier sei nur am Rande erwähnt, dass der Bund 2015 mehr als 500 Milliarden Euro mehr Schulden hatte als im Jahr 2000.

Sparer leiden

Langsam aber sicher dringt durch, dass es nicht nur „Gewinner“ dieser Entwicklung gibt. Jüngst war es ja die DZ Bank, die den „Schaden“ für die deutschen Sparer bekannt gab. Als Folge der Niedrigzinspolitik der EZB sei ein gewaltiger Einbruch der Zinseinkünfte privater Haushalte zu beklagen, so die Banker.

Im Vergleich zu einem „Normalzinsniveau“ summieren sich die Einkommenseinbußen in den letzten sechs Jahren auf über 260 Milliarden Euro. Und im Jahr 2016 kommen weitere Einbussen von 82 Milliarden auf die Sparer zu. Alternativlos eben.

Finanzbranche leidet

Unter diesen Bedingungen leiden aber nicht nur die Sparer. Mittlerweile muss die gesamte Finanzbranche kämpfen. Ironie der Geschichte, selbst die staatliche Bafin, die sog. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, warnt vor den Folgen. Bei der jüngst stattgefundenen Jahrespressekonferenz wurde dies dem interessierten Publikum auch klar deutlich gemacht.

Also, der Bafin zufolge bereite das aktuelle Zinsumfel nicht mehr nur den klassischen Betroffenen wie den Lebensversicherern und Bausparkassen Probleme, so der Behördenchef Hufeld. Es mache sich in den Bilanzen der gesamten Bankenbranche bemerkbar.

Institute, deren Geschäftsmodell vor allem auf Zinserträgen und Fristentransformation basiere, täten sich immer schwerer damit, auf lange Sicht auskömmliche Erträge zu erwirtschaften. Man müsse sich Hufeld zufolge möglicherweise irgendwann folgende Frage stellen:

„Wie muss ein Geschäftsmodell beschaffen sein in einer Welt, in der der klassische Zinsertrag vielleicht nur noch eine untergeordnete Rolle spielt?“

Pensionskassen unter Druck

Aber nicht nur die Banken sind der Bafin zufolge unter Druck. Herr Grund, Exekutivdirektor der Versicherungsaufsicht, bekräftigte, dass das Niedrigzinsniveau die Lebensversicherer belaste.

Dass sie sich verstärkt auf riskante Vermögenswerte stürzten, um ihre Garantiezusagen erfüllen zu können, könne die Bafin derzeit aber noch nicht feststellen.

Noch mehr als die Lebensversicherer würden allerdings die Pensionskassen unter dem niedrigen Zinsniveau leiden. Einzelne könnten bald möglicherweise nicht mehr aus eigener Kraft ihre Leistungen in voller Höhe erbringen. Wörtlich sagte Herr Grund:

„Mit ihnen besprechen wir aktuell, wie es weitergehen kann.“

Die Pensionsberechtigten stünden aber nicht ohne Schutzmechanismen da. Diese würden möglicherweise bald einem Praxistest unterzogen.

Oh oh oh – das hört sich nicht wirklich gut an. Gut möglich, dass der Staat zur Rettung der Pensionskassen wird eingreifen müssen.

Selbstverständlich alternativlos…

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