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Börse: Wir können nicht in die Zukunft sehen

Frankreich – Regeln sind das, an was wir uns wenden, wenn wir nicht wissen, was zu tun ist. Und meistens wissen wir nicht, was zu tun ist.

Hier zunächst etwas, dass ich vor einigen Tagen geschrieben habe. Es zeigt nicht nur, wieso wir niemals die Zukunft kennen können… sondern auch, wieso wir damit besser dran sind. Infolge dessen, dass wir zumeist nicht wissen, was zu tun ist, sind unsere Investments – genau wie unsere Lebensphilosophien – aufgebaut auf einem Fundament aus Ignoranz.

Bestimmt. Konstant. Unnachgiebig. Ignoranz ist etwas, auf das man zählen kann. Ein Mensch ist nur in dem Maße weise (und da können Sie mich gerne zitieren), in dem er sich der eigenen Ignoranz bewusst ist.

Je klüger er ist, desto mehr sieht er sich selbst als ignoranten Trottel. Auf der anderen Seite ist der echte Trottel derjenige, der denkt, er sei weise. Er denkt er weiß Dinge, die er unmöglich wissen kann.

Es ist den Menschen nicht gegeben, ihr Schicksal zu kennen, so sagten es die Menschen der Antike. Wir können niemals wissen, was die Zukunft bringen wird – weder was unsere Investments betrifft, noch unsere Privatleben.

Und da wir nun einmal die Zukunft nicht kennen, können wir auch nicht hoffen, sie zu verbessern…außer in den nebensächlichsten und einfachsten Dingen.

„Ich werde besser dran sein“, sage ich zu mir selbst, wenn ich nur ein paar Sekunden zurückblicke, „Wenn ich noch nicht sofort vom Bordstein steige, sondern erst den Bus vorbeifahren lasse.“ Das wäre ein Beispiel.

Aber werde ich nächstes Jahr besser dran sein, wenn ich heute Google kaufen würde? Wird die Welt in 10 Jahren ein sichererer und besserer Ort sein, wenn man heute Bomben auf Krisengebiete wirft?

Das Geschenk der Hellsichtigkeit

Das Geschenk der Hellsichtigkeit ist keines, das man zu Weihnachten verschenken kann. Was für ein schreckliches Geschenk wäre das auch?

Okay, man könnte heute schon die Zeitungen von Morgen lesen…Und ja, man könnte sehen, welche Richtung der Goldkurs einschlägt und seine Investments dementsprechend gut anpassen. Man könnte von Naturkatastrophen lesen… Streiks… Revolutionen… und zusehen, dass man irgendwo anders ist!

Aber wie langweilig wäre so ein Leben wohl. Es gäbe keine angenehmen Überraschungen. Und auch keine Chance zur Verbesserung oder etwas zu Stande zu bringen. Man könnte den Nobelpreis bekommen. Und wenn schon?

Es war ja vorherbestimmt. All das Streben und der Schweiß, den man gelassen hat, würde keinerlei Unterschied machen. Die ganze Sache war schon im Sack, bevor man überhaupt angefangen hat.

Stellen Sie sich einmal die Ödnis der Sache vor. Tag für Tag geht man durch die Windungen des Lebens ohne Sinn und Verstand und ohne dessen Risiken.

Jede Handlung…. jedes Wort… jede Veranstaltung …. alles ist schon für Sie in erhabenen Reliefs eingeschrieben. Und man selbst läuft stur seiner Wege, ohne sich auch nur ansatzweise zu wundern, was sie bedeuten sollen. Was hätte man auch davon?

Die Show geht ja ohnehin weiter… mit dir oder ohne dich… und wir spielen alle nur eine kleine Rolle darin.

Keine Geschichten der Zukunft

Wenn man wüsste, dass man selber besser dran sein würde, in dem man Lügen erzählt oder Menschen umbringt, würde man losgehen und es tun.

Wenn man in die Zukunft schauen könnte – und die Macht dazu hätte, sie aufzubessern, bevor sie passiert – wieso sollte man es nicht tun?

Stellen Sie sich vor, es wäre 1920… und Sie hätten die Geschichte des 20. Jahrhunderts in Ihrem Gehirn. Sie reisen durch Bayern und während Sie in einem Zug Waggon sitzen, steigt ein finsterer junger Mann, der kürzlich die deutsche Armee verlassen hat, in den Wagen ein.

Sein Name ist, wie Sie wissen, Adolf Hitler… und Sie haben eine geladene Waffe in der Tasche.

Was tun? Den Abzug ziehen? Wieso nicht?

Was auch immer passieren würde, es wäre wohl kaum schlimmer, als das, was tatsächlich passiert ist.

Aber leider Gottes haben wir keine Geschichten der Zukunft in unseren Gehirnen – Ignoranz ist alles, auf das wir bauen können… und Regeln sind alles, wonach wir uns richten können.

Wir dürfen nicht töten… wir dürfen nicht stehlen… und wir dürfen nicht lügen. Wir folgen diesen Regeln, weil wir Ignoranten sind. Genauso machen wir keine überteuerten Investments. Natürlich könnten sie im Wert steigen. Doch wissen können wir das nicht.

Also bleiben wir bei unseren Regeln.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Bill Bonner

Im Jahr 1978 gründete Bill Bonner das Unternehmen, welches heute als Agora Inc. bekannt ist.

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Alte Kommentare
  • MrBankokratie schrieb am 20.11.2015, 08:55 Uhr

    Egal was wir tun, wir wissen nicht ob es gut für morgen ist? Blödsinn. Moralisches Verhalten und eine Abwägung unserer Taten mit dem Herzen sind defintiv ein Grundstein für eine gute Zukunft. Es gibt ja nicht nur menschengemachte Gesetze, sondern auch Gottes Naturgesetze. Die Achtsamkeit und Bewußtheit der Handlung im Moment, ermöglicht es insgesamt gute Ergebnisse und Erfolge zu erzielen. Man sät, was man erntet. Die Spiritualisten wissen: Alles was geschieht, ist das bestmögliche für jedermanns/fraus Entwicklung. Wie die Ereignisse insgesamt miteinander verkettet sind, können wir natürlich nicht vollständig erkennen. Bei einigen Dingen wie Investments hängen unsere persönlichen Ergebnisse auch von den Entscheidungen von anderen ab und somit nur eingeschränkt verlässlich prognostizierbar.