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Warum plötzlich Bank- und Automatengebühren?

Nicht nur, dass Sie inzwischen Negativzinsen für Ihre Spareinlagen kassieren – jetzt sollen Sie auch noch Gebühren bezahlen, um Ihr Geld zu überweisen oder vom Automaten abzuheben.

Doch warum verlangen die Banken überhaupt plötzlich Geld?

Schließlich waren die Kontoführung und das Abheben per Geldautomat jahrzehntelang gebührenfrei. Und noch letztes Jahr versprach der Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon:

„Abhebungen an unseren Geldautomaten sind für Sparkassenkunden kostenlos – und das wird auch so bleiben.“

Warum der plötzliche Sinneswandel?

Bereits im Dezember letzten Jahres warnte Andreas Dombret, Vorstandsmitglied bei der Deutschen Bundesbank, dass sich Sparer auf steigende Gebühren einstellen müssen:

„Ich finde, neue Gebührenmodelle müssen ausgewogen sein, dürfen aber kein Tabu darstellen.“

Die hohen Kosten begründete Dombret damals noch mit den hohen Kosten für Personal und Auszugsdrucker.

In einem Interview mit der „Welt“ machte sich Dombret kürzlich wieder für steigende Bankgebühren stark:

„Wir sehen ein Ende der Umsonstkultur.“

Nur nannte er diesmal die Nullzinspolitik der EZB als Grund. Durch die Niedrigzinsen würden den Banken Einnahmen aus dem Kreditgeschäft wegbrechen.

Noch dazu zahlen die Banken inzwischen selber Strafzinsen von -0,4 %, wenn sie ihr Geld bei der EZB parken.

An die Geschäftskunden haben die Banken ihre Negativzinsen längst schon weitergereicht. Doch was die Privatkunden angeht, zieren sich die Banken.

Hier drehen sie lieber an der Gebührenschraube als gleich einen Strafzins für Kontoinhaber einzuführen.

Das Ergebnis ist natürlich das gleiche. Letzten Endes zahlen Sie als Kunde die Zeche.

Was ist dran am Nullzins-Argument?

Über die angeblich niedrigen Margen im Gewinngeschäft jammern die Banken bereits seit den 1990er Jahren. Doch was ist wirklich dran an diesem Argument?

Meine Einschätzung: Das Nullzins-Argument ist nur vorgeschoben.

Sicher, durch die Nullzinspolitik der EZB verlieren die Banken Einnahmen im Kreditgeschäft.

Dabei müssen Sie aber bedenken, dass die Banken nur eine Mindestreserve von 1 % haben. Das heißt, wenn die Banken 100 Euro verleihen, müssen sie dafür nur einen Euro tatsächliches Kapital haben.

In anderen Worten: Für jeden Euro, den eine Bank besitzt, verleiht sie stolze 100 Euro. So können die Banken das HUNDERTFACHE an Zinsen kassieren.

Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie die Banken dabei über ihre Margen jammern können!

Kostenargument ist eine dreiste Täuschung

Das gleiche gilt für das Kostenargument. Laut der FAZ macht sich der Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon dafür stark, dass ALLE Sparkassen künftig Gebühren zum Abheben verlangen sollen.

Grafik: Risiko-Minimierung dank geschickter Plannung

Wer jetzt kein Haus kauft ist blöd?Wahrscheinlich geht es nicht allen von Ihnen wie mir, aber immer wieder höre ich gut gemeinte Sätze wie "Du bist doch jetzt im guten Alter in den Dreißigern und die… › mehr lesen

Als Grund dafür nennt er, dass die Aufstellung und Wartung von Bankautomaten schließlich Geld kostet. Dafür sollen jetzt die Kunden aufkommen.

Das finde ich eine Frechheit!

Denn – Sie erinnern sich vielleicht sogar noch selbst daran – bis in die 80er Jahre gab es vielerorts in Deutschland noch überhaupt keine Bankautomaten. Wenn Sie Geld abheben wollten, dann gingen Sie an den Schalter.

Als die Bankautomaten aufgestellt wurden, übernahmen Sie als Kunde die Arbeit selber. Die Banken konnten Personal abbauen und so massiv Kosten einsparen.

Doch jetzt – Jahrzehnte später – sollen Sie als Kunde für die Bankautomaten zahlen – obwohl die Betriebskosten der Banken durch diese Automaten in den Keller gingen!

Sie sollen also als Kunde nicht nur mehr Arbeit übernehmen… sondern dafür auch noch mehr bezahlen.

Warum die Gebühren kommen, ist letztlich Nebensache.

Letztes Jahr waren es noch hohe Kosten für Auszugsdrucker… heute sind es Betriebskosten für Bankautomaten und die Nullzinspolitik der EZB. Die Banker sind nicht verlegen, wenn es um Gründe für steigende Bankgebühren geht.

Letztlich läuft es auf dasselbe hinaus: Als Sparer werden Sie zur Kasse gebeten.

Das ist ein Zweifronten-Angriff auf Ihr Privatvermögen. Denn nicht nur bekommen Sie so keine Zinsen mehr auf Ihre Ersparnisse – Sie sollen auch noch Lösegeld bezahlen, dafür dass die Bank Ihnen Zugriff auf Ihr eigenes Geld gibt.

Und denken Sie nicht, dass es nur bei den Sparkassen bleibt.

 

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