MenüMenü

Warum Naturkatastrophen nicht gut fürs BIP sind

Ich verneige mich heute einmal respektvoll vor den neuen kommerziellen Technologien. Selbst als es in den USA Stromausfälle gab, da funktionierten die Funktürme für den Mobilfunk weiterhin. 3G Verbindungen funktionierten einwandfrei. YouTubes „live streaming“-Technologie ermöglichte es, live Berichte über den Stromausfall auf dem Smartphone anzuschauen, während man im Dunkeln saß. Instagram lieferte eine live Dokumentation eines Sturms, mit 10 Bilder je Sekunde, welche eingestellt wurden. Reporter konnten auf ihre iPads zurückgreifen, selbst beim Stromausfall. Dank der Marktwirtschaft wurde so auch ein Stromausfall zum bestdokumentierten Stromausfall der Weltgeschichte.

Geld kommt bei Bürgern nicht an

Nach Naturkatastrophen wie Stürmen haben die Regierungen plötzlich Millionen und Milliarden Dollar zur Verfügung, um die Schäden zu beseitigen und für den Wiederaufbau. Jahrzehntelange Erfahrung zeigt, dass der durchschnittliche Bürger von diesem Geld wenig sieht. Stattdessen geht es zum Beispiel zu Immobilien-Entwicklern und anderen eng mit der Politik verbundenen Gruppen. Das Geld wird vom privaten Sektor genommen – wo es am meisten gebraucht wird – und an die Leute weitergeleitet, welche es mit Projekten verschwenden, welche der Markt kaum bewerten kann.

Dieser Prozess kann dazu führen, dass sogar private Aufräumarbeiten verzögert werden. Die politische Klasse entdeckt, dass sie Gründe dafür hat, die Schäden so lange wie möglich so schlecht wie möglich aussehen zu lassen, alles in der Hoffnung, dass dann noch mehr Geld aus der Hauptstadt in die betroffene Region fließt.

Eine weitere Tendenz von Regierungen ist es, dass man „Lizenzen“ für alle Dienstleistungs-Profis haben möchte. Sie wollen, dass jemand einen Baum in Ihrem Garten fällt? Dann wählen Sie besser jemanden aus, der eine Lizenz dafür hat, oder Sie werden große Probleme bekommen. Natürlich behindert das neue Anbieter, genau da wo sie am meisten benötigt werden.

Staatsausgaben steigen, also auch Wirtschaftswachstum?

Normalerweise sehen Regierungen jeden Notfall als eine Gelegenheit, um mehr Macht zu erhalten. Waffen-Konfiszierung? Auch das wird kommen, wenn das Umfeld schlecht genug wird, wie gesehen in New Orleans nach dem Katrina-Desaster. Und dann ist da die Rolle der Ökonomen. Unweigerlich finden einige Vorteile an Naturkatastrophen, so wie einige auch Vorteile finden an staatlichen Ausgabenprogrammen, Inflation und Krieg. Ryan Sweet von Moody´s schrieb: „Während Naturkatastrophen zunächst einen großen Preis fordern, führen sie normalerweise danach zu zusätzlicher Wirtschaftsleistung.“

Yahoo Finance führte an, dass jede Zerstörung einen „Multiplikator“ habe, der danach zu mehr Wirtschaftsleistung führe. Dieses Mehr übertroffe die zuvorige Zerstörung. Es gibt aber keine Vorteile daran, wenn Vermögen zerstört wird. Aber versuchen Sie einmal, dass den Leuten beizubringen, die das BIP berechnen.

Wenn die Staatsausgaben wegen einer Katastrophe steigen, soll das Wirtschaftswachstum sein. Aber das ist es nicht. Egal, wie viele Ökonomen uns sagen, dass eine Katastrophe alle möglichen neuen wunderbaren Dinge inspirieren wird – der erste Eindruck ist die Wahrheit. Ein Sturm ist eine Naturkatastrophe, und es ist ein Schlag gegen die Wirtschaft.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Investor Verlag

Das Team von Investor-Verlag.de informiert Sie fundiert über die aktuellen Entwicklungen auf den weltweiten Finanzmärkten - egal ob über Aktien, Devisen oder Rohstoffe.

Regelmäßig Analysen über Börsenwissen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Investor Verlag. Über 344.000 Leser können nicht irren.


Alte Kommentare
  • Livia schrieb am 16.04.2013, 09:39 Uhr

    Es ist eine ganz alte Jacke daß nach einer Naturkatastrophe oder auch nach einem Krieg am Wiederaufbau kräftig verdient wurde und wird. Denn die zerstörten Wirtschaftsgüter sollen so schnell wie möglich wiederhergestellt werden, es ist ein echter neuer Erstbedarf da. Der Unterschied zu früheren Zeiten ist nur die heutige ausgefeilte Kommunikationstechnik und die schnelleren Wegezeiten und /oder mittels Technologieen wie durch die Luft wenn alle Straßen unpassierbar sind. Dadurch sind die betroffenen Gebiete nicht mehr in erster Linie auf sich gestellt und das verleitet den Staat natürlich dazu sich einzumischen und seinen Bestimmungen und Vorschriften auch im Notfall zur Geltung zu verhelfen! Auch wird dadurch verhindert, daß Gebrechliche und Kranke zuerst sterben, was in früheren Fällen stets der Fall war und den Überlebenden die Sorge um die "Zombies" vom Hals schaffte. Selbst Kleinkinder überlebten die unmittelbare Zeit nach Katastrophen früher nicht, die Zahl wurde aber damals auch schnell wiederaufgeholt sobald sich die Zustände einigermaßen normalisiert hatten. Ein interessantes Beispiel ist die Überschwemmung Niederbayerns im 13.Jh. oder die Zeit nach dem 30jährigen Krieg. Bis das erstere z.B. in Norddeutschland bekannt wurde, waren die Wasser längst abgeflossen und für Mitteleuropa im Jahr 1648 hat sich z.B. in Frankreich - was an dem Konflikt ja gut verdient hatte - oder auch in England keine Mensch interessiert. Mitteleuropa war damals arm und mußte sich selbst helfen; (Hilfs-)Güter bekam nur der, der auch zahlen konnte.