MenüMenü

Brexit: Lockerungen an der Londoner Börse?

Der Brexit ist seit Januar vollzogen, doch bisher fühlt es sich nicht so an. Die herben wirtschaftlichen Einschnitte folgen erst zum Jahreswechsel in ein paar Wochen, wenn die Übergangsphase endet.

Diese hatte man beschlossen, um doch noch zu einem Vertrag über die künftigen Beziehungen zu gelangen und insbesondere die Regelungen für den Handel auszuarbeiten. Knackpunkte waren dabei vor allem die Fischereirechte sowie die Frage nach Zollkontrollen und somit einer physischen Grenze zwischen Irland, das weiterhin EU-Mitglied bleibt, und dem britischen Norden der Insel.

Harter Brexit – auch für die LSE

Doch je näher die Frist rückt, desto deutlicher wird, dass es hier wohl zu keinem Kompromiss mehr kommen wird. Die Folge: ein „harter Brexit“, also ein Austritt Großbritanniens, ohne die künftigen Beziehungen zu regeln. Ein Albtraum für die Wirtschaft diesseits wie jenseits des Ärmelkanals.

Ein Albtraum ist der Brexit auch für den Finanzplatz London. Etliche Firmen haben sich schon in Richtung Kontinentaleuropa umorientiert. Auch die Frankfurter Börse profitiert von den Londoner Unwägbarkeiten.

London – bislang erste Börsenliga und auf Augenhöhe mit New York, Hongkong oder Tokio – droht im Chaos zu versinken. Im Großraum rund um die Metropole sowie in der Hauptstadt selbst hatte 2016 eine deutliche Mehrheit gegen einen EU-Austritt gestimmt. Nun müssen sie mit den Folgen des Votums zurechtkommen.

London Stock Exchange prüft Lockerungen bei IPO-Regeln

Derzeit prüft die Londoner Börse offenbar Lockerungen für Börsengänge. Diskutiert wird ein Abschied von bestehenden Regeln, etwa einer Vorgabe von einem Streubesitzanteil von mindestens 25 Prozent oder auch der Möglichkeit, eine größere Anzahl verschiedener Aktiengattungen mit unterschiedlichen Rechten auszugeben.

Im Gegensatz etwa zu den USA, wo Anteilsscheine mit Sonderprivilegien gang und gäbe sind, herrschen in Europa strengere Vorgaben. Auch in London sind die Möglichkeiten bislang begrenzt. Mit einer Lockerung in diesem Bereich will der Londoner Finanzplatz vor allem Start-ups anlocken und für IPOs attraktiver werden.

Aktionärsschützer fürchten bei einer Umsetzung der Überlegungen Nachteile für Anleger, etwa den Verlust von Möglichkeiten der Einflussnahme und Kontrolle des Unternehmens, dem sie ihr Kapital anvertrauen.

LSE Aktie läuft langfristig besser als Deutsche Börse AG

Noch ist nichts entschieden. Die im Raum stehenden Gedankenspiele sollen in den kommenden Wochen geprüft werden, Entscheidungen werden für Anfang des Jahres erwartet. Aktien der London Stock Exchange (LSE) gaben im Laufe der Woche um mehr als 5 Prozent nach. Von den Marktturbulenzen im Frühjahr, ausgelöst durch die Pandemie und die länderübergreifenden Lockdown-Maßnahmen, hat sich das Papier jedoch inzwischen erholt: Auf Jahressicht liegt der Kurs zweistellig im Plus.

Die Aktie der Deutsche Börse AG hingegen notierte zuletzt in etwa auf Vorjahresniveau. Etliche Dax-Konzerne hat die Corona-Krise empfindlich getroffen: Etwa die Hälfte liegt derzeit auf Jahressicht im Minus.

Anlagejahr 2017: Vorsicht vor Immobilien, Euro und EU-AktienWir dürften im kommenden Jahr genau das umgekehrte Bild sehen wie Ende 2016. Ob der Euro davon profitieren kann, ist jedoch völlig offen. › mehr lesen

 

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor
Felix-Reinecke
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Felix Reinecke. Herausgeber: FID Verlag GmbH. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz