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Die deutschen Dividenden-Könige 2022: Warum jetzt Vorsicht geboten ist!

Die deutschen Dividenden-Könige 2022: Warum jetzt Vorsicht geboten ist!
tomertu / stock.adobe.com
Inhaltsverzeichnis

Dividenden sind ein wichtiger Bestandteil der langfristigen Gesamtrendite von Aktien. Schauen Sie: Laut einer Analyse des Fondsanbieters JP Morgan Asset Management trugen die Ausschüttungen in den letzten 100 Jahren durchschnittlich rund 40 Prozent zur Aktien-Gesamtrendite bei.

Dividenden sind für Sie als Anleger also ein entscheidender Hebel zur nachhaltigen Renditeoptimierung. Heute wollen wir uns dieses essenzielle Thema einmal etwas genauer anschauen – mit Blick auf eine aktuelle Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Deutschlands größte Aktionärsvereinigung untersucht seit etlichen Jahren die Dividendenpolitik deutscher Aktien. Die neuste Studie jedenfalls schürt ordentlich Hoffnung – doch der schöne Schein könnte trügen. Dazu aber weiter unten mehr.

DSW-Studie: Anleger sollen 2022 kräftig belohnt werden

Zunächst das wichtigste Ergebnis der Untersuchung: Laut DSW wollen die deutschen Aktiengesellschaften dieses Jahr insgesamt etwa 70 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner ausschütten. Das entspricht einem Rekordanstieg von knapp 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu 2019 liegt das Plus demnach bei 22 Prozent.

Die DSW sieht die angekündigten Dividendensteigerungen als Beleg für die konjunkturelle Erholung infolge der Corona-Pandemie. Das Virus hatte in den Vorjahren die Gewinne vieler deutscher Börsenfirmen stark beeinträchtigt und somit auch deren Ausschüttungsquoten.

Allein bei den Dax-Konzernen sollen sich die Dividendenzahlungen im laufenden Jahr  auf 50,6 Milliarden Euro summieren (+47 % ggü. Vorjahr). Bei MDax-Firmen erwartet die DSW knapp 7 Milliarden Euro (+11,5 %), bei SDax-Vertretern 3 Milliarden Euro (12,2 %).

Hapag-Lloyd: der Dividenden-Krösus

Interessant: Bei den Nebenwerten, die zu keinem der drei Indizes gehören, soll sich die Dividendensumme um knapp 170 Prozent auf insgesamt 9 Milliarden Euro erhöhen. Verantwortlich hierfür ist vor allem die Reederei Hapag-Lloyd. Das Hamburger Transport- und Logistikunternehmen ist in keinem Auswahl-Index gelistet und will im laufenden Jahr eine Gesamtdividende von 6,15 Milliarden Euro ausschütten.

Die DSW bezeichnet die Reederei deshalb als den „Dividenden-Krösus 2022“. Selbst die großen Dax-Firmen kommen demnach nicht an die Ausschüttungsquoten von Hapag-Lloyd heran. Der Konzern hatte 2021 von der wieder anziehenden Weltkonjunktur und der hohen Nachfrage nach Seetransporten deutlich profitiert und seinen Gewinn massiv gesteigert.

Dax-Aktien: Premiumautobauer besonders großzügig

Doch auch viele Dax-Konzerne wollen in Sachen Dividende ordentlich zulegen. Im Folgenden die Top 5 des Dax-Dividendenjahrgangs 2022 (via DSW):

  1. Mercedes-Benz: 5,3 Mrd. Euro (+270 % ggü. Vorjahr)
  2. Allianz: 4,4 Mrd. Euro (+13 %)
  3. BMW: 3,8 Mrd. Euro (+205 %)
  4. Volkswagen: 3,7 Mrd. Euro (+56 %)
  5. Siemens: 3,4 Mrd. Euro (+14 %)

Sie sehen: Vor allem die beiden Premiumautobauer Mercedes und BMW wollen die Dividende enorm nach oben schrauben. Beide Konzerne hatten wegen der Chip-Verknappung ihre Autos deutlich teurer verkaufen können, was sich sehr positiv auf deren Gewinnmarge auswirkte.

Erhebliche Dividendensteigerungen sieht die DSW übrigens auch beim Sportartikelhersteller Puma (+ 350 %) und beim Werkstoffhersteller Covestro (+162 %). Aber auch im MDax soll es  stark aufwärts gehen. Hier dürfte Wacker Chemie mit +300 Prozent das größte Plus erreichen, gefolgt vom Gabelstaplerspezialisten Kion (+266 %) und dem Großküchenhersteller Rational (+108 %).

Blackbox Ukraine-Krieg

Alle genannten Unternehmen profitieren vom Konjunkturaufschwung infolge der Corona-Krise. Doch jetzt sollten Sie, liebe Leserinnen und Leser, genauestens aufpassen. Denn die Erholung der Wirtschaft steht derzeit auf dünnem Eise. Sie werden es schon ahnen: Natürlich geht es um den Ukraine-Krieg und dessen erhebliche Folgen.

Schauen Sie: Ein Teil der Dividendenvorschläge, auf die sich die DSW beruft, wurde vor dem Überfalls Putins auf die Ukraine verabschiedet. Die Auswirkungen des Krieges sind also noch längst nicht eingepreist. Es bleibt nun abzuwarten, ob einzelne Börsenfirmen ihre Dividendenvorschläge kurzfristig zurückziehen werden. Das wäre natürlich ein ungewöhnlicher Schritt – allerdings sind es auch ungewöhnliche Zeiten.

Formal muss der Dividendenvorschlag auf der Hauptversammlung des jeweiligen Konzerns von der Mehrheit der Teilnehmer verabschiedet werden. Die meisten DAX-Firmen haben ihre Hauptversammlungen jedenfalls noch vor sich.

Wichtig für Sie

Als Anleger sollten Sie jetzt insbesondere auf jene Branchen und Unternehmen achten, die durch den Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Hier könnte es in den nächsten Wochen zu manch unangenehmer Überraschung kommen. Das betrifft Konzerne, deren Produktionsquoten in Russland und der Ukraine relativ hoch sind, aber auch Firmen, für die der dortige Absatzmarkt wichtig ist.

Nicht zuletzt spielen auch die hohen Energie- bzw. Rohstoffpreise eine große Rolle – selbst für Unternehmen, die in Russland gar nicht oder kaum aktiv sind. Vor allem die Chemie- und Stahlbranche, aber auch die Autoindustrie verschlingen enorme Mengen an Rohstoffen und Energie. Die jeweiligen Unternehmen müssen also alles daran setzen, die hohen Preise an ihre Kunden weiterzugeben. Ob das gelingen kann, ist durchaus fraglich – vor allem wenn die Politik ein Embargo gegen russisches Öl und Gas verhängen sollte.

Absolute Gewissheit gibt es nicht

Auch die Dividendenzahlungen könnten also im schlimmsten Falle in den Sog des Krieges geraten. Dennoch bleibt anzumerken, dass Dividenden in der Regel deutlich weniger schwankungsaffin sind als Aktienkurse. Die Ausschüttungen können somit durchaus ein Stabilisierungsfaktor für Ihre Rendite sein. Absolute Gewissheit aber gibt es in diesen Zeiten nicht.