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20 Jahre Riesterrente – kann das jetzt weg?

20 Jahre Riesterrente – doch so richtig freuen wollte sich in dieser Woche kaum jemand über dieses Jubiläum.

Gesetzliche Rente reicht nicht aus

Auf den Weg gebracht wurde das staatlich geförderte Programm im Jahr 2001 von der ersten rot-grünen Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder als Element zur Stärkung der privaten Altersvorsorge. Da das Risiko der Altersarmut stetig wächst und insbesondere Frauen, die häufig über längere Zeiträume gar nicht oder nicht in Vollzeit beruflich tätig waren, von der gesetzlichen Rente kaum leben können, sollte das „Riestern“ einen Anreiz schaffen, selbst Geld für eine Zusatzrente anzusparen.

Über einen langfristigen Riestervertrag mit monatlichen Zahlungseingängen sollte Kapital angespart und verzinst sowie um staatliche Fördergelder ergänzt werden. Doch was in der Theorie gut klingen mag, hat sich in der Praxis als teurer Flop herausgestellt.

Geld versickert bei Versicherern

Ein erheblicher Teil des Geldes versickert bei den Versicherungen, die Gebühren und Verwaltungskosten abziehen. Die seit mittlerweile gut zehn Jahren anhaltende Niedrigzinsphase erschwert es den Konzernen, zugleich möglichst risikoarm und dennoch ertragreich anzulegen. Neue Riestersparverträge werfen kaum noch Zinsen ab, das reicht unterm Strich nicht mal für einen Inflationsausgleich.

Wer sich außerdem die Riesterrente als monatliche Rentenzahlung auszahlen lassen will, muss ein ziemlich hohes Lebensalter erreichen, damit sich das Modell tatsächlich finanziell rentiert – denn die Versicherer kalkulieren stets mit biblischem Alter, das viele Menschen jedoch gar nicht erst erreichen. Jeder Fünfte wird nicht einmal 70 Jahre alt, auch der 80. Geburtstag ist längst nicht jedem Riestersparer vergönnt.

Verbraucherschützer fordern Ende der Riesterrente

Rund 16 Millionen Riestersparverträge laufen zurzeit noch. Gleich mehrere Verbraucherschutzverbände haben in dieser Woche an die Politik appelliert, das Konzept einzustampfen und ein neues System für die private Altersvorsorge zu entwickeln. Ihre Argumentation: Nach 20 Jahren Erfahrung und Reformierung habe sich die Riesterrente als nicht reformierbar erwiesen, es brauche daher einen kompletten Neustart.

Auch etliche Versicherer wollen sich ab dem kommenden Jahr aus dem Geschäft mit den Riesterverträgen zurückziehen. Aus ihrer Sicht ist es zu komplex und den erforderlichen Aufwand kaum wert.

Wichtig ist aus Sicht der Verbraucherschützer vor allem, dass die bereits abgeschlossenen Verträge weiterlaufen und Sparer nicht auf der Strecke bleiben. Für die Zukunft brauche es aber ein neues Rentenkonzept.

Bleibt neben Pandemie und Klimaschutz noch Zeit für die Rente?

Tatsächlich könnte ab der Bundestagswahl im Herbst in Berlin ein frischer Wind wehen: Die Chancen auf eine grüne Regierungsbeteiligung stehen nach derzeitigen Umfragen nicht schlecht, die Kombination möglicher Koalitionspartner ist jedoch kaum absehbar.

Doch unabhängig davon, wer am Ende ins Kanzleramt einziehen und wer die Ministerien übernehmen wird: Ob sich die nächste Bundesregierung tatsächlich mit einer umfassenden Rentenreform beschäftigen wird, während in dieser Dekade die Bewältigung der Pandemiefolgen und die Rettung des Klimas ganz weit oben auf der politischen Agenda stehen, ist zumindest fraglich.

Stärkung von Börsengeschäften?

Der Reformbedarf ist auch jenseits der privaten Altersvorsorge immens. Die mangelnde digitale Ausstattung von Schulen und Haushalten ist in der Pandemie ebenso deutlich geworden wie Versorgungslücken im Gesundheitssystem. Der Kampf gegen den Klimawandel erfordert vermehrte Anstrengungen in Sachen alternative Energiequellen und Personenverkehr.

Eine Rentenreform erscheint neben diesen Mammutaufgaben zurzeit eher zweitrangig. Dennoch sollte das Thema nicht verschlafen werden. Alternative Konzepte liegen seit Langem in der Schublade – und angesichts des neuen Aktienhypes, der auch immer mehr Deutsche erstmals an die Börsen lockt, könnten sich auch hier neue Chancen ergeben.

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Über den Autor
Felix-Reinecke
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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