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Chinas Big Tech: Peking zieht die Daumenschrauben an!

Erinnern Sie sich? Erst vor etwa einem Jahr hatte der chinesische Social-Media-Riese Tencent den US-Konzern Facebook in Sachen Börsenwert übertrumpft. Und auch andere Tech-Konzerne aus China legten in den Monaten zuvor eine beeindruckende Rally hin. Doch der Boom der chinesischen Tech-Papiere nahm ein jähes Ende.

Schauen Sie sich einfach die aktuellen Börsenbewertungen der Chinesen im Vergleich zu den US-Pendants an (Stand: 23. August):

  • Tencent: 444 Mrd. €
  • Facebook: 732 Mrd. €
  • Alibaba: 375 Mrd. €
  • Amazon: 1.385 Mrd. €

Zu viel Macht: Kommunistische Partei zieht Zügel enger

Der Grund für den Abstieg: Chinas Regulierungsbehörden laufen seit Monaten Sturm gegen die heimischen Konzerne. Vor allem der wachsende Einfluss der dortigen Techbranche wird in Peking als Gefahr für die eigene Vormachtstellung gesehen.

Das Kursdesaster in Chinas Techsektor begann schon im letzten Herbst mit Alibaba-Gründer Jack Ma. Der reichste Mann Chinas hielt in Shanghai eine folgenschwere Rede, in der er den von staatlichen Banken dominierten Finanzsektor der Volksrepublik als rückständig bezeichnete. Daraufhin reagierte Peking mit der Absage des Börsengangs der Alibaba-Tochter Ant Group.

Doch damit nicht genug: In den folgenden Monaten traf die Regulierungswut der Behörden unter anderem auch Tencent, den Fahrdienstvermittler Didi und den Lieferdienst Meituan. Die Kommunistische Partei begründete die Aktionen auch mit Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes.

Schließlich sind jene Konzerne in den USA gelistet, weshalb Peking befürchtet, dass sensible Daten über die chinesische  Bevölkerung in die Hände ausländischer Investoren gelangen.

Peking kennt keine Kompromisse

Klar: Auch im Westen wird derzeit heftig über die Marktmacht von Big Tech diskutiert. In den USA, dem Heimatland von Facebook, Amazon und Co., kursieren immer wieder Forderungen zur Zerschlagung der Giganten. Doch während in den Vereinigten Staaten ein langwieriger politischer Diskurs entsteht, lässt man in Peking ohne große Widerworte Taten sprechen.

Da passt es ins Bild, dass sich Chinas Tech-Riesen längst reumütig zeigten und eine Kooperation mit den Regulierungsbehörden ankündigten. Die Angst vor der Kommunisten Partei und deren Kadermentalität ist einfach zu groß. Kein Wunder also, dass sich Investoren in letzter Zeit reihenweise aus chinesischen Tech-Aktien zurückgezogen haben, was den Absturz der Aktienkurse auslöste.

Aber schießt sich China damit nicht ins eigene Bein?

Experten sehen in den Angriffen gegen die Tech-Konzerne keine willkürlichen, sondern wohlüberlegte Maßnahmen. Eine Art Warnschuss vor den Bug. Frei nach dem Motto: In China hat der Staat die oberste Bestimmungsgewalt und nicht die Privatwirtschaft.

Rein fundamental jedenfalls sieht es für Chinas Big Tech hervorragend aus. Im Fahrwasser des Wirtschaftswachstums und der erstarkten Mittelschicht sind die Angebote der Technologieriesen längst zum Alltag geworden. Mehr noch als in Europa ist die digitale Vernetzung z.B. via Smartphone dort zu einem unverzichtbaren Teil nahezu sämtlicher Aktivitäten avanciert.

Alibaba wächst einfach weiter

Der E-Commerce-Konzern Alibaba etwa konnte im zweiten Quartal 2021 seinen Umsatz um 34 Prozent verbessern, der Nettogewinn lag mit umgerechnet 5,7 Milliarden Euro 10 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Viele Analysten trauen dem Amazon-Pendant für das Gesamtjahr weiteres Wachstum zu – trotz des politischen Gegenwindes aus Peking.

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Über den Autor
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Marco Schnepf

Börse aus Leidenschaft: Marco Schnepf analysiert seit Jahren das tägliche Geschehen an den Kapitalmärkten.

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