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Norwegen – Wirtschaftlicher Vorreiter

Norwegen wird dem deutschen Otto Normalverbraucher wohl am ehesten als attraktives Reiseziel bekannt sein. Mit seiner prächtigen Natur – da denke man nur an das Nordkap und den Geirangerfjord – lockt das Land im hohen Norden jährlich Millionen von Touristen an. Darunter übrigens am meisten uns Deutsche. Dementsprechend hat der Tourismus in Norwegen mit etwa 110.000 Beschäftigten einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert.

Schaut man noch etwas genauer hin, entdeckt man ein Land, das aufgrund diverser Ressourcen im letzten Vierteljahrhundert eine ausgesprochen positive wirtschaftliche Entwicklung gemacht hat und seiner Bevölkerung wohlverdient den zweithöchsten Lebensstandard der Welt gleich hinter Island ermöglicht.

Norwegen – Land des Öls

Den größten Wirtschaftszweig stellt in Norwegen die Ölindustrie dar. Nachdem in den 1970er Jahren die reichen Öl- und Gasreserven erschlossen wurden, ging eine rasche Entwicklung zum weltgrößten Exporteur von Öl und Gas vonstatten. Dass 2014 die Ölpreise sanken, hat der starken Wirtschaft kaum einen Abbruch getan. Mit einem Anteil von etwa 60% am jährlichen Gesamtexportvolumen und der Regelmäßigkeit der Einnahmen, kann der Staat im Grunde genommen als schuldenfrei angesehen werden.

Einzig die Tatsache, dass das Ölfördervolumen bereits 2001 seinen Höhepunkt erreicht hat und seither stetig in kleinen Schritten abnimmt, erfordert gewissenhafte Planung für die Zukunft. Der hohe Lebensstandard der Norweger bei einem der höchsten Pro-Kopf-Einkommen soll erhalten bleiben. Aus diesem Grund wurde bereits 1996 der Statens pensjonsfond ins Leben gerufen, ein staatlich geführter Ölfonds, in dem die Erträge aus dem Erdöl- und Gashandel angelegt werden.

Mitte September belief sich der Fonds auf einen Wert von etwa 780 Mrd. €, bis 2020 wird ein Wert von ca. 929 Mrd. € erwartet. Auf diese Weise sichert sich Norwegen ab für die Zeit nach der Erdöl- und Gasförderung.

Reich an Ressourcen

Nachdem die Wasserkraft in Norwegen schon Grundlage der Industrialisierung war, ist sie bis heute einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes. Beinahe der gesamte Bedarf an Elektrizität wird durch heimische Wasserkraftwerke gedeckt, was sich wiederum in niedrigen Preisen für die Bevölkerung niederschlägt. Im Rahmen der Energiewende haben Pumpspeicherkraftwerde zunehmend an Wichtigkeit gewonnen und Norwegen bemüht sich seit einiger Zeit darum, in den Stromaustausch mit anderen Ländern zu investieren.

So wurde zum Beispiel 2015 von National Grid und Statnett ein Seekabel zwischen Norwegen und England vereinbart und im gleichen Jahr ein Auftrag zum Bau des Kabels NordLink vergeben, das dazu dienen soll, den Stromaustausch zwischen Norwegen und Deutschland zu ermöglichen.

Auch für die Nutzung von Windkraft sind die Begebenheiten in Norwegen optimal. Obwohl Einschränkungen durch den Umweltschutz und ein paar andere Schwierigkeiten wie fehlende Netzkapazitäten dem Ausbau der Branche mitunter im Weg stehen, wurde Anfang letzten Jahres dem Bau des wohl größten Onshore Windparks in Europa grünes Licht gegeben, sodass die Produktion, die in Norwegen 2014 bei etwa 2,3 TWh lag, bis 2020 auf 6-8 TWh ansteigen soll.

Auf landwirtschaftlicher Ebene ist der Staat darum bemüht, den Sektor vor internationaler Konkurrenz zu schützen. Weltweit ist der Anteil an Zuschüssen und Subventionen nirgendwo so hoch wie hier. Außerdem gehört Norwegen zu den größten Fischerei-Nationen. Das Fangen von z.B. Dorsch, Hering und Schellfisch sowie die Fischzucht von Lachs und Kabeljau in Aquakulturen trägt ihren Teil zur starken Wirtschaftslage bei.

Starke Wirtschaft – starke Unternehmen

Neben Erdöl, Erdgas, Wasser- und Windkraft, Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus gibt es noch einige weitere prägende Branchen. So macht etwa die Holzindustrie 5,5% des gesamten Umsatzes der Industrie aus. Ebenso ist die Schifffahrt mit ihrer jahrhundertelangen Tradition von Bedeutung. Heutzutage verfügt Norwegen über die viertgrößte Handelsflotte der Welt.

Einige Unternehmen darf man besonders im Hinterkopf haben, wenn es um die hervorragende Funktionalität der Wirtschaft geht. Laut Auswärtigem Amt gehören Statoil in Stavanger und der Energieerzeuger Statkraft zu den bedeutendsten Unternehmen im Land, direkt neben Statnett, Telenor und der Düngemittelfirma Yara – im Übrigen alle überwiegend in staatlicher Hand. Statoil beispielsweise, Norwegens größtes Unternehmen, wird mit einer börslichen Mehrheit von 67% vom Staat gehalten, wie auch das große Finanzdienstleistungsunternehmen DNB ASA. Auch die Firma Opera Software, die den bekannten Internetbrowser Opera entwickelt hat, ist übrigens ein norwegisches Unternehmen mit Hauptsitz in Oslo.

Statoil, Lachs und Nordkap

Norwegen ist ein auf sämtlichen Ebenen vielfältiges Land. Es empfiehlt sich sehr, das Land nicht nur als Reiselustiger, sondern vor allem als Wirtschaftsinteressent immer im Blick zu behalten. Die starke Wirtschaft und das verantwortungsbewusste Vorausplanen der Zuständigen haben Vorbildcharakter und nichts deutet darauf hin, dass sich an der ökonomischen Situation in der nahen Zukunft etwas ändern wird.

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