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Trading: Eine Frage der Wahrscheinlichkeiten

 

Liebe Leser,

in den letzten Wochen ging ich in verschiedenen Artikeln öfters auf das Themenfeld „Börse, Trading und das Handeln von Wahrscheinlichkeiten“ ein. Deshalb ist es heute an der Zeit, diesem doch recht wichtigen und für den langfristigen Erfolg unverzichtbaren Gebiet einen eigenen kleinen Artikel zu widmen.

Traden ist das Handeln von Wahrscheinlichkeiten…

Sehen Sie sich zur Einführung bitte diesen Chartausschnitt an:

Ich habe ganz bewusst den Namen der Aktie sowie die Zeitskalierung dieses Ausschnitts herausgeschnitten. Betrachten Sie den Chartverlauf. Würden Sie diese Aktie kaufen? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht? Handeln Sie nach Ihrem Bauchgefühl oder treffen Sie aufgrund klarer Regeln wie. z.B. Chartformationen Ihre Entscheidung?

Wie groß ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Long-Wert steigt und eine Shortposition fällt? „Das hängt von diesen oder jenen Faktoren ab…“ mag der eine oder andere von Ihnen jetzt vielleicht denken.

Aber was bedeutet  „Wahrscheinlichkeit“ überhaupt und wofür ist sie gut?

Die Wahrscheinlichkeit ist eine Einstufung von Aussagen und Urteilen nach dem Grad der Gewissheit (Sicherheit). Besondere Bedeutung hat dabei die Gewissheit von Vorhersagen. (aus: www.wikipedia.de)

Wie es die Definition von Wikipedia auch schon aussagt, so versucht jeder Trader eine möglichst „genaue Vorhersage“ für eine zukünftige Entwicklung (meist auf eine Aktie, Index, Rohstoffe, etc.bezogen) zu treffen, um von dieser zu profitieren. Jede Entscheidung wird bei einem Trade „unter Unsicherheit“ getroffen und bei jeder einzelnen Gewinn- und Verlustwahrscheinlichkeit lassen sich, sofern man dies möchte, mathematische Prinzipien aus der Wahrscheinlichkeitstheorie und der Statistik zur Näherung anwenden. Doch so kompliziert wie das auf den ersten Blick klingen mag, ist die Sache eigentlich gar nicht.

Versuchen Sie, ein persönliches Handelssystem zu entwickeln, welches eine Gewinnwahrscheinlichkeit pro Trade von über 50% aufweist. Es ist dabei völlig egal, ob Ihr System auf fundamentalen oder technischen Prinzipien beruht. Ob Sie persönlich oder ein automatisches Handelssystem dabei die Entscheidungen treffen ist ebenfalls irrelevant. Wichtig ist, dass Sie Ihr System ausreichend testen bevor Sie reales Geld einsetzen. Eine hohe Trefferquote und konsequente Verlustbegrenzung sind zwei der zahlreichen Grundsteine für den Börsenerfolg.

Verlieren trotz positiver Trefferquote? An der Börse durchaus möglich!

Doch mit einer hohen Trefferwahrscheinlichkeit alleine lässt sich noch kein erfolgreiches Handelssystem aufbauen. Die zweite wichtige Frage lautet: Wie groß ist der durchschnittliche Gewinn, und wie groß der durchschnittliche Verlust pro Trade?

Warum dieser Punkt so wichtig ist, zeigt Ihnen das folgende Beispiel:

Nehmen wir an, Trader Paul hat ein Handelssystem entwickelt, welchem er emotionslos folgt. Die Trefferwahrscheinlichkeit, dass aus einem Trade ein Gewinner wird, liegt bei 65%, die Verlustwahrscheinlichkeit somit bei 35%. Trader Paul ist begeistert von seinem System und steigt mit großem Kapitaleinsatz ein. Nach ca. 2 Jahren ist Paul völlig am Ende, da sein investiertes Kapital auf nur noch 30% zusammengeschmolzen ist. Was war geschehen? Sein System hatte nicht versagt, sondern hatte, wie prognostiziert, eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 65%. Was Paul jedoch nicht beachtete… Der Durchschnittsgewinn pro Trade betrug „nur“ 12%, der Durchschnittsverlust jedoch 39%.

Setzen Sie deshalb den Durchschnittsgewinn/-verlust pro Trade in Relation zur Trefferquote. Nur wenn beide Kennzahlen „auf Ihrer Seite“ sind, sollten Sie mit Ihrem Handelssystem fortfahren.

 

Positionsmanagement

Nachdem wir nun zwei wichtige Parameter, nämlich die Gewinnwahrscheinlichkeit und den durchschnittlichen Gewinn/Verlust pro Trade betrachtet haben, kommen wir zu einem weiteren wichtigen Aspekt: Das Positionsmanagement und allen voran die Frage… Wie viel soll ich investieren?

Dass diese Frage alles andere als einfach zu beantworten ist, erfuhren auch 40 Doktoren bei einem Experiment des berühmten Buchautors Ralph Vince, dessen Fachgebiet die mathematische Berechnung von Handelsmethoden ist.

Den 40 Doktoren (ausgeschlossen wurden Statistiker und andere Doktoren mit entsprechendem fachlichen Hintergrund) wurden in einer Handelssimulation jeweils imaginäre $10,000 zur Verfügung gestellt. Die Regeln lauteten wie folgt:

  • Gewinnt ein Spieler, so erhält er seine riskierte Summe plus den gleichen Betrag zurück.
  • Bei Verlust war der eingesetzte Betrag verloren (ähnlich wie bei der Rot/Schwarz Spielvariante im Casino).
  • Jeder Spieler erhält 100 Versuche.

Aber jetzt kommt das Besondere: Die vom einem Computer simulierte Gewinnwahrscheinlichkeit betrug 60%, die simulierte Verlustwahrscheinlichkeit nur 40%. Rein statistisch lässt sich mit solch einem Verhältnis der Wahrscheinlichkeiten jeder Verlust meist in überschaubarer Zeit wieder aufholen, wenn es nicht wirklich gerade sehr schlecht läuft. Und noch besser: Bei geschicktem Risiko- und Positionsmanagement, lassen sich $10.000 mit 100 Versuchen deutlich vervielfachen.

Und jetzt raten Sie einmal, wie viele von den 40 Doktoren am Ende des Versuchs Geld gewonnen haben? 95% oder sogar 99%? 80% doch sicher, oder? Überraschung…

Lediglich 2(!) von 40 Versuchsteilnehmern.

Nur 5% hatten bei einer Simulation, bei der die Gewinnwahrscheinlichkeit bei 60% lag, Geld gewonnen. 95% der sonst erfolgreichen Akademiker hatte Geld verloren.

Was war der Grund für diese Misere? Ganz einfach: Gier gepaart mit schlechtem Positionsmanagement

Damit wird klar, wie groß der Einfluss eines guten Positionsmanagements auf die Performance Ihres Portfolios ist.

 

Es gehört mehr dazu, als nur „richtig zu liegen“

Dieser Artikel sollte Ihnen einen kleinen Eindruck vermitteln, dass zum erfolgreichen Traden weitaus mehr gehört, als nur mit einer Entscheidung „richtig zu liegen“. Es sind viele Faktoren, von denen ein wirklich nachhaltiger und langfristiger Börsenerfolg abhängig ist. Gehen Sie den Weg der kleinen Schritte, und versuchen Sie sich und Ihr Handelssystem bzw. Ihren Handelsansatz nach und nach v.a. durch angelesenes Wissen zu verbessern, welches Sie in diesen integrieren.

Betrachten Sie Ihr Portfolio als ein eigenständiges Unternehmen, welches immer wird auf Erfolg geprüft werden muss. Investoren Wissen wird Ihnen weiterhin als externer und völlig kostenloser „Unternehmensberater“ hierbei zur Seite stehen.

Beste Grüße

 

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Über den Autor Alexander Hahn

Alexander Hahn stieß Ende 2007 zum Investor Verlag und ist Chefanalyst des kostenlosen Newsletters Value Daily.

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