Warum die Acerinox-Aktie trotz 5,8 Prozent Dividende riskant ist

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Der Stahlmarkt steht unter Druck – und das spüren Sie auch als Anleger.

Zölle, Klimapolitik, militärische Aufrüstung: Die geopolitischen Spannungen greifen tief in den Markt ein und verändern die Spielregeln schneller, als es den Unternehmen guttut. Für Sie bedeutet das: Selbst scheinbar attraktive Aktien bergen derzeit erhebliche Risiken. Ein Beispiel dafür ist Acerinox.

Hohe Dividende – aber ein schwaches Halbjahr

Mit einer Dividendenrendite von 5,8% wirkt Acerinox auf den ersten Blick attraktiv. Doch ein genauer Blick auf das 1. Halbjahr 2025 zeigt: Hinter der hohen Ausschüttung steckt momentan wenig Substanz. Zwar legte der Umsatz um 10% auf 3,06 Mrd. € zu – unter dem Strich stand jedoch ein Verlust von 18 Mio. €.

Das Ergebnis wurde durch mehrere Sonderfaktoren belastet: Wertminderungen von 48 Mio. € auf Steuergutschriften, ein negativer Währungseffekt von 10 Mio. € durch den schwächeren Dollar sowie Lagerbestandsanpassungen in Höhe von 28 Mio. €.

Diese Zahlen sprechen eine klare Sprache: Eine hohe Dividende allein macht aus Acerinox noch keine stabile Anlage. Gerade in einem konjunkturabhängigen Geschäft wie Stahl zählen verlässliche Gewinne – und genau die fehlen im Moment.

Zwischen Zöllen, Überkapazitäten und Unsicherheit

Kurzfristig profitiert Acerinox zwar von seiner starken Position in den USA. Neue Importzölle schützen dort heimische Produzenten. Doch dieser Vorteil hat eine Kehrseite: Überschüssiges Material, das ursprünglich für den US-Markt bestimmt war, landet nun in Europa – und verstärkt dort den Preisdruck.

Gleichzeitig verschärfen geopolitische Konflikte und der Trend zur Deglobalisierung die Unsicherheit. Acerinox versucht, durch den Ausbau seiner Produktionsstandorte gegenzusteuern und international breiter aufgestellt zu sein. Doch solche Schritte kosten Zeit und Kapital – beides ist in einem Umfeld mit sinkenden Margen knapp.

Warum ich abwarte – und was das für Sie bedeutet

Ich verstehe gut, wenn Sie bei 5,8% Dividendenrendite ins Grübeln kommen. Solche Zahlen wecken Hoffnungen – gerade in Zeiten niedriger Zinsen und anhaltender Inflation. Aber genau hier ist Vorsicht angebracht: Eine hohe Dividende kann fundamentale Schwächen nicht überdecken.

Die Stahlbranche steht vor einem tiefgreifenden Wandel: politischer Gegenwind, teure Klimainvestitionen, Handelskonflikte. Solange offen bleibt, ob Acerinox diesen Wandel erfolgreich meistert und gleichzeitig wieder auf einen stabilen Gewinnpfad zurückfindet, bleibe ich zurückhaltend.

Mein Fazit für Sie: Acerinox ist derzeit kein Kandidat für mein Dividendendepot. Beobachten, analysieren – und Geduld haben. So erhöhen Sie Ihre Chancen, im richtigen Moment einzusteigen.