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Fakten zu Mittelstandsanleihen

Anleihen, die Unternehmen aus dem Mittelstand emittieren, sind noch eine sehr junge Anlageklasse. Bis in das Jahr 2009 wurden in Deutschland Unternehmensanleihen nahezu ausschließlich von Großunternehmen begeben. Erst Mitte des Jahres 2010 wurden die ersten Mittelstandsanleihen in speziell geschaffenen Segmenten an den deutschen Börsen notiert. Vorreiter war die Börse in Stuttgart mit ihrer Anleihenplattform BondM.

Mittelständische Unternehmen machen sich bankenunabhängig

Die Finanzkrise und die damit verbundene Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe haben erheblich zum enormen Wachstum dieser neuen und hochattraktiven Anlageklasse beigetragen: Allein im Jahr 2011 wurden in Deutschland bereits 31 Mittelstandsanleihen mit einem Emissionsvolumen von rund 1,5 Milliarden Euro begeben.

Verglichen mit den Hunderten von Milliarden an Euro-Rettungsgeldern, die durch die Emission von Staatsanleihen refinanziert werden, ist das natürlich ein sehr kleines Marktsegment. Aber diese Schulden sind im Gegensatz zu wachsenden Geldmengen und Staatsschulden gekoppelt an die realwirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Substanz von Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand.

Immer mehr Unternehmen, die oftmals überwiegend in Familienbesitz sind, sehen dabei die Vorteile dieser innovativen, bankenunabhängigen Finanzierungsmöglichkeiten. Ein Familienunternehmer kann sich dadurch Kapital für weiteres Wachstum beschaffen, ohne dass er Unternehmens- und somit Stimmrechtsanteile abgeben muss. Auch die Rechtsform seiner Gesellschaft kann er beibehalten. Für einen Börsengang ist die Rechtsform einer AG zwingend vorgeschrieben. Mittelstandsanleihen können jedoch auch von GmbHs, KGs oder Einzelunternehmen emittiert werden. Im Gegensatz zu Bankkrediten muss ein Unternehmen für eine Anleihenemission auch keine zusätzlichen Sicherheiten stellen, was andernfalls die Unternehmensstrategie oft stark negativ beeinflussen würde.

Mittelstand ist Rückgrat unserer Wirtschaft

In Deutschland gehören über 90% der Unternehmen zur Gruppe der sogenannten kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU). Diese Firmen stellen fast 40% des Gesamtumsatzes aller Unternehmen in Deutschland. Sie als Anleger investieren mit dem Kauf ausgesuchter Anleihen aus dem Mittelstand in das realwirtschaftliche Rückgrat Deutschlands. Ihr eingesetztes Kapital wird produktiv verwendet – in soliden Branchen mit Zukunftspotenzial.

Wesentliche Merkmale von Mittelstandsanleihen

Das wesentliche Merkmal einer Mittelstandsanleihe ist, dass es sich in der Regel um eine kleinvolumige Anleihe zwischen 10 Millionen Euro bis rund 200 Millionen Euro handelt. Diese Anleihen werden dabei über den organisierten Kapitalmarkt emittiert. Im Gegensatz zum deregulierten, sogenannten Grauen Kapitalmarkt erhöht das die Sicherheit für Sie als Investor deutlich. Darüber hinaus hat sich am Kapitalmarkt durchgesetzt, dass Mittelstandsanleihen kein Rating einer großen Agentur wie Standard & Poor’s oder Moody’s benötigen. Nur der Markt definiert die Renditen. Was die Ratings der großen US-amerikanischen Agenturen wert sind, haben Fälle wie Lehman Brothers, Griechenland oder zahlreiche weitere Schieflagen von Ländern und Unternehmen gezeigt. Hier wurden die Ratings erst angepasst, nachdem der Markt längst die entsprechende, negative Kursentwicklung vollzogen hatte.

Bei Mittelstandsanleihen genügt das Rating einer von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassenen, deutlich preisgünstigeren Ratingagentur. Hierzu zählen beispielsweise Creditreform oder Euler Hermes. Es werden aber auch nicht geratete Mittelstandsanleihen an den Kapitalmärkten aufgenommen. Die Bereitschaft von Investoren und Kapitalanlegern, auf ein großes Rating zu verzichten, senkt für das mittelständische Unternehmen den Einsatz an personellen Ressourcen und die damit verbundenen Kosten erheblich.

Es gilt genau hinzuschauen

Doch unter der Vielzahl von Mittelstandsanleihen befinden sich auch viele „Schundpapiere“. Diese sind nicht immer auf den ersten Blick zu enttarnen, denn für viele dieser Unternehmen gibt es keine Ratings von großen Agenturen. Man sollte also schon genauer hinschauen, wie es um die finanzielle und geschäftspolitische Situation des Unternehmens bestellt ist, welches das „rentierliche Papier“ ausgibt. Die Vergangenheit hat einige düstere Beispiele hervorgebracht, wo Anleihe-Gläubiger nach der Pleite eines emittierenden Unternehmens ihr Kapital schwinden sahen, im schlimmsten Fall sogar einen Totalverlust erlitten.

Unabhängige Ratings aufgrund aktueller Zahlen

Die Börse Stuttgart bietet für die in ihrem Marktsegment BondM notierten Mittelstandsanleihen seit Februar 2012 eine Risikoeinschätzung durch ein spezielles Rating der Unternehmen an. Die Darstellung auf einer Skala von eins (sicherheitsorientiert) bis fünf (spekulativ) erleichtert die Interpretation der Ergebnisse. Ebenso wird auf Basis einer mathematisch fundierten Risikoanalyse ein statistisches Gesamtrisiko Ihrer Investitionssumme errechnet und angezeigt.

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Über den Autor Investor Verlag

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