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Wer jetzt kein Haus kauft ist blöd?

Wahrscheinlich geht es nicht allen von Ihnen wie mir, aber immer wieder höre ich gut gemeinte Sätze wie „Du bist doch jetzt im guten Alter in den Dreißigern und die Zinsen sind niedrig. Es wäre doch blöd von dir, das nicht für den Kauf einer eigenen Immobilie zu nutzen! Finanzierungen sind doch günstig im Moment.“

Wer jetzt also kein Haus kauft, ist blöd?

Man könnte meinen, dass hier durchaus etwas dran sein könnte, folgt man etwa Schlagzeilen wie der des Schweizer Onlineportals Blick.ch

Doch ist ein vernünftiger Immobilienkauf wirklich so einfach?

Wichtige Faktoren am Immobilienmarkt

Natürlich sind niedrige Kreditzinsen auf den ersten Blick durchaus vorteilhaft für den Kauf von Immobilien, ist doch die Finanzierung dadurch ein gutes Stück niedriger, was die Kosten angeht. Doch macht das einen Hauskauf bereits zur ausgemachten Sache? Mit Sicherheit nicht…

Niedrige Kreditzinsen sind nämlich nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Bedenken Sie dies: Jeder Preis am Markt entsteht durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Immobilien bilden hier keine Ausnahme. Nun führen niedrige Kreditzinsen tatsächlich zu billigeren Finanzierungskonditionen. Aber das wissen natürlich nicht nur Sie als potenzieller Kaufinteressent, sondern eine ganze Menge weiterer Menschen auch. Mit anderen Worten, es steigt in solchen Zeiten gleichzeitig die Nachfrage nach Immobilien massiv an, was wiederum die Preise für Immobilien sehr in die Höhe treibt. Kommt dazu noch Unsicherheit hinzu, wie es etwa mit dem Geldwert des Euros oder der Sicherheit Ihres Ersparten weitergeht, haben Sie einen weiteren Faktor, der viele Menschen ins „Betongold“ treibt.

Dies wiederum führt zu einem interessanten Resultat, nämlich gerade nicht zu einem Käufermarkt, sondern zu einem idealen Markt für Verkäufer von Immobilien (Ausnahmen gibt es natürlich immer, aber ich spreche hier bewusst verallgemeinernd). Nur verstehen das leider die wenigsten Menschen. Ich sehe dies selbst immer wieder bei Altersgenossen, die nun mehr oder weniger frisch geheiratet haben, und natürlich „standesgemäß“ das „Eigenheim“ erwerben möchten. Die eigentliche Tragik dabei ist jedoch, dass diese Menschen glauben, ein Schnäppchen gemacht zu haben, jedoch die Betriebskosten eines Hauses und Nebenkosten beim Kauf übersehen und mit ihrer Immobilie sämtliche Liquidität auf die nächsten Jahrzehnte binden. Ein Vermögensaufbau ist damit extrem erschwert. Und wehe, wenn dann doch die Scheidung kommt…

Dabei mache offenbar nicht nur ich derartige Beobachtungen. Selbst das Magazin „Fokus“ und der prominente Schuldnerberater Peter Zwegat warnen inzwischen öffentlich davor, sich bei Baufinanzierungen nicht die Finger zu verbrennen (übrigens typisch für einen Markt, in dem die breite Masse euphorisiert ist und nicht mehr über das nachdenkt, was sie tut, ähnlich wie der Gruppenzwang, „dabei sein zu müssen“ bei Aktienblasen wie der Techbubble etwa).

Auch ich erhalten immer wieder Fragen bezüglich dieses Themas. Ich kann Ihnen aus aktuellem Anlass nur raten, eine derartige Entscheidung extrem genau durchzurechnen und zu überlegen. Wenn Sie langjähriger Leser von mir sind, wissen Sie es sowieso: Eine Immobilie zur Eigennutzung ist in meinen Augen kein Vermögensgegenstand, sondern lediglich ein Luxusgut, da sie Ihnen kein Einkommen bringt, sondern nur Geld verschlingt. Aus diesem Grund käme ich aktuell auch nicht auf die Idee, großartig im Immobilienmarkt zu „shoppen“.

Anders sieht es bei Immobilien zur Vermietung aus. Hier betreiben Sie ein eigenes Geschäft, das sicher in jedem Markt laufen kann, wenn Sie gut sind. Dennoch würde ich Immobilien, wie alle anderen Investments auch, nur dann kaufen, wenn sie niemand haben will. Und das ist meist eben dann der Fall, wenn die Zinsen höher sind bzw. es schwieriger ist für Käufer, Kredite zu erhalten, also gerade nicht so wie im Moment . Wer dann zugreift und in Zeiten wie jetzt zu deutlich gestiegenen Preisen verkauft, der macht das wirkliche Geld. Der Rest hat ein hohes Risiko, sich sehr unglücklich zu machen…

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Über den Autor Alexander Hahn

Alexander Hahn stieß Ende 2007 zum Investor Verlag und ist Chefanalyst des kostenlosen Newsletters Value Daily.

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Alte Kommentare
  • Heinz Lang schrieb am 27.06.2014, 14:28 Uhr

    Guten Tag Herr Hahn, Ihre These, das die eigengenutze Immobilie ein "Luxusgut" ist, das nur Geld verbrennt, ist in meinen Augen nicht zuende gedacht. Denn was ist dann ihrer Meinung nach eine Miete, die an den Eigner gezahlt wird? In der Miete sind ja auch alle Nebenkosten wie Grundsteuer, Bankzinsen etc. umgelegt. Ein Mieter muss also diese Kosten auch tragen... verbleiben nur die Kosten für die effektive Tilgung des Kredites und die anfallenden Reparaturkosten, welche den Eigennutzer treffen :O, dafür spart er die Miete. Ein bisschen mehr "tieferschürfen" sollte schon sein ;) mit freudlichen Grüßen Heinz Lang

    • Alexander Hahn antwortete am 28.06.2014, 00:16 Uhr

      Guten Tag Herr Lang, sorry, aber den Ball muss ich Ihnen zurückspielen. Die eigene Immobilie verschlingt weit mehr als die Miete und verpflichtet zu weitaus mehr. Rechnen Sie es doch mal durch, was Ihnen beim Kauf eines Eigenheims alles entgeht. Von der Liquiditätsbindung, kein Vermögensaufbau, das Geld an die Bank, Steuern, Nebenkosten, der Verlust an Lebensqualität durch die Angst vor Jobverlust und nicht mehr in der Lage zu sein die Raten zu bedienen und vieles mehr. Was macht ein Vermieter, wenn er etwas reparieren muss? Richtig, Betriebsausgabe und Steuerabzug. Ein Eigenheimbesitzer? Der blecht gnadenlos. Und im Alter? Ist das Betongeld eine "Spardose"? Um es mit den Worten von Dirk Müller zu formulieren, wollen Sie von der dann alten Bude einen Schornstein verkaufen um in den Urlaub zu fahren? Die Rechnung geht nicht auf, sorry. Beste Grüße Alexander Hahn